Von Andreas staindl

So gescheppert hat es wohl noch nie in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Luckau-Duben. Die Hardrockband „GehRock“ aus Potsdam ließ es kürzlich richtig krachen im Gefängnis. 90 Minuten lang spielten die Musiker Titel aus den vergangenen 40 Jahren der Rock-Geschichte.

Von Jo Cocker über die Rolling Stones bis hin zu ZZ Top: „GehRock“ beherrscht das volle Programm. Das kam an. Das erste Lied war kaum gespielt, da waren die Gefangenen schon mittendrin. Sie klatschten lautstark, wippten mit dem ganzen Körper mit, ließen sich vom Rhythmus der Musik anstecken. Nur ein paar Titel weiter johlten die ersten Zuhörer vor Begeisterung.

Etwa 60 gefangene Frauen und Männer durften bei dem Konzert dabei sein. Es war eines von zahlreichen kulturellen und sportlichen Angeboten in der Anstalt in Luckau-Duben. Bisher allerdings war vor allem klassische Musik zu hören (die RUNDSCHAU berichtete). Diesmal gab es Rock-Musik vom Feinsten. Leise Töne sind da eher selten. Im Gegenteil. Volle Dröhnung für die Gefangenen-Ohren war angesagt.

Der Mehrzweckraum des Bildungsbereichs war eigentlich viel zu klein für die Klänge der sechs Musiker aus der Landeshauptstadt. Da konnten sie noch so viel an der Technik justieren – ein optimales Klangerlebnis war nicht drin, gab der schlauchartige Raum einfach nicht her. Die Stimmung war dennoch fast überragend.

Viele Titel wurden von den Gefangenen mitgesungen. Es sind Ohrwürmer, die fast jeder kennt, zu denen der eine oder andere Gefangene vielleicht auch schon abgerockt hat. Das wäre theoretisch auch im Knast möglich gewesen. Getraut hat sich dann doch niemand. Doch auch so waren die Inhaftierten mehr als konsumierende Zuhörer. Kaum waren die ersten Klänge eines Lieds gespielt, stiegen die Besucher ein. Mehr Begeisterung kann es auch während eines Konzerts in Freiheit nicht geben. Die Musiker waren ohnehin in ihrem Element.

Nach knapp einer Stunde fragte der Sänger Fred Kaatz vorsichtig an: „Wir lange dürfen wir noch.“ Lars Koch, der verantwortliche Bedienstete für die Veranstaltung, hob die Finger seiner beiden Hände. Dass es dann doch etwas mehr wurde – geschenkt. Die Gefangenen hätten der Hardrockband ohnehin gern noch weiter zugehört: „Weiter, weiter“, wünschten sie sich. Doch ein Gefängnis hat halt eigene Regeln.

Konzerte wie dieses fordern das Personal zusätzlich. Stephanie Schmidt dankte den Bediensteten deshalb: „Ohne ihr Engagement wären solche Veranstaltungen nicht möglich.“ Die Vollzugsleiterin eröffnete erstmals eine Musikveranstaltung in der JVA in Luckau-Duben. Auch der Projektträger ist neu. Der Kunst-und Literaturverein für Gefangene e.V. mit Sitz in Nordrhein-Westfalen hat sich zum ersten Mal im Dubener Gefängnis engagiert. Idee des Vereins ist es, Kultur auch hinter Mauern zu bringen. Das ist gelungen.