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| 18:17 Uhr

Wölfe im Landkreis Dahme-Spreewald reißen mehr Nutztiere
Schäden durch Wölfe nehmen zu

Die Wolfspopulation im Landkreis ist seit Jahren stabil. Neuansiedlungen von Rudeln gibt es in Südbrandenburg kaum noch.
Die Wolfspopulation im Landkreis ist seit Jahren stabil. Neuansiedlungen von Rudeln gibt es in Südbrandenburg kaum noch. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Luckau. Bei Angriffen werden mehr Tiere erlegt. Viele Übergriffe werden nicht gemeldet. Von Anja Brautschek

Das Thema Wolf polarisiert. Seitdem sich der Wolf auch in Brandenburg angesiedelt hat, fürchten viele Nutztierhalter um ihre Existenz durch Wolfsrisse. Naturschützer hingegen weisen auf den Schutzstatus der Tiere. Vor allem jetzt mit dem Frühlingsbeginn sind oft sogar tagsüber Wölfe auch in den heimischen Wäldern zu entdecken. Das weckt Ängste vor Übergriffen auf Menschen. „Tiere, die jetzt gesehen werden, sind häufig der zweijährige Nachwuchs. Der wandert jetzt auf der Suche nach einem neuen Revier“, erklärt Steffen Hinze, Wolfsbeauftragter des Landes Brandenburg. Aufgrund vieler Sichtungen könne der Eindruck entstehen, dass die Zahl der Wölfe im Landkreis zunimmt.

Doch die Wolfspopulation bleibt weitestgehend stabil. Das versichert auch Wolfsexperte Reinhard Möckel. Drei Rudel sind im Landkreis nachgewiesen. Die Tiere haben sich in der Lieberoser Heide, bei Märkisch Buchholz und bei Siegadel niedergelassen und wurden in den vergangenen Jahren auch mit Nachwuchs gesichtet. Das Rudel an der Grenze zu Elbe-Elster, in Babben-Wanninchen, zählt mit derzeit etwa zwölf Tieren zu den größten in Brandenburg. „Meistens verzeichnen wir pro Wurf zwischen drei und vier Welpen“, erklärt Reinhard Möckel. Ein Rudel, dass aus dem Elternpaar, dem aktuellen Wurf und den Jungtieren aus dem Vorjahr besteht, kommt damit im Durchschnitt auf zehn Tiere.

Neue Rudel werden sich in Südbrandenburg kaum noch ansiedeln. „Die maximale Wolfsdichte ist erreicht. Schwankungen gibt es meist nur innerhalb der Rudel, je nachdem wie viele Jungtiere geboren werden“, erklärt Reinhard Möckel. Circa 100 Tiere leben nach seiner Auffassung allein in Südbrandenburg, von der Neiße bis zur Elbe. Einen Eingriff in die Wolfspopualtion ist aus seiner Sicht nicht notwendig. „Wenn ein Wolf ein unnormales Verhalten zeigt, muss er beseitigt werden. Doch mit der Eingrenzung der Wolfspolulation durch Abschuss entsteht mehr Schaden als Nutzen“, so der Wolfsexperte. Verletzt sich ein Wolf beispielsweise an einem Elektrozaun, so gibt er das seinem Rudel weiter. Damit halte sich oftmals das gesamte Rudel von solchen Zäunen fern. „Ein Jäger wird vermutlich häufig als erstes den Leitwolf erschießen. Damit kann er seine Erfahrungen nicht mehr übertragen“, sagt er. Die Gefahr durch Übergriffe auf Nutztiere bleibe demnach bestehen.

Sicherheit bieten nur entsprechende Schutzmaßnahmen für Schafe, Ziegen oder Kühe. Mit Elektrozäunen, Untergrabungsschutz oder Herdenschutzhunden können die Tiere vor Übergriffen vor dem Wolf geschützt werden. „Viele wissen gar nicht, dass solche Präventionsmaßnahmen auch im privaten Bereich bis zu 100 Prozent vom Land gefördert werden“, erklärt er. Rund 30 Beratungen habe er in diesem Jahr dazu bereits durchgeführt. Vor allem Nachfragen für den Schutz von Mutterkuhweiden häufen sich bislang. Das setzt das Land vor finanzielle Herausforderungen. Hält dieser Trend an, sei fraglich, ob das für 2018 festgelegte Budget ausreiche. „Der Wolf ist eine große Herausforderung für alle. Besonders, da er sich so plötzlich und schnell in Brandenburg ausgebreitet hat“, fasst Steffen Hinze die Problematik zusammen.

Elf Übergriffe wurden dem Landesamt für Umwelt im vergangenen Jahr gemeldet. Dabei wurden 41 Tiere gerissen. Im Vergleich zum Vorjahr (neun Übergriffe, 19 Risse) sind pro Wolfsangriff statistisch gesehen mehr Tiere ums Leben zu kommen. „Wir haben allerdings noch keine Erklärung dafür“, sagt der Wolfsbeauftragte Steffen Hinze. Er vermutet zudem eine wesentlich höhere Dunkelziffer. Halter seien frustriert und melden Schäden daher nicht.