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Rückkehr zu den Wurzeln des berühmten Vorfahren

Mit einer Gedenkveranstaltung wird Johann Gottlieb Koppe am Sonntag in Beesdau geehrt. Der berühmte Landwirt und Wegbereiter der Landwirtschaft im 19. Jahrhundert wäre 225 Jahre alt geworden. Heute lebt sein Ur-Ur-Urenkel Benedikt Behr im Gutshaus des Heideblick-Dorfes. Von Andreas Staindl

Koppe war landwirtschaftlicher Forscher, Verfasser von Lehrbüchern, baute eine der ersten Zuckerrübenfabriken und wurde vom König von Preußen zum Landwirtschaftsminister berufen. Er wurde im Kreis Luckau geboren, hat dort längere Zeit gewirkt und das Gutshaus Beesdau bewohnt. Seit dem Jahr 1997 lebt sein Ur-Ur-Urenkel Benedikt Behr dort. Der 51-Jährige kam mit seiner Frau von München in die Niederlausitz.
"Wir wollten zu den Wurzeln unserer Vorfahren zurück, fühlen uns unserer Familie verpflichtet", erklärt er. "Tradition ist nichts Materielles, sie trägt man im Herzen." Behr sagt, dass er kein Landwirt sei, sondern Kaufmann und Unternehmer. Als solcher befasse er sich etwa mit erneuerbaren Energien, kaufe beispielsweise Flächen für die Errichtung von Windkraftanlagen auf. Zuvor hatte er fünf Jahre lang die Produktionsfirma Ost-Recycling in Luckau betrieben und dort nach eigenen Angaben eine mittlere siebenstellige Summe investiert. Viel Geld sei auch in den Erhalt der denkmal-
geschützten Gebäude, den Park und weiteres Eigentum in Beesdau geflossen. "Wir freuen uns über jedes Fenster, jede Tür die wir im Haus erneuern dürfen", sagt Behr. "Wir leben gern in der wunderschönen Natur der Niederlausitz und fühlen uns hier zu Hause". Er gerät ins Schwärmen: "Die intakte Natur ist herrlich. Anders als in großen Städten sind hier nachts Sterne zu sehen. Ich bin nicht sicher, ob sich die Menschen vor Ort dieses besonderen Schatzes bewusst sind."
Traurig sei er allerdings über jeden geteerten Waldweg. "Der Tourismus läuft in die falsche Richtung", sagt der 51-Jährige. Statt auf Massentourismus würde er auf Individualität setzen. Sein Gutshaus soll einmal Pension werden, Unterkunft zum Beispiel für Jäger. Dazu denkt er an Fahrten mit der Kutsche durch die nahezu unberührte Natur.

Träume noch blockiert
Benedikt Behr sieht die touristische Kette vor seinem geistigen Auge, kann seinen Traum allerdings noch nicht verwirklichen: "Wir konnten bisher nur wenige unserer Flächen zurück kaufen, haben aber gleichzeitig 30 000 Kubikmeter umbauten Raum zu sanieren und zu unterhalten", verweist er auf das Ungleichgewicht. Dennoch: "Trotz aller Widerstände durch Bund und Land beginnt unsere Tradition, sich langsam wieder mit Leben zu füllen." Behr sagt, dass ihm das ohne den Zusammenhalt der Familie, ohne seine Frau und die hier geborenen Kindern so nicht gelungen wäre. Seine Frau habe sich eine Zeit lang im Beesdauer Frauenkreis engagiert, er selbst eine Wahlperiode im Gemeinderat. Die evangelische Kirchengemeinde Beesdau habe den Festtag aus Anlass des Koppe-Jubiläums initiiert, zudem die Sanierung des Grabmals angeschoben, berichtet Behr.

Ehrung am sanierten Grab
Am Sonntag soll es um 11 Uhr eine Ehrung am Grab von Johann Gottlieb Koppe geben, außerdem um 15 Uhr eine Dorfwanderung auf den Spuren des berühmten Landwirts.
Helga Tucek, Leiterin des Niederlausitz-Museum Luckau, habe sich mit der Geschichte Koppes befasst und schon zu dessen 200. Geburtstag die Festschrift "Für den Fortschritt der Agrarwissenschaften" veröffentlicht, sagt Koppes Nachfahre.

Zum Thema Vesper im Schlosspark
 Eröffnet wird die Gedenkveranstaltung am Sonntag mit einem Festgottesdienst in der evangelischen Kirche Beesdau. Beendet wird der Tag gegen 15.30 Uhr mit einer Vesper im Schlosspark.