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| 13:24 Uhr

Luckau diskutiert über Perspektiven im ländlichen Raum
"Selbst in Afrika ist das Mobilfunknetz besser als bei uns"

Über Perspektiven für den ländlichen Raum wurde am Donnerstag in Luckau diskutiert. Das Interesse war groß, etwa 80 Leute waren dabei.
Über Perspektiven für den ländlichen Raum wurde am Donnerstag in Luckau diskutiert. Das Interesse war groß, etwa 80 Leute waren dabei. FOTO: Andreas Staindl
Luckau. In Luckau wird über Perspektiven im ländlichen Raum debattiert. Jenseits der Metropolen warten noch immer große Herausforderungen. Von Andreas Staindl

Der ländliche Raum steht vor großen Herausforderungen. Die Rahmenbedingungen in Dörfern und Städten jenseits der Metropolen stimmen nicht. Am Donnerstag wurde darüber diskutiert. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hatte zum Forum „Perspektiven für das Leben und Arbeiten im ländlichen Raum“ in die Kulturkirche Luckau eingeladen. „Ich bin überrascht über die große Resonanz“, sagt Christina Eisenberg, die die Veranstaltung moderierte. Etwa 80 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Sozialverbänden sowie andere Interessierte aus mehreren Landkreisen waren dabei. Jörg Vogelsänger (SPD), Brandenburgs Minister für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landschaft, versicherte ihnen, dass „das Land die Entwicklung des ländlichen Raums unterstützt. Die Menschen dort brauchen Perspektiven. Sie haben die gleiche Aufmerksamkeit wie die Einwohner in den Städten verdient.“

34 Millionen Euro sind ihm zufolge seit 2007 über das Maßnahmenprogramm „LEADER“ der Europäischen Union in den Landkreis Dahme-Spreewald geflossen. Für den Minister ist das „gut angelegtes Geld“. Vogelsänger wünscht sich, dass mit der neuen Förderperiode ab 2021 „nicht alles geändert wird, was bisher gut und richtig war“.

Die Zukunft hat längst begonnen. „Wir müssen bei der finanziellen Ausstattung unserer Dörfer umdenken, die Schrumpfung dort gestalten, dann hat der ländliche Raum auch Perspektiven“, sagt Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos). Er sieht seine Stadt „gut aufgestellt. Einwohner- und Schülerzahlen etwa sind höher als prognostiziert. Und das hat nicht nur mit den Flüchtlingen zu tun.“

Der Verwaltungschef warb darum, „denen, die Perspektiven haben, auch zu vertrauen“. Er blickt optimistisch nach vorn. „Wir haben eine unheimliche Dynamik zwischen Berlin und unserer Region. Wir könnten viel mehr machen, wenn wir schnelles Internet hätten. Die Datenautobahn wird immer wichtiger, vielleicht schon wichtiger als die normale Autobahn. Immer mehr Menschen arbeiten von zu Hause aus. Das gibt ihnen die Möglichkeit, ihrer beruflichen Tätigkeit in großen Städten nachzugehen und doch die Vorzüge des Lebens auf dem Land zu genießen.“

Der Landwirt Heiko Terno schlägt in die gleiche Kerbe: „Wir reden seit 20 Jahren über schnelles Internet, passiert ist nichts. Selbst in Afrika ist das Mobilfunknetz besser als bei uns. Wie wollen wir junge Leute aufs Land holen, wenn die hier nicht überall ihr Handy nutzen können?“ Lothar Treder-Schmidt (Grüne) wünscht sich einen „besseren Personennahverkehr. Die hohe Auslastung der Pendler-Parkplätze an den Autobahnen zeigt doch, dass Bedarf da ist.“ Schönwalds Bürgermeister Roland Gefreiter (parteilos) erklärt, dass Schönwalde wächst, Schule und Kita aus allen Nähten platzen, die Gemeinde gern bauen möchte, „doch es klemmt an der Finanzierung; auch der Landesentwicklungsplan hemmt uns“.

Und nicht nur das. Unterspreewalds Bauamtsleiterin Michaela Schudek nennt das Landesgesetz für Planungsleistungen ein „Bürokratiemonster". Schudek: "Unser Bauamt ist zu 80 Prozent mit solchen Arbeiten beschäftigt. Schönwald musste 20.000 Euro einsetzen, damit eine Anwaltskanzlei eine europaweite Ausschreibung für die Erweiterung der Grundschule erarbeitet. Wir als Amtsverwaltung wären dazu nicht in der Lage gewesen.“

Jörg Stubbe, Eigentümer des Wildparks Johannismühle bei Baruth (Teltow-Fläming), wünscht sich von der Politik „mehr Visionen statt bürokratische Hürden“. Auch die Landtagsabgeordnete Sylvia Lehmann (SPD) warb für „mehr Mut und Vertrauen der Behörden. Die Politik kann allerdings nur die Bedingungen schaffen, gestalten müssen die Menschen vor Ort.“ Das tun sie nach Ansicht von Jörg Vogelsänger auch. „Es gibt in der ländlichen Region zahlreiche engagierte Menschen mit viel Selbstvertrauen“, sagt der Minister. Er versprach zudem, die angesprochenen Probleme mit nach Potsdam zu nehmen.