Im Luckauer Krankenhaus ist dieser Rollentausch nicht neu. Das Projekt "Schüler leiten eine Station" geht ins fünfte Jahr. Es sei ein mutiger Schritt gewesen, sich darauf einzulassen, doch die Erfahrungen seien durchweg gut, erklärt Praxisanleiterin Uta Lehmann. Die jungen Leute stehen kurz vor ihrer Abschlussprüfung an der Evangelischen Ausbildungsstätte für Pflegeberufe in Lehnin. "Eine bessere Prüfungsvorbereitung als diese Testwoche kann es nicht geben", sagt Marie Stirnal. Während der Ausbildung seien die künftigen Schwestern und Pfleger zu vielen praktischen Einsätzen in Luckau und in den anderen Einrichtungen des Diakonissenhauses Berlin-Teltow-Lehnin gewesen. "Bisher bekamen wir dabei gesagt, was zu tun ist, diesmal müssen wir selbst entscheiden", beschreibt Schwesternschülerin Christine Baumann aus Klettwitz die Herausforderung.

Die Azubis nehmen den Frühdienst in ihre Hände, machen alles, was sonst Fachschwestern tun. "Den Patienten beim Waschen und Anziehen helfen, die Ärzte zur Visite begleiten, Ausführen, was an medizinischer Versorgung festgelegt wird", zählt Pflegedirektorin Martina Haufe auf. Daneben seien Operationen abzusprechen, Neuaufnahmen vorzubereiten, fügt sie an. "Es ist schön, die Reihenfolge der Arbeiten selbst festzulegen", findet Christine Baumann. "Doch gerade am Anfang ist der Druck auch groß, alles in der nötigen Zeit zu schaffen", gibt sie zu.

In der Abteilung für Altersmedizin sollen Patienten nach einem Schlaganfall oder einem Oberschenkelhalsbruch möglichst wieder so fit werden, dass sie in die eigenen vier Wände zurückkehren können. "Wir helfen ihnen dabei, verlorene Fähigkeiten neu zu erlernen", erläutert Martina Haufe. Während der Projektwoche treffen die Azubis die Absprachen mit Ärzten, mit Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten. Marie Stirnals Erfahrung: "Wir werden ernst genommen."

Nancy Herrmann und Cindy Reinicke, junge Fachschwestern in der Geriatrie, kennen das Projekt "Schüler leiten eine Station" aus der eigenen Ausbildung. Jetzt schauen sie dem Nachwuchs über die Schulter, greifen nur ein, falls es nötig wird. "Ich weiß noch gut, wie aufgeregt ich am ersten Projekttag war", erinnert sich Cindy Reinicke. Nancy Herrmann erzählt, das Schwierigste sei es, sich zurückzuhalten, die Schüler machen zu lassen. Andererseits biete das Projekt dem Stammpersonal eine ungewohnte Gelegenheit, von außen auf die eigene Arbeit zu schauen. "Dadurch merke ich, welche Fülle das täglich ist. Es lohnt sich zu schauen, wo wir von den Schülern gute Idee übernehmen können", sagt Nancy Herrmann.

"Der Rollentausch für eine Woche muss mit großem Aufwand vorbereitet werden. Doch wir brauchen Nachwuchs, der für den Beruf gut trainiert ist", nennt Praxisanleiterin Uta Lehmann den Grund für das Luckauer Engagement. Marie Stirnal und Christine Baumann wollen nach der Ausbildung im Schwesternberuf bleiben. Marie hat sich am Luckauer Krankenhaus beworben. Ob es klappt, steht noch nicht fest. Im vergangenen Jahr seien drei Azubis übernommen worden, berichtet Martina Haufe. "Für Pflegeberufe wird es in der Zukunft einen riesigen Bedarf an gutem Fachpersonal geben", ist sie überzeugt.

Zum Thema:
Pflegedirektorin Martina Haufe empfiehlt Schulabgängern, die sich für einen medizinischen Beruf interessierten, ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus. Auch Marie Stirnal ist nach der zehnten Klasse diesen Weg gegangen: "Danach wusste ich, der Schwesternberuf ist der richtige für mich", sagt sie. Zwei FSJler des laufenden Jahrgangs werden laut Martina Haufe ab September eine Schwesternausbildung beginnen.