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| 21:15 Uhr

Leistungsschau
Scheren, Waschen und ganz viel Vertrauen

 Für die Rinderleistungsschau werden die Kühe der Agrargenossenschaft Uckro schick gemacht. Denny Stamm schert ihnen nacheinander fachgerecht das Fell, damit alle Merkmale gut erkennbar sind. Es ist ein Schritt der Vorbereitung, bei dem Mensch und Tier sich allmählich nahekommen und Vertrauen zueinander aufbauen.
Für die Rinderleistungsschau werden die Kühe der Agrargenossenschaft Uckro schick gemacht. Denny Stamm schert ihnen nacheinander fachgerecht das Fell, damit alle Merkmale gut erkennbar sind. Es ist ein Schritt der Vorbereitung, bei dem Mensch und Tier sich allmählich nahekommen und Vertrauen zueinander aufbauen. FOTO: Birgit Keilbach
Uckro. Agrargenossenschaft Uckro wird auf der 8. Rinderleistungsschau vier Milchkühe präsentieren. Von Birgit Keilbach

 Eine ganz besondere Miss-Wahl können die Besucher der Niederlausitzer Leistungsschau am Samstag verfolgen. Im Tierschauring präsentieren sich auf der 8. Rinderleistungsschau Südbrandenburgs die schönsten Milchkühe und wetteifern um den Titel „Miss Südbrandenburg“.

Viele zusätzliche Arbeitsstunden investieren die Rinderzuchtbetriebe derzeit in die Vorbereitung der Tiere. Die Agrargenossenschaft Uckro beteiligt sich regelmäßig an der Rinderleistungsschau. Aktuell produzieren hier 710 Milchkühe täglich rund 20 500 Liter Milch. Die Genossenschaft hat in den vergangenen Jahren viel investiert und den Tierbestand schrittweise erhöht. 2015 ging ein neues Melkkarussell mit 40 Plätzen in Betrieb, zwei Jahre später wurde ein moderner, großzügiger Stall für knapp 400 Tiere eingeweiht.

Vier Milchkühe verschiedenen Alters hat die Genossenschaft für den Wettbewerb ausgewählt. Zwei davon haben bisher ein Kalb geboren, eine bereits drei Kälber und eine weitere fünf Kälber. „Es ist ein publikumswirksamer Leistungsvergleich der Zuchtbetriebe, bei dem wir die Qualität unserer Arbeit präsentieren können“, erläutert die Leiterin der Tierproduktion Marlies Michligk. Nicht nur die Milchleistung werde durch die gezielte Züchtung gesteigert. „Auch die Klauengesundheit wird verbessert, funktionale und schöne Euter werden entwickelt sowie gebärfreudige Becken“, zählt sie auf.

Neben diesen funktionalen Merkmalen beurteile der Wertungsrichter die Kühe außerdem nach Form, Schönheit und Harmonie des Körpers. „Die Tiere müssen sich sehr gut bewegen, den Rassetyp und eine altersgerechte, gute körperliche Entwicklung zeigen“, erläutert Bernd Adler, ehrenamtlicher Mitorganisator des Wettbewerbes und ehemaliger Geschäftsführer der Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH.

Zwei Wochen vorher hat im Uckroer Betrieb die Vorbereitung begonnen. Schrittweise werden die Kühe an die Präsentation herangeführt. „Wir müssen viel mehr Nähe herstellen als üblich, das ist für Tier und Mensch eine neue Erfahrung“, sagt Marlies Michligk.

Zunächst werden die Kühe für einige Zeit aus ihrer Gruppe gelöst. Dann müssen sie sich an das Halfter gewöhnen. Damit alle Merkmale gut zu erkennen sind, wird das Fell der Tiere geschoren, was bereits sehr viel Nähe herstellt. Denny Stamm erledigt diese Aufgabe. Beim Scheren muss er besonders beachten, dass die Beaderung am Euter gut zu sehen ist. Bevor es am Samstag auf den Transportwagen geht, werden die Kühe noch gewaschen und ihre Klauen korrigiert. „Auf das Tierschaugelände dürfen sie erst nach einer tierärztlichen Begutachtung“, nennt Marlies Michligk einen weiteren Punkt. Schließlich soll jedes Tier nach dem Wettbewerb wieder gesund in den Bestand zurückkehren.

Parallel zu den Pflegearbeiten beginnt das Lauftraining am Halfter. Heike Große hat damit bereits Erfahrungen bei früheren Wettbewerben gesammelt. „Man muss sehr viel Vertrauen aufbauen. Ich rede mit jeder Kuh, wenn ich ihr das Halfter anlege. Ich erzähle ihr, wo wir langlaufen, ganz in Ruhe, damit sie sich nicht ängstigt, denn Kühe sind ja Fluchttiere“, erläutert die Mitarbeiterin. Mindestens eine Stunde täglich übe sie mit den Kühen das Laufen am Halfter, um sie an diese Nähe zu gewöhnen. „Jede Kuh hat ihren eigenen Charakter. Manche sind etwas zutraulicher, weil sie die Stimme schon kennen, andere brauchen etwas länger, bis sie Vertrauen fassen“, sagt Heike Große.

Ihre Erfahrungen hat sie auch an Kollegin Toni Müller weitergegeben. Die gelernte Pferdewirtin kam durch einen Umzug in die Uckroer Milchproduktion und trainiert erstmals mit den Kühen. „Mit dem Reden und Streicheln sind sie von Tag zu Tag zutraulicher geworden. Wenn wir mit dem Lauftraining fertig sind, bekommen sie noch Pellets als Leckerli zur Belohnung“, erzählt die 32-Jährige.

Obwohl die Vorbereitungen zusätzlich zur normalen Arbeit erfolgen, macht beiden Frauen die Arbeit mit den Kühen viel Spaß. „Uns gefällt es, zu zeigen, dass ein Vorführen auch mit Kühen möglich ist. Und wir präsentieren gerne unseren Betrieb mit seinen schönen Tieren“, ergänzt Heike Große.

2014, als zum letzten Mal die schönsten Vierbeiner bei der Leistungsschau gekürt wurden, hatte Joringel von der Agrargenossenschaft Ranzig die Nase vorn. Sie hatte die Jury überzeugt und bekam dafür die Siegerschleife.

Insgesamt geben am kommenden Wochenende auf der Niederlausitzer Leistungsschau in Luckau annähernd 200 Aussteller, Händler und Unternehmen aus Industrie und Handwerk, Handel und Gewerbe, Umwelt- und Naturschutz, Tourismus sowie Landwirtschaft und Landschaftsgestaltung einen Einblick in das breite Spektrum der Messe.

 Für die Rinderleistungsschau werden die Kühe der Agrargenossenschaft Uckro schick gemacht. Denny Stamm schert ihnen nacheinander fachgerecht das Fell, damit alle Merkmale gut erkennbar sind. Es ist ein Schritt der Vorbereitung, bei dem Mensch und Tier sich allmählich nahe kommen und Vertrauen zueinander aufbauen. Foto: Keilbach
Für die Rinderleistungsschau werden die Kühe der Agrargenossenschaft Uckro schick gemacht. Denny Stamm schert ihnen nacheinander fachgerecht das Fell, damit alle Merkmale gut erkennbar sind. Es ist ein Schritt der Vorbereitung, bei dem Mensch und Tier sich allmählich nahe kommen und Vertrauen zueinander aufbauen. Foto: Keilbach FOTO: Birgit Keilbach