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Schenkendorfer feiern Lutherfest

In die Zeit der Reformation versetzte Pfarrer i. R. Martin Behnisch die Zuhörer in der Schenkendorfer Kirche mit der historischen Luther-Figur.
In die Zeit der Reformation versetzte Pfarrer i. R. Martin Behnisch die Zuhörer in der Schenkendorfer Kirche mit der historischen Luther-Figur. FOTO: B. Keilbach/bkh1
Schenkendorf. Von Generation zu Generation wurde es im Ortsteil der Gemeinde Steinreich weitergegeben: "Luther hat hier gepredigt." Doch war es wirklich so? Im Jubiläumsjahr der Reformation wollten es die Kirchengemeinde und Einwohner genau wissen. Birgit Keilbach / bkh1

Sie nutzten alle Möglichkeiten, um das herauszufinden. Am Samstag wurden die Erkenntnisse in einem Schauspiel in der mittelalterlichen Dorfkirche nahe gebracht.

Der Pfarrer im Ruhestand Martin Behnisch, seine Frau Renate und der Golßener Hobbyhistoriker Dr. Michael Bock verbanden Fakten aus dem Kirchenarchiv von Groß Ziescht und der Visitationsakte von 1529 zu einem anschaulichen Blick in die Geschichte des Dorfes. Musikalisch bildete der Lutherchoral "Ein feste Burg ist unser Gott" den thematischen Rahmen.

An die Anfänge der Christianisierung des slawisch besiedelten Landstrichs erinnerte Martin Behnisch als Mönch. Im 13. Jahrhundert kamen die Zisterzienser "in diese wilde Gegend. Und sie hatten nicht nur die Bibel im Gepäck, sie brachten auch Spaten und Sämereien mit." 1279 sei die Kirche von Groß Ziescht gebaut worden, zu deren Kirchenkreis Schenkendorf noch heute gehört. Eine eigene Kirche erhielten die Menschen hier erst später. Als die Reformationsgeistlichen von Wittenberg aus eine Visitation in die Region unternahmen, gehörte neben Groß Ziescht auch Schenkendorf zu den besuchten Orten. "Das ist gesichert, denn es geht aus der Aufzählung in der Visitationsakte hervor", erläuterte Dr. Michael Bock. Als Visitatoren seien in diesem historischen Schriftstück Dr. Martin Luther, Hans Metsch, Dr. Benedict Pauli und Hans von Taubenheim genannt.

Eine Kopie des Originals im Sächsischen Staatsarchiv hatte er zum Luther-Festspiel mitgebracht. Dass Luther in Schenkendorf war, sei darin nicht konkret vermerkt, doch angesichts der nur vier Personen zählenden Visitationsgruppe und Luthers Vorliebe für persönlichen Kontakt zu den Menschen im Kernland der Reformation sehr wahrscheinlich. "Diese Aussage, dass Luther nicht nur hier in Schenkendorf gewesen sein könnte, sondern es auch war, habe ich schon vor längerer Zeit getroffen. Und es gab auch von den professionellen Historikern bisher keinen Widerspruch", schloss Dr. Michael Bock seinen kurzen Einblick in die vorhandenen historischen Fakten.

Was der Visitationsbericht noch aussagte, brachte Martin Behnisch dann als Martin Luther den Zuhörern in den Kirchenbänken nahe. Wie einst der Reformator, fragte er unter anderem nach der Häufigkeit der Gottesdienste, wie oft gebetet wurde und wie gut sich die Menschen im Ort um die Versorgung ihres Pfarrers kümmerten. Geschickt spannte er zudem einen Bogen in die Gegenwart und regte zum Nachdenken über Freiheit, Mitmenschlichkeit und Demokratie an.

"Dass Luther hier gepredigt hat, war schon immer ein Gesprächsthema. Schade nur, dass heute so wenige aus dem Ort dabei waren, denn das Thema ist von Bedeutung für Schenkendorf", sagte Arno Schneider. Wolfgang Fürstenau gefiel die Gestaltung des Festspiels. "Es war kein typischer Gottesdienst, mehr so eine Erzählung, das fand ich interessant", sagte der in Kronberg bei Frankfurt/Main wohnende Verwandte von Arno Schneider. Regelmäßig sei er in Schenkendorf und beeindruckt von den Veränderungen auf dem Gelände des ehemaligen Gutshofes. Die Sanierung des Gutshauses sei schon gut vorangekommen, informierte Steinreichs Bürgermeister Wolfgang Luplow. Das Schlossrondell sei in ursprünglicher Form wiederhergestellt, ebenso das historische Eingangsbauwerk des denkmalgeschützten Gebäudes. In diesem befinde sich die einzige original erhaltene schwarze Küche im Süden Brandenburgs. Diese wolle die Dorfgemeinschaft nach Abschluss der Sanierung auch öffentlich zugänglich machen, blickte er voraus.