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| 17:25 Uhr

RUNDSCHAU-Sommertour
Schwärmerei fürs süße Gold

Andreas Petschick erklärt  an einem alten Bienenwagen aus den 1950er-Jahren die Imkerei. Darin haben 64 Bienenkästen Platz.
Andreas Petschick erklärt an einem alten Bienenwagen aus den 1950er-Jahren die Imkerei. Darin haben 64 Bienenkästen Platz. FOTO: LR / Anja Brautschek
Schollen. Die RUNDSCHAU-Sommertour führt dieses Mal ins Bienendorf nach Schollen. Imker Andreas Petschick gibt einen Einblick in seinen Arbeitsalltag. Von Anja Brautschek

Die Hitze der vergangenen Tage macht Mensch und Tier zu schaffen. Wo es sonst im Garten von Andreas Petschick summt und brummt, haben sich am Mittwochvormittag nur ein paar vereinzelte Bienen nach draußen verirrt. Zu warm ist es für die Tiere, zu wenige Nahrung finden sie derzeit rund um Schollen. Doch rund 20 Besucher trotzen dem heißen Wetter und erkunden gemeinsam mit Imker Andreas Petschick bei der RUNDSCHAU-Sommertour das Bienendorf Schollen.

Zahlreiche Bienenkästen reihen sich dort auf. Viele weitere Völker hat Andreas Petschick in einem Umkreis von rund 20 Kilometer verteilt. Sogar in Lübben, Beesdau, Babow oder Hindenberg sind seine Bienenvölker zu finden. „Damit die Bienen nicht so einen langen Weg haben, bringe ich sie dort hin, wo es blüht“, erklärt er und öffnet vorsichtig einen seiner Bienenkästen. Die Bienen tummeln sich an den Waben und klettern flink von einer Zelle zur nächsten. Im Honigmagen wird der gesammelte Nektar in Honig umgewandelt und anschließend in die Zellen übergeben. Nach und nach füllen sich die Waben so mit dem süßen, flüssigen Gold. Von den neugieren Blicken der Besucher lassen sie sich gar nicht stören. „Dabei sind Bienen eigentlich ganz faul. Sie machen nichts, was nicht auch effzient ist“, sagt der Imker.

Über diesen Eimer werden die Bienen mit Zuckerwasser zugefüttert. Das wird sonst nur im Winter gemacht, ist wegen der Hitze aber schon jetzt notwendig.
Über diesen Eimer werden die Bienen mit Zuckerwasser zugefüttert. Das wird sonst nur im Winter gemacht, ist wegen der Hitze aber schon jetzt notwendig. FOTO: LR / Anja Brautschek

Zwischen 30 000 und 50 000 Bienen leben im Sommer in einem Bienenkasten. Bei der Honigernte werden nur die Vorräte für den Winter geerntet. So bleibt genug Honig für die Bienenbrut. Dennoch: vier bis fünf Tonnen Honig erntet Andreas Petschick im Jahr. Ein reiner Blütenhonig ist dabei nur selten zu erzielen. Die Bienen fliegen frei auf der Suche nach Nahrung. „Zwischen 20 und 40 Blühpflanzen stecken im Honig. Je nach Standort dominiert allerdings meist eine Pflanze“, erklärt er. Beim Geschmacktest wird das besonders deutlich. Je nach Zusammensetzung unterscheiden sich die Honigsorten in Farbe, Konsistenz und Geschmack. Lindenhonig hat ein minziges Aroma, Sonnenblume hingegen schmeckt kräftig und fruchtig-süß. Vor allem letztere Sorte ist nicht überall zu finden. Denn nur wenige Sonnenblumenarten bilden den für Bienen wichtigen Nektar, erklärt der Bienen-Experte. „Mir hat vor allem die Robinie und Linde sehr gut geschmeckt. Die haben ein besonderes Aroma“, sagt Rita Knopf.

Der Aufwand eines Imkers ist dabei nicht zu unterschätzen. Viele Arbeitsschritte sind notwendig, bis der Honig ins Glas fließt. Vor allem Standorte mit ausreichend Nahrung zu finden, wird immer schwieriger. Schon jetzt muss Andreas Petschick mit Zuckerwasser zufüttern. Aufgrund der anhaltenen Trockenheit gibt es zu wenig Blühplanzen mit Nektar und Pollen. „Insgesamt blüht zu wenig. Wir müssen mehr tun“, sagt er. Er appeliert an die Teilnehmer, den eigenen Garten wachsen zu lassen und vermehrt blühende Pflanzen anzupflanzen. Auch Hecken und Bäume braucht es – insbesondere zwischen kilometerlangen Feldern. Diese bieten Insekten Schutz und Nahrung, verhindern gleichzeitig auch das Austrocknen der Böden. Auch Monokulturen und viel Dünger sind schädlich für die heimischen Insekten. „Die Landwirtschaft ist nicht an allem schuld, aber sie kann viel gegen das Bienensterben unternehmen“, so Pet-
schick. Der Imker selbst will sich im kommenden Jahr ebenfalls mit der Pflanzenproduktion beschäftigen, „um selbst auszuprobieren, wie es auch anders geht“. Der Schollener ist jedoch zuversichtlich, dass sich Bienen trotz drastisch zurückgehender Insektenpopulationen auch künftig in freier Wildbahn finden lassen. Denn Bienenvölker seien schlau und robust. „Bienen haben das Aussterben der Dinosaurier überlebt und sie werden mehr oder weniger auch das Aussterben der Menschen überleben“, ist er überzeugt.

In einer Verkostung konnten die Unterschiede verschiederner Honigsorten herausgeschmeckt werden.
In einer Verkostung konnten die Unterschiede verschiederner Honigsorten herausgeschmeckt werden. FOTO: LR / Anja Brautschek

Aus diesen Grund hat es sich der Imker zur Aufgabe gemacht, Schollen in einen Bienendorf zu verwandeln. Eine Infrastruktur fehle noch. Auch um das Aufstellen eines neues Spielplatzes kämpfen die Schollener seit Jahren. „Wir sind erst am Anfang, aber wir möchten unser Dorf weiterentwickeln“, so Petschick. Mit Führungen, Veranstaltungen für Kinder oder Verkostungen will er schon jetzt Gäste mit seinen Bienen und ihren Problemen vertraut machen. „Ich finde die Idee richtig toll. Es ist überraschend, wie viel Aufwand man für die Imkerei betreiben muss“, sagt Marianne Balzer.

Andreas Petschick zeigt den Aufbau einen Bienenkastens.
Andreas Petschick zeigt den Aufbau einen Bienenkastens. FOTO: LR / Anja Brautschek
Rundschau Sommertour 4c
Rundschau Sommertour 4c FOTO: LR / Schubert, Sebastian
FOTO: Alekss/Fotolia