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| 17:07 Uhr

Netzlotsen in Golßen
Schüler lotsen Großeltern durch das Internet

Celina Tischler (Mitte) ist eine der Netzlotsen, die Großeltern und Senioren kürzlich durch das Internet gelotst haben.
Celina Tischler (Mitte) ist eine der Netzlotsen, die Großeltern und Senioren kürzlich durch das Internet gelotst haben. FOTO: Andreas Staindl
Golßen. Projektwoche an der Grundschule Golßen vermittelt Medienkompetenzen und bringt Jung und Alt zusammen. Von Andreas Staindl

Das Medienprojekt „Netzlotsen@Golßen“ in der Grundschule Golßen (Unterspreewald) war ein Erfolg. Eine Woche lang wurden Sechstklässler zu Netzlotsen ausgebildet. Ziel war es, Medienkompetenzen zu vermitteln. Die Kinder haben zum Abschluss der Projektwoche ihre Kenntnisse an Großeltern und Senioren weitergegeben. Sie haben sie durch das Internet gelotst, ihnen beispielsweise „YouTube“ erklärt, sind mit ihnen gemeinsam auf fiktive Einkaufstour gegangen.

„Eine ganz tolle Idee“, sagt Ingrid Lehmann. „Ich bin zwar mit dem Internet vertraut, doch wie man etwas Bestimmtes möglichst schnell findet, haben mir die Kinder heute prima erklärt. Ich bin sehr froh, dass ich dabei sein durfte und jetzt wieder ein Stück fitter im Umgang mit dem Computer bin.“ Für Celina Tischler gehören moderne Medien zum Alltag. „Es hat mir großen Spaß gemacht, den älteren Menschen das Internet zu erklärten“, sagt die Sechstklässlerin. „Sie waren sehr interessiert, haben gut mitgemacht.“ Und hat die Schülerin selbst Neues während der Projektwoche erfahren? „Ja“, sagt Celina, „einige technische Details kannte ich noch nicht. Zudem ist mir klar geworden, dass man sich nicht bedenkenlos im Internet bewegen sollte. Ich werde künftig genauer auf die Seiten schauen, diese im Zweifel gar nicht erst anklicken.“

Martin Riemer vom Verein Metaversa in Berlin hat die Kinder fit gemacht. Der Medienpädagoge zeigte ihnen, wie sie effektiv Informationen im Internet finden, diese nach ihrer Qualität beurteilen können, wie man sie aufbereitet und verwendet. Er machte aber auch auf Risiken der Internetnutzung aufmerksam. Die Sechstklässler haben Kompetenzen erworben, um ihr Wissen als „Netzlotsen“ an andere Menschen weiterzugeben.

„Mein Enkel hat das sehr gut gemacht“, sagt Hedwig Walter. „Er hat mir die Angst vor Computern genommen. Ich hatte bisher wenig damit zu tun, war bisher noch nicht im Internet. Ich bin vom Projekt positiv überrascht.“ Auch Martin Riemer ist zufrieden. „Es war eine tolle Woche mit tollen Schülern, das ist nicht immer so. Auch, dass sich so viele Großeltern und Senioren von den Schülern das Internet erklären lassen, ist außergewöhnlich.“ Und der Sechstklässler Elias Korkmaz: „Auch wenn ich Grundlagen der Internetnutzung schon kannte, habe ich doch auch viel Neues erfahren. Ich werde mir künftig genau überlegen, ob ich einen Link anklicke oder nicht.“ Und wie war es, der Oma das Internet zu erklären? „Das hat richtig Spaß gemacht.“

Das Medienprojekt war auch für die Lehrer ein Erfolg. „Wir werden Themen, die die Kinder während dieser Woche bewegt haben, aufgreifen und im Unterricht vertiefen“, sagt Manuel Pape. Der Sonderpädagoge plant, das Internet noch stärker, etwa für Hausaufgaben, zu nutzen. Schulleiter Dirk Herrmann würde das Medienentwicklungsprojekt „Medienfit an Grundschulen“ gern fortsetzen. „Es wäre schön, wenn wir weitere Netzlotsen ausbilden könnten. Bedarf ist da, die Computer in unserer Schule werden sehr gut genutzt. Sie laufen von Beginn bis Ende eines Schultags.“

Die Projektwoche wurde im Auftrag der Medienanstalt Berlin-Brandenburg durchgeführt, die Finanzierung über den Rundfunkbeitrag gesichert, so Martin Riemert. Sie hat verschiedene Generationen fit für das Internet gemacht und auch den Dialog zwischen ihnen gefördert.