Von Carmen Berg

Das Mikrofon vor Elftklässlerin Lisa Schiller am Podiumstisch rutscht in die Tiefe. Markus Dröge hilft der jungen Moderatorin an seiner Seite mit geübten Handgriffen. „Im vorigen Jahr hatte ich das“, sagt er und lacht. Bei der religionsphilosophischen Woche des Bohnstedt-Gymnasiums ist der Bischof der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg/Schlesische Oberlausitz Stammgast. Dieses Mal ist es ein Abschied, im Herbst geht er in den Ruhestand.

Es werden noch einmal lebendige anderthalb Stunden. „Sehr interessant auch für die, die nicht christlich sind“, findet Co-Moderatorin Thyra Friedrich. Was den Jugendlichen gefällt: „Der Bischof weicht keiner Frage aus, redet nicht drumherum, und er hat Humor.“

Manche Fragen sind „nicht ohne“, wie Markus Dröge gesteht. Homo-Ehe, Abtreibung, Sterbehilfe, Gentechnik, AfD-Mitglieder für kirchliche Ämter – kaum ein heißes Eisen lassen die Fragesteller aus.

In der evangelischen Kirche, erklärt der Bischof den Gymnasiasten, werden auch gleichgeschlechtliche Paare getraut. Die Menschen seien verschieden, doch es gehe darum, dass sie Verantwortung füreinander übernehmen. Werdende Mütter, die an sich zweifeln, ermutige die Kirche, ihr Kind zur Welt zu bringen und biete Rat und Hilfe an. „Aber wir verurteilen auch niemanden, der die eigene Gewissensentscheidung anders trifft“, so Markus Dröge.

 Klare Kante gibt er Populisten, die vermeintlich einfache gesellschaftliche Lösungen zu Lasten anderer Menschen suggerieren. Auf die Frage, welche drei Wünsche er an eine gute Fee hätte, sagt er: „Dass Populisten in Europa nicht weiter an Boden gewinnen.“ Es sei verantwortungslos, wie sie beispielsweise beim ­Brexit Thesen vertreten, die nicht den Tatsachen entsprechen, und Gesellschaften dadurch spalten. „Meine drei Wünsche würde ich dafür einsetzen, dass dieser Spuk bald vorbei geht“, erklärt der Bischof und bekommt spontan Applaus.

Thyra, Lisa und ihre Altersgefährten erfahren über den Chef der Landeskirche außerdem, dass er viel Sympathie für die junge Umweltbewegung „Friday for future“ hat. In den 1980er-Jahren hätten junge Pfarrer wie er als „abgedreht“ gegolten, wenn sie sich für die Umwelt, für die Bewahrung der Schöpfung stark machten, erzählt er.

Wie oft er in der Bibel lese, will einer der Schüler wissen. „Morgens den Bibelspruch für jeden Tag aus dem alten und neuen Testament. Aber nicht gedruckt. Dafür gibt es eine App“, sagt Markus Dröge. Auch in kirchlichen Gremien würden Dokumente kaum noch in Papierform verwendet. „Ich habe alles auf dem Laptop“, so der 65-Jährige, der sich  in den Augen der Elftklässler als ziemlich cool erweist. Er fährt gern Motorrad, „was meine Frau nicht gern sieht“ und spielt Bassgitarre. Luckau und seine Nikolaikirche kennt er bereits aus der Zeit, als er noch Gemeindepfarrer in Koblenz war. Beide Gemeinden verbindet eine Partnerschaft. Zur Landesgartenschau 2000 hat er mit einer Koblenzer Pfarrer-Band im Luckauer Dom gespielt.

Zum Abschied schenken die Gymnasiasten dem Bischof ein T-Shirt ihrer Schule, „damit Sie immer an uns denken“, wie Moderatorin Lisa sagt. Und Gummibärchen, die Lieblings-Leckerei, geben sie ihrem Gast wie bei jedem Besuch zuvor auch beim letzten Mal mit auf den Weg.