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| 12:01 Uhr

Die JVA Luckau-Duben – ein ungewöhnlicher Arbeitsplatz
Seelsorge hinter Gittern

Frank Fechner ist neuer Gefängnisseelsorger in der JVA Luckau-Duben. Er setzt auf gute Kontakte zur Stadt.
Frank Fechner ist neuer Gefängnisseelsorger in der JVA Luckau-Duben. Er setzt auf gute Kontakte zur Stadt. FOTO: LR / Carmen Berg
Frank Fechner ist der neue Pfarrer in der Justizvollzugsanstalt Luckau-Duben. Von Carmen Berg

Pfarrer Frank Fechner hat einen nicht alltäglichen Arbeitsplatz. Er ist Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Luckau-Duben. Im September hat er die Nachfolge von Ernst-Günter Heide angetreten, der in den Ruhestand ging. Am Freitag wird Fechner während eines Gottesdienstes in sein Amt eingeführt.

Die Region kennt der neue Gefängnisseelsorger gut, und auch das Arbeitsfeld hinter Gittern ist ihm nicht fremd. Frank Fechner, Jahrgang 1962,  ist im Raum Luckau aufgewachsen und zur Schule gegangen. Heute lebt der Vater von vier Kindern und Großvater von zwei Enkeln mit seiner Familie in Berlin. Elektroinstallateur hat er mal gelernt, sich schon in der Jugend in der Kirche engagiert und 1987 ein Theologiestudium aufgenommen. Während seines Vikariates, der praktischen Ausbildungszeit für Pfarrer, arbeitete er in der JVA Berlin-Tegel.

Den Großteil seines Berufslebens verbrachte Frank Fechner jedoch als Pfarrer und Leiter einer diakonischen Einrichtung der Stephanus-Stiftung bei Berlin für Senioren und Menschen mit geistiger Behinderung. Er hat sich bislang um Menschen gekümmert, die oft eher am Rande der Gesellschaft stehen, und das will er auf andere Weise nun auch in seiner neuen Aufgabe tun. Unterstützung erhält der evangelische Geistliche dabei von einer katholischen Kollegin sowie vom katholischen Pfarrer in Luckau.

In der JVA sei Ökumene Alltag, sagt er. Jeder, unabhängig von seiner Konfession, könne sich an ihn wenden. „Ich gehe zu den Gefangenen, schaue, wer ein Gespräch möchte, oder die Inhaftierten melden sich, beantragen ein Gespräch, das dann meist in meinem kleinen Büro stattfindet“, so Frank Fechner.

Die Insassen in Luckau-Duben verbüßen in der Regel wegen schwerer Delikte lange Haftstrafen. „Wer in den Vollzug kommt, gibt sein bürgerliches Leben ab. Das ist für viele erstmal ein Schock. Im Laufe der Jahre gibt es immer wieder Höhen und Tiefen“, erzählt der Pfarrer. Neben Bediensteten und Sozialarbeitern seien dann die JVA-Seelsorger da. Seine bisherige Erfahrung: Die Gefangenen seien in den Gesprächen sehr offen. „Sie wissen: Alles Gesagte bleibt unter vier Augen.“ Sie erzählen von ihrer Tat, schildern Geschehenes aus eigener Perspektive. Ein großes Thema sei Einsamkeit.  Für manch einen sind alle Brücken nach draußen abgebrochen.  Es gehe um Schuld und auch um die Frage: „Welche Hoffnung kann ich noch haben?“, so Fechner.

Einmal wöchentlich ist Gottesdienst in der Anstalt, jeweils getrennt für Männer und Frauen. Auch am Heiligen Abend wird das so sein. Der Advent sei im geschlossenen Vollzug  eine besonders schwierige Zeit. „Weihnachten ist ein Fest der Familie, der Nähe und nicht des Abgeschottet-Seins." Wer keine Angehörigen habe, für den würden auch Päckchen gepackt.

Neben Gottesdiensten und individuellen Gesprächen will Frank Fechner Projekte anbieten, die Themen der Bibel in Bezug setzen zur eigenen Situation. Auch sei es ihm wichtig, eine Brücke vom Gefängnis in die Stadt zu schlagen. Der JVA-Pfarrer engagiert sich in der evangelischen Kirchengemeinde, sei schon beim Bürgermeister gewesen und gern bereit, Unternehmern und anderen Interessierten die Haftanstalt vorzustellen.

Er sei sich bewusst, dass Gefängnisseelsorge keine Wunder bewirken kann und wisse, dass dieser oder jener wohl auch kommt, weil er sich Vorteile erhofft. Doch insgesamt erlebe er bei den Kontakten „eine große Ernsthaftigkeit“. Vieles, was er höre, gehe nicht spurlos an ihm vorbei. Bei der Verarbeitung stehen den Gefängnisseelsorgern Supervisoren der Landeskriche zur Seite. Ein Anstaltspfarrer brauche außerdem die Fähigkeit, die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden. „Wenn ich mit den Menschen rede, bin ich ganz für sie da, doch am Feierabend bleibt der Job hinter dem Gefängnistor zurück“, sagt er.

Ausgleich findet der Seelsorger zudem in der Familie und beim Sport. Frank Fechner ist Marathonläufer, spielt auch Tischtennis. „Dabei kann ich abschalten."