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Schaf bei Riedebeck gerissen

Riedebeck. Unliebsamen nächtlichen Besuch hatte die Schafherde des Riedebeckers Timo Rabe während der vergangenen Feiertage. 20 Tiere weideten auf einer eingezäunten Koppel kurz vor dem Ortseingang, als ein Wolf den Elektrozaun überwand und Beute machte. Carmen Berg

Timo Rabe zufolge riss er ein Muttertier, das in etwa zwei Wochen lammen sollte. Nach Wolfsrissen in der Nähe bei Schafhaltern in Görlsdorf und Goßmar sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, wann es auch seine Herde treffe, sagt der Riede becker. Ein Gutachter habe ihm bestätigt, dass ein Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden könne. Angreifer sei laut Gutachten wohl ein einzelnes Tier gewesen, so Timo Rabe. Beim Landesumweltamt hat er einen Antrag auf Schadenersatz gestellt. Doch in erster Linie bewege ihn nicht der materielle Verlust, erzählt der Riedebecker.

Schafzucht mit Leidenschaft

Für ihn ist die Zucht von Schwarzkopfschafen ein Hobby, das er seit 17 Jahren leidenschaftlich betreibt. "Man kennt jedes Tier, sieht es aufwachsen, hat seine Freude. Und wenn es dann alt genug ist, in die Züchtung zu gehen, passiert so etwas", beschreibt er seine Empfindungen.

"Wölfe müssen fressen, das ist klar", so der Riedebecker. Doch längst gehe es nicht mehr um ein, zwei Attacken übers Jahr in der Region. Die von ihm beschriebenen Vorfälle hätten sich alle innerhalb weniger Wochen zwischen November und dem Jahreswechsel ereignet, sagt Timo Rabe. Er frage sich deshalb, was auf die Nutztierhalter noch zukommen wird, wenn diese Entwicklung anhält.

Wie Wolfsexperte Dr. Reinhard Möckel aus Sonnewalde auf RUNDSCHAU-Nachfrage erklärt, hat das Wolfsrudel aus der Babbener Heide sein Revier bis in das frühere Tagebaugebiet um Wanninchen und weiter bis Görlsdorf, Goßmar und Riedebeck. Und die Babbener Isegrime hatten 2016 offenbar besonders viele Welpen. Nachgewiesen worden seien vier Jungtiere, doch gehen Experten davon aus, dass es bis zu zwölf sein könnten. Genauere Aufschlüsse soll ein Datenabgleich nächste Woche geben. "Aufgrund der vielen Tiere, die auf Nahrungssuche sind, wächst der Druck auf die Schafbestände", sagt Reinhard Möckel. Die Wölfe verhalten sich damit völlig normal. Es deute nichts darauf hin, dass sie ihre Scheu verlieren, wie Timo Rabe befürchtet hatte. "Bedenklich wäre es beispielsweise, wenn sie bei Tage Schafherden angreifen", so der Wolfsbeauftragte.

Entspannung ab Frühjahr

Jetzt sei die Zeit, wo die Altwölfe die Jungen das Jagen lehren. Ab Februar/März beginnen sich die Jungtiere vom Rudel abzunabeln, sie ziehen dann weiter. Die Monate von Oktober bis zum Winterausklang seien deshalb eine Zeit vermehrter Übergriffe auf Nutztiere. Während des Sommers gehe diese Gefahr zurück, um im Herbst erneut anzusteigen, beschreibt Reinhard Möckel den Zyklus. Auf Dauer werde die Population nicht dichter. Die Wölfe hätten ihre Reviere, ein zweites Rudel werde sich dort nicht ansiedeln, erklärt er.

Strom schreckt ab

Den Schafhaltern rät er, in der kritischen Zeit ganz besonders auf intakte Schutzzäune zu achten. "Wenn der Zaun richtig gespannt und ordentlich unter Strom gesetzt ist, halten sich die Wölfe fern", so seine Erfahrung. Wo die Tiere aber eine Schwachstelle witterten, seien sie nicht mehr zu halten.