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| 02:45 Uhr

Rettende Wölfe und ein Rathaushotel

Ein neues Jahr steht vor der Tür. Wie gewohnt an dieser Stelle hat die RUNDSCHAU ihren Hausastrologen Heribert Morali gefragt, was es für die Leser zwischen Luckau, Dahme, Golßen und Heideblick bringen wird.

Ausgelassenes Treiben weckt in Luckau die Neugier des Sternenkundlers. Die Stadt begeht den Abschluss der Bauarbeiten an der Hauptstraße. Anwohnern und Geschäftsleuten verleiht Bürgermeister Gerald Lehmann die Ehrenmedaille "Für langen Atem", die die Verwaltung aus diesem Anlass prägen ließ. Vorausschauend haben die Stadtväter auch Exemplare für die Anlieger der Langen Straße bestellt, wo als Nächstes der Straßenausbau beginnen soll.

Bevor Heribert Morali verfolgt, wie es dort weitergeht, will er wissen, was aus den Golßenern wurde, die vor einem Jahr die Ehe mit dem Unterspreewald eingegangen waren. Dem Experten bleibt nicht verborgen, dass bei den Jungvermählten dem Liebesrausch Ernüchterung folgte. Sie suchten schon mal nach Adressen guter Scheidungsanwälte, als der neue Partner das Golßener Rathaus als gemeinsamen Verwaltungssitz in Frage stellte. Den historischen Bau auf die Anforderungen der Barrierefreiheit und des Brandschutzes umzurüsten, würde viel zu teuer kommen, hieß es. Bei den Stadtvätern raucht zunächst der Zorn, dann rauchen die Köpfe. Heraus kommt eine innovative Idee. Die ist so gut, dass es gelingt, in Potsdam für das Rathaus mehrere Millionen Euro aus dem Topf für Not leidende Brandenburger Kommunen locker zu machen. Die Handwerker rücken an und verwandeln die Amtsstuben in Hotelzimmer. Die Stadt kann die Travdo-Kette, die bereits das Schlosshotel in Fürstlich Drehna gepachtet hat, als neuen Betreiber ihrer Traditionsimmobilie gewinnen. Die Hoteliers entwickeln in Golßen Deutschlands erstes Rathaushotel. Unter dem Slogan "Wohlig ausruhen wie die Beamten" wird es zum Renner für Stress geplagte Manager aus dem In- und Ausland.

Wildwasser in Dahme

So ein Wunder können auch die Nachbarn in Dahme brauchen, wenn dort 2014 der auf mehrere Jahre angelegte Ausbau der Ortsdurchfahrt beginnt. Geschäftsleute und Wirte bangen um die Existenz. Sogar Gerüchte machen die Runde, die immer leerer werdende City soll für den Bau eines Mega-Windparkes frei gegeben werden. Zum Rettungsanker für die Geschäftswelt wird ausgerechnet das Regenrückhaltebecken hinter dem Freibad, das die Stadt Fachgutachtern zufolge für zwei Millionen Euro vor dem Hauptstraßenausbau zum Auffangen der Niederschlagsmengen errichten musste. Nachdem Wetterfrösche eine langanhaltende Dürreperiode voraussagen, droht es zur Investruine zu verkommen. Empört fordern die Dahmenser die Umwandlung in ein modernes Schwimmbecken mit Wildwasserkanal. Bislang war der Stadt Fördergeld für den Ausbau ihres Schwimmerbeckens versagt worden. Doch es ist Wahljahr, und so sausen schon bald massenhaft Touristen in Schlauchbooten die Beckenwände herunter. Gewerbetreibende bauen am Rand florierende Verkaufsstände auf.

Erleichtert richtet Heribert Morali nun sein Fernrohr auf die Gemeinde Heideblick, wo die Bürger weiter gegen den Bau eines Bahnübergangs in Walddrehna kämpfen, der ihnen mit dem Ausbau der Bahnstrecke Berlin-Dresden auf Tempo 200 aufgenötigt werden soll. Zwar bleiben die Behörden hart, doch die Heideblicker geben nicht klein bei. Um Mitternacht sieht Morali einen Walddrehnaer nach Wanninchen schleichen, wo sich auf Sielmann-Flächen eine Wolfsfamilie angesiedelt hat. Mit Leckerlis "überredet" er die Welpen und deren Eltern zum Umzug nach Walddrehna. Wölfe oder Schnellzug? Nicht nur Heribert Morali ist klar, wer im Naturschutzland Brandenburg gewinnen wird.

Luckauer Sensationsfund

Bevor er für ein weiteres Jahr sein Fernrohr in den Schrank stellt, schaut der Astrologe noch einmal nach Luckau, wo sich tatsächlich an der Langen Straße das nervenaufreibende Spiel der Hauptstraße wiederholt. Archäologen kratzen mit Zahnstochern im Baugraben, während die Bautechnik Rost ansetzt. Doch diesmal lohnt die Geduld. Sie finden als Ursache für die vielen Leitungsbrüche an der Langen Straße einen unterirdischen Bunker und darin das verschollen geglaubte Bernsteinzimmer. Zwar darf die Stadt nur einen Bruchteil des Erlöses behalten. Doch der reicht den Luckauern allemal für ein künftig sorgenfreies Leben.

So wird es sein im Jahr 2014. Wenn die Sterne nicht lügen …