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| 17:14 Uhr

Vorreiter
Erste-Hilfe-Kurs im Linienbus

Philipp Humbsch und Konrad Bohm starten mit RVS-Geschäftsführer Siegfried Richter (v.r.) die Initiative im Dahme-Spreewald-Kreis.
Philipp Humbsch und Konrad Bohm starten mit RVS-Geschäftsführer Siegfried Richter (v.r.) die Initiative im Dahme-Spreewald-Kreis. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald unterstützt die Aktion „Heldenmacher“. Von Carmen Berg

„Held kann jeder“, steht auf Plakaten und Aufklebern, die demnächst in den etwa 100 Bussen der Regionalen Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald (RVS) eine Kurzanleitung zur Ersten Hilfe geben. Entwickelt haben sie Medizinstudenten der Charité in Kooperation mit Professoren für Notfall- und Sozialmedizin, um Zivilcourage und ehrenamtliches Engagement zu fördern.

Konrad Bohm, einer der Macher, berichtet bei der Übergabe der Plakate an die RVS am Mittwoch in Luckau von einer Geschichte, die im März in den sozialen Netzwerken für Aufruhr sorgte. In einer Straßenbahn sei ein Fahrgast kollabiert, 50 Mitreisende hätten ihm beim Sterben zugeschaut, ohne zu helfen oder zumindest sofort den Notarzt zu rufen. „Solche Zustände sind nicht tragbar in einem Land, dessen medizinische Versorgung zu den besten gehört“, begründet der Bundeswehroffizier und Pharmazeut, warum er sich ehrenamtlich im Verein „Pèpinière“ für die Aktion engagiert.

 Gestartet wurde sie im April im Landkreis Oder-Spree und gilt bislang als bundesweit einmalig. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hat die Schirmherrschaft übernommen.

Dass Fahrgäste das Bewusstsein verlieren, sei bei der RVS Dahme-Spreewald zum Glück noch nicht vorgekommen, sagt Geschäftsführer Siegfried Richter. Die Fahrer seien für die Rettung im Notfall geschult, die meisten Mitreisenden vermutlich nicht. „Wir dürfen diesen Zustand nicht nur beklagen, sondern müssen etwas tun“, so der Geschäftsführer. Die Verkehrsgesellschaft erhalte häufig Anfragen zu Werbemöglichkeiten in ihren Bussen. „Wir sind mit Zusagen eher zurückhaltend, aber bei den Heldenmachern haben wir nicht gezögert“, sagt d Geschäftsführerer. Die RVS hängt die Plakate nicht nur aus, sie finanziert auch den Druck.

Atemkontrolle, Herzdruckmassage, stabile Seitenlage: Die Aushänge vermitteln, was in Notfällen zu tun ist. Die Texte sind einfach formuliert, die Bilder anschaulich, so dass auch Kinder damit etwas anfangen können. Im Süden von Dahme-Spreewald stellen Schüler den Großteil der Fahrgäste in den Bussen. Etwa 10 000 Jungen und Mädchen werden täglich von der RVS befördert, sagt Marketingleiter Lutz Strohschein. „Während der Fahrten ist Zeit, immer wieder auf die Plakate zu schauen, sodass ganz sicher etwas davon hängen bleibt“, ist er überzeugt.

Aus seiner Sicht scheitert Hilfsbereitschaft oft nicht am Willen, sondern an Unsicherheit. „Die meisten Erwachsenen haben sich doch zum letzten Mal mit der Ersten Hilfe befasst, als sie den Führerschein gemacht haben“, gibt er zu bedenken. „Es sollte verpflichtend werden, Wissen in regelmäßigen Abständen aufzufrischen“, dafür plädiert Geschäftsführer Richter. Der Medizinstudent und Rettungsassistent Philipp Humbsch hofft, mit der Plakataktion ein Stück dazu beizutragen.

Er nennt ein weiteres Anliegen: „Wir wollen zum Nachdenknen anregen über eigenes ehrenamtliches Engagement.“ Feuerwehren, Technischens Hilfswerk – nahezu überall fehle Nachwuchs. „Ob Hochwasser, Brände, Unfälle – nirgends funktioniert Hilfe ohne die Freiwilligen.“ Humbsch und seine Mitstreiter laden Ehrenamtliche ein, unter dem Hashtag „heldkannjeder“ für sich zu werben und ihre Geschichten zu erzählen.

Zudem engagiert sich der Verein mit „Heldentagen“ an Schulen für die Erste Hilfe. Mehr als 3300 Schüler in Brandenburg hätten daran bereits teilgenommen, sagt Phillip Humbs. An zwei Ausbildungstagen werden Grundkenntnisse zu Schwerpunkten wie Reanimation, stabile Seitenlage, Verbände und Eigensicherung vermittelt, der dritte Tag sei Prüfungstag. Besonders richte sich das Angebot an Grundschüler der Jahrgangsstufen Eins bis Sechs.

„Gern kommen wir auch an Schulen in Dahme-Spreewald“, versprechen die Heldenmacher.
Nähere Auskünfte gibt es auf facebook.com/dieHeldenmacher/