"Über dieses Festjahr wird noch heute gesprochen", blickte Bürgermeister Manfred Hartfelder auf die jüngste Vergangenheit. Zur Gemeinde Görsdorf zählten damals die Ortsteile Liebsdorf und Liedekahle. Mit der Bildung der Gemeinde Dahmetal am 1. Januar 2002 seien die Ortsteile Wildau-Wentdorf und Prensdorf hinzugekommen. In Görsdorf und Ortsteilen sei in den vergangenen 16 Jahren viel investiert worden. Erneuerte Gehwege und Straßen zeugten davon ebenso wie attraktiv gestaltete Dorfauen und schmucke Gemeindehäuser.

Auch wenn die auf der Gemarkung stehenden Windräder durchaus Geld in die Gemeindekasse spülten, "so ist dies aber nur die halbe Wahrheit", stellte Manfred Hartfelder fest. Denn das rege und abwechslungsreiche Leben in den funktionierenden Dorfgemeinschaften sei ohne das große ehrenamtliche Engagement der Bürger in den Ortsteilen nicht möglich.

"Vom Elan aus dem Jahr 1996 ist nach wie vor etwas vorhanden. Jetzt geht es darum, die jungen Leute an das Mitwirken für das Gemeinwohl heranzuführen", nannte er eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.

Wie groß der Elan und der Ehrgeiz tatsächlich ist, das Jahr 2012 in Görsdorf und Liebsdorf zu einem ereignisreichen Jubiläumsjahr werden zu lassen, erklärte die Vorsitzende des Heimatvereins, Carola Heinecke. Seit zehn Jahren widmeten sich die 35 Mitglieder der Heimatkunde und Heimatpflege und bewahrten damit die Geschichte und Traditionen des Ortes. Sechs Veranstaltungen seien für das Jubiläumsjahr vorbereitet. Am Freitagabend erlebten zahlreiche Einwohner den festlichen Auftakt mit Bläserklängen von der Empore in der Görsdorfer Kirche. Beim Fasching am 18. Februar sollen historische Kostüme die Geschichte der Dörfer veranschaulichen.

Die über 25-jährige Partnerschaft mit der polnischen Gemeinde Kamieniec werde am 28./29. April im Mittelpunkt stehen.

"Zehn Jahre Düngerschuppen" lautet das Motto am 1. Juli. Dann soll im Görsdorfer Gemeindehaus auch ein Film über die Feierlichkeiten anlässlich des 650-jährigen Dorfjubiläums gezeigt werden.

Zum Dorffest am 25./26. August werden der Festumzug von Liebsdorf nach Görsdorf und die Eröffnung einer Dauerausstellung "666 Jahre Görsdorf und 600 Jahre Liebsdorf" im Düngerschuppen Höhepunkte sein. Die gleichnamige Arbeitsgruppe bereitet dafür insgesamt 35 Tafeln mit historischen Daten und Fakten vor. Die Arbeitsgruppe "Haus chroniken" erstellt Tafeln, die zum Dorffest vor jedem Grundstück Einblick in dessen jeweilige Geschichte geben.

Von der Gruppe "Festkomitee" werden alle Veranstaltungen des Jubiläumsjahres organisiert, das am 27. Oktober mit dem Herbsttanz seinen Abschluss findet.

Zum Thema:
Görsdorf ist ein Gutsdorf, das 1346 als "Girstorff" erstmals in den Meißner Bistumsmatrikeln urkundlich erwähnt wurde.Ab 1889 entwickelte Dr. Gustav Rösicke das Gut zu einem leistungsfähigen landwirtschaftlichen Betrieb und sorgte für den Bau von Chausseen nach Dahme, Baruth und Drahnsdorf sowie eine Kleinbahn-Anbindung. Schmied, Tischler, Schneider, Stellmacher, Schuster, Müller und Bäcker versahen hier ihr Handwerk. Heute zählt das Dorf 165 Einwohner.Liebsdorf wurde 1412 als "daz dorff lupstorff" erstmals erwähnt. Das Dorf stand überwiegend unter der Herrschaft von Dahme und hatte 1446 einen Lehnhüfner und einen Lehnschulzen. Um 1600 wird von zwölf Hauswirten in Liebsdorf gesprochen. Heute zählt es 31 Einwohner. Seit 1950 ist Liebsdorf Ortsteil von Görsdorf, 1973 folgte Liedekahle. Seit 2002 gehört Görsdorf mit seinen Ortsteilen zur Gemeinde Dahmetal.