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| 12:48 Uhr

Satirisches Jahreshoroskop für Luckau, Dahme und Co
Öl aus dem Hahn und Drohnentaxi

 In einem Jahr werden wir wissen, ob Heribert Morali sein Handwerk versteht.
In einem Jahr werden wir wissen, ob Heribert Morali sein Handwerk versteht. FOTO: Fotilia/nikonomad
Luckau. Der RUNDSCHAU-Astrologe Heribert Morali schaut für die Leser in die Sterne.

Wenn in der Silvesternacht die bunten Raketen in den Himmel steigen, dann fragen sich die Menschen zwischen Luckau, Dahme, dem Unterspreewald und Heideblick, was das neue Jahr wohl bringen mag. Wie stets an dieser Stelle schaut der RUNDSCHAU-Astrologe Heribert Morali für die Leser in die Sterne.

In Luckau sieht er, wie sich auf dem Marktplatz Bagger in die Erde wühlen. Der Technik auf dem Fuß folgen Archäologen. Sie stoßen auf die Reste eines überdimensionalen steinzeitlichen Pfahlbaus,  wie sie typisch an Gewässern errichtet wurden. Der Fund mitten in der Stadt ist eine wissenschaftliche Sensation. Ihren Marktplatz können die Luckauer deshalb vergessen. Nach zähen Verhandlungen willigt die Denkmalpflege ein, den Pfahlbau zwar originalgetreu wieder herzurichten, doch für eine moderne Nutzung freizugeben. So entsteht hinter der Fassade aus Holz, Lehm und Reisig  der dringend nötige neue Hort. Bald erklimmen die Kinder begeistert über Leitern ihre abenteuerliche Bleibe.

Morali dreht sein Fernrohr weiter nach Heideblick, wo die Gemeindevertreter grübeln, wie sie die explodierenden Kosten der Bahnbrücke im Ortsteil Walddrehna stemmen können. Die Rettung kommt unverhofft aus dem eigenen Dorf. Hier ärgern sich die Leute schon lange über braune Brühe aus ihren Wasserleitungen. Heerscharen von Spezialisten versuchen vergeblich, den Grund dafür zu finden. Bis einer einen Tropfen auf den Finger nimmt, riecht und jubelt: „Es ist Erdöl“. So wird Heideblick reich wie ein Scheich und bezahlt die Bahnbrücke aus der Portokasse.

 Auch für die Pfützen im Fußgängertunnel  findet sich mit dem Talersegen eine Lösung. Die Gemeinde verteilt an Schulkinder und Anwohner der Pilzheide kostenlos Gummistiefel und Paddelboote.

Morali dreht sein Arbeitsgerät weiter in Richtung Dahme. Was er dort entdeckt, lässt ihn an seinem Fernrohr zweifeln. In allen Rathaus-Büros sitzt ein Mitarbeiter am Schreibtisch, während ein zweiter mit Bleistift und Block hinter ihm steht. Im Stundentakt wird auf Pfiff der Platz getauscht. Wie der Astrologe aus dem Flurfunk vernimmt, ist dieses Prozedere einer neuen Dienstvorschrift geschuldet, weil nach der Ehe mit dem Niederen Fläming die Verwaltung aus den Nähten platzt. Als sich die Chance ergibt, die Ruine des abgebrannten Schützenhauses von privat zurückzukaufen, greift die Kommune ohne Zögern zu. Die Abrissbirne wird bestellt. Wo eben noch die verkohlten Mauerreste standen, wächst ein Bürohochhaus.

Ganz andere Sorgen plagen die Stadtväter von Golßen. Die Gastgeber des jährlichen Spreewälder Gurkentages fürchten, dass sich in diesem Sommer zum zweiten Mal niemand findet, der Gurkenkönig und -königin werden möchte. Als sie rätseln, wen sie noch fragen könnten, haben findige Köpfe beim Golßener Vereinsring eine pfiffige Idee. Sie gewinnen das regionale Fernsehen für eine Castingshow unter dem Motto: „William und Kate vom Unterspreewald gesucht“. Die Resonanz bricht alle Rekorde.

Alles wird gut, denkt Heribert Morali und will sein Arbeitsgerät für ein Jahr  zurück in den Schrank stellen, als er im Luckauer Ortsteil Duben ein altes Mütterchen weinen hört. Seit einer Stunde steht die Oma mit ihrem Rollator an der B 87 und weiß angesichts der Blechlawine nicht, wie sie über die Straße kommen soll. Die Dubener haben es satt, mit dem Amtsschimmel darüber zu streiten, wie viele Fußgänger pro Stunde vorgeschrieben sind für einen Zebrastreifen.

Im  Internet liest der Ortsvorsteher von Drohnentaxis, die in Dubai getestet werden, um Staus zu überwinden. Er bietet den beteiligten Großkonzernen sein Dorf erfolgreich als weitere Testfläche an. Schon bald sieht man einen Mini-Helikopter regelmäßig mit glücklichen Leuten an Bord über die Bundesstraße schweben.

 

So wird es sein im Jahr 2019.

Wenn die Strene nicht lügen... .

(red)