ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:16 Uhr

LR vor Ort
Die Marstall-Sanierung ist der Anfang

 So könnte Schloss Golßen wieder aussehen.
So könnte Schloss Golßen wieder aussehen. FOTO: Just-Projekt GmbH, Berlin: www.j
Golssen. Zahlreiche Golßener informieren sich am RUNDSCHAU-Stammtisch über die Pläne für das Schlossensemble. Von Carmen Berg

Bürgermeister Hartmut Laubisch und Stadtchronist Dr. Michael Bock haben im Golßener Schloss einst die Schulbank gedrückt. „Wir hatten den Park als wunderbaren Pausenhof“, erinnert sich der Bürgermeister. Wie die beiden Podiumsgäste konnten viele Besucher des RUNDSCHAU-Stammtisches am Mittwochabend im Hotel „Zur Spreewälderin“ ihre ganz persönlichen Schlossgeschichten erzählen.

Das denkmalgeschützte Ensemble, dessen ältester, barocker Teil auf das Jahr 1730 zurückgeht, hatte nach dem Zweiten Weltkrieg eine vielfältige Nutzung. Die Golßener kennen es als Landambulatorium, Geburtenstation, Kinderkrippe, wie Michael Bock Revue passieren lässt. Nach der Wende folgte dann der Bruch. Auf dem Haus lagen Restitutionsansprüche der Familie zu Solms-Baruth. Die Klärung der Eigentumsverhältnisse zog sich über Jahre in die Länge. Schrittweise wurde das Schloss leer gezogen. Ein zunehmender Verfall des Ensembles setzte ein. Erst im Jahr 2015 wurde die Stadt Eigentümer, blickt Hartmut Laubisch zurück. „Seither konnten wir uns konkret Gedanken darum machen, wie es mit dem Schloss weitergeht“, so der Bürgermeister.

Die denkmalgeschützten Gebäude zu retten und den Menschen wieder nutzbar zu machen, wird nicht „über Nacht“ zu meistern sein. Die Mammutaufgabe kostet viel Kraft und braucht Förderhilfe – das wird am Stammtisch deutlich. Doch schon in diesem Jahr wird mit der Sanierung des Marstalls ein erster großer Schritt getan.

 Rege besucht war das RUNDSCHAU-Forum am Mittwoch im Hotel „Zur Spreewälderin“.
Rege besucht war das RUNDSCHAU-Forum am Mittwoch im Hotel „Zur Spreewälderin“. FOTO: LR / Carmen Berg

Wie Unterspreewalds Bauamtsleiterin Michaela Schudek informiert, sind die Planungen abgeschlossen, die Baugenehmigung liegt vor, so könne es bald losgehen. Wo einst Pferdeboxen und Sattelkammer untergebracht waren, soll eine Begegnungsstätte für die Golßener entstehen. Geplant ist im Erdgeschoss ein Raum zum Feiern und für Veranstaltungen, in dem an Tischen bis zu 60, in Reihenbestuhlung mehr als 100 Personen Platz haben werden. Im Obergeschoss stehen Michaela Schudek zufolge noch einmal rund 125 Quadratmeter zur Verfügung, unter anderem für ein Vereinszimmer sowie als Ausstellungsfläche. Über einen Außen-Aufzug soll das Bauwerk barrierefrei zugänglich sein.

Besucher Hartmut Quiel bewegt der Gedanke, dass für größere Events wie beispielsweise den Karneval der Marstall zu klein ist. Abriss und größerer Neubau, wie er es sich stattdessen vorstellen könnte, seien keine Alternative, erklärt dazu Hartmut Laubisch. „Ein Denkmal hätten wir nicht abreißen dürfen. Wir können es nur verfallen lassen oder sinnvoll nutzen“, stellt er klar.

Die Golßenerin Brigitte Sauerbrei sagt: „Wir haben bisher in der Stadt keinen Treffpunkt für Vereine, das neue Angebot wird gebraucht.“ Auch Sigrid Heidrich gefällt die Idee, dem Marstall wieder Leben einzuhauchen. Knackpunkt für sie: „Wer wird sich um die regelmäßige Bewirtschaftung kümmern?“ Aus ihrer Sicht sollte es dazu schon jetzt klare Vorstellungen geben. Rosemarie Schneider sieht hingegen keinen Grund für solche Eile: „Lasst uns erstmal das Kunstwerk fertig stellen, dann wird es in vielen Herzen pochen, sich einzubringen“, sagt sie.

Für das Schloss als den größeren Brocken wird die Rettung länger dauern, noch sind Finanzierungsfragen zu klären. Doch einig ist man sich, dass es wie einst wieder eine soziale Nutzung bekommen wird. Mit der Arbeiterwohlfahrt hat die Stadt einen Vorvertrag geschlossen. Laut Geschäftsführer Wolfgang Lup­low ist in den historischen Mauern ein Servicewohnen für alte und pflegebedürftige Menschen mit Serviceangeboten in unterschiedlichen Stufen geplant. Gedacht sei im Erdgeschoss an zehn barrierefreie Wohneinheiten zwischen 40 und 50 Quadratmetern sowie an 19 Räumlichkeiten mit 25 Quadratmetern im Obergeschoss, Genaueres zum Servicerahmen werde sich demnächst entscheiden, sagt er und begrüßt zudem die Idee, in dem großzügigen Gebäude soziale und kommunale Nutzung zu verbinden.

Hartmut Laubisch zufolge sei die Orangerie ein stilvoller Ort für das Standesamt und andere Veranstaltungen. Zum Zeitrahmen für die Schloss-Sanierung sind noch keine konkreten Aussagen möglich. „Mindestens fünf Jahre“, schätzt Unterspreewalds Amtsdirektor Henri Urchs und scherzt: „Den BER wollen wir nicht toppen.“

Für den Verwaltungsschef des Amtes Unterspreewald steht fest, dass die Sanierung des denkmalgeschützten Komplexes von Schloss und Nebengebäuden die Stadt in ihrer Attraktivität weiter aufwerten wird. Bei der Suche nach Finanzierungshilfen schauen die Golßener über den Tellerrand. Sie wollen sich mit den Nachbarn aus Baruth verbünden, die ebenfalls über eine Schlossanlage mit mehreren Teilen verfügen. „Wir wollen versuchen, daraus Synergieeffekte zu ziehen, mit denen wir bei Bund und Land Überzeugungsarbeit leisten können“, so der Amtsdirektor.