Inzwischen kann sie wieder lachen. Doch noch vor wenigen Wochen musste die 21-Jährige eine unwillkommene Auszeit nehmen. Auf dem Weg zur Berufsschule in Guben hatte Anke im Mai einen Autounfall, bei dem sie sich so schwer verletzte, dass sie vier Wochen lang krank geschrieben war. „Ich hatte eine Schädelprellung und Muskelzerrungen“ , erzählt sie. Nachdem die Plessuren ausgeheilt waren, hatte sie schulisch sehr viel nachzuholen. „Ich hab mir die Unterlagen meiner Mitschüler ausgeliehen und alles nachgelernt“ , erklärt sie. „Das hat auch ganz gut geklappt. Meine Zensuren sind jedenfalls nicht abgefallen“ , meint die ehrgeizige Anke und schiebt nach: „Ich will die Beste sein“ .
Ihr Arbeitgeber habe ihr wegen ihres Fehlens keine Schwierigkeiten gemacht. „Aber es ist schon so, dass bei der Arbeit einer fehlt und die Kollegen deshalb mehr machen müssen“ , ist Anke sich bewusst. Ich Chef Ralf Zimmermann macht Anke keinen Vorwurf. Er sieht das Problem eher in dem langen Schulweg, der den Auszubildenden, die nach zwei Wochen Praxis eine Woche lang in Guben die Theorie pauken müssen, zugemutet wird.
„Ich fahre morgens eine Stunde hin und abends eine Stunde zurück“ , erklärt die Anke Nörenberg. „Ich nehme das Auto, weil es keine Anbindung mit öffentlichen Verkehrmitteln gibt, mit der ich rechtzeitig zum Schulbeginn in Guben wäre. Das kommt mich billiger, als die Woche über vor Ort im Internat zu wohnen“ , hat sie sich ausgerechnet. „Und wenn man abends mit den anderen Schülern zusammen ist, kommt man nicht wirklich zum Lernen. Zuhause kann mir auch mein Freund noch helfen“ , erzählt sie. Den umständlichen und zeitaufwendigen Papierkrieg, der nötig ist, um einen Teil der Fahrtkosten erstattet zu bekommen, nimmt Anke auf sich. Und auch an das frühe Aufstehen - in der Schulzeit klingelt der Wecker morgens um fünf und in den Praxiswochen manchmal sogar noch früher - habe sie sich gewöhnt.

Anstrengende Angelegenheit
„Gestern morgen haben wir schon um 3 Uhr angefangen“ , berichtet sie aus der Praxis. „Wir machen gerade die Grobreinigung beim neu gebauten Biomassekraftwerk in Königs Wusterhausen - das heißt, wir sorgen dafür, dass das Gebäude besenrein ist“ , erklärt die Auszubildende. Das sei mitunter eine staubige und anstrengende Angelegenheit. „Das Wasser muss in Kanistern in die sieben Stockwerke geschleppt werden“ , sagt Anke und räumt ein, dass es in ihrer Ausbildungszeit schon Momente gegeben habe, wo sie vor Erschöpfung „kurz vorm Heulen“ war. Doch das sei wirklich die Ausnahme, betont die junge Frau. „Überstunden, die die mache, kann ich an anderen Tagen abbummeln. Das ist ganz prima“ , sagt sie. Außerdem entschädigten sie die schönen Seiten ihrer Arbeit für die anstrengenden. „Ich finde es zum Beispiel sehr schön, dass man je länger man dabei ist, um so mehr mit den Kollegen zusammenwächst. Man ist füreinander da. Und auch zu meiner Vorgesetzten Petra Milack kann ich mit allem kommen, was mich bedrückt - sei es beruflich oder privat.“

Abwechslungsreiche Arbeit
„Besonders mag ich an meinem Beruf die Abwechslung. Die Arbeit ist nie monoton, und man kommt dabei mit so vielen verschiedenen Menschen zusammen. Donnerstags arbeite ich zum Beispiel im Luft- und Raumfahrtzentrum in Wildau. Dort treffe ich immer einen Kanadier, mit dem ich nur englisch reden kann. Das übt ungemein“ , erzählt sie begeistert.
Das tollste Erlebnis während ihrer Ausbildung sei aber das „Berlinova“ -Festival gewesen, bei dem Anke die Sanitäranlagen sauber gehalten hat. „Das war der Renner. Ich war hinter den Kulissen dabei und hab' viele der Musiker persönlich kennengelernt, zum Beispiel den Sänger von ,Prodigy'“ , schwärmt die angehende Gebäudereinigerin. „Hinterher hatte ich ein ganzes Buch voller Autogramme.“ Außerdem habe ihr dieses Erlebnis eine Illusion genommen: „Ich weiß jetzt, dass die Musiker nach den Konzerten nicht nur feiern und am Pool liegen. Auch die Stars müssen ganz schön hart arbeiten“ .