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Mittelalterliche Wandmalereien
Schätze an den Kirchenwänden

Diplom-Restauratorin Sonia Cardenas zeigt ein besonders reich ausgestaltetes mittelalterliches Weihekreuz an der Kirchenwand.
Diplom-Restauratorin Sonia Cardenas zeigt ein besonders reich ausgestaltetes mittelalterliches Weihekreuz an der Kirchenwand. FOTO: Carmen Berg / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Von Carmen Berg. In Goßmar legen Restauratoren besonders wertvolle mittelalterliche Malereien wieder frei.

In der Kirche des Heideblick-Ortsteils heben Restauratoren in diesen Wochen einen Kulturschatz. In aufwendiger Kleinarbeit fördern Sonia Cardenas und ihre Kollegen vom Unternehmen CBB-Restaurierung aus Berlin unter Farbschichten verborgene mittelalterliche Wandmalereien zutage. Dass das Gotteshaus damit gut bestückt ist, war schon seit Längerem vermutet worden. Eine Voruntersuchung, die Diplom-Restaurator Olaf Schwieger im vergangenen Herbst vornahm, brachte Gewissheit. „Viele frühmittelalterliche Kirchen waren mehr oder weniger reich ausgemalt. So komplexe figürliche Darstellungen wie in Goßmar sind jedoch für eine Dorfkirche außergewöhnlich“, sagt Annegret Gehrmann, Vorsitzende des Förderkreises Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz, der das Vorhaben begleitet.

Eine Malerei an der Südwand der Empore zeigt die Heilige Barbara mit dem Turm und die Heilige Katharina mit dem Schwert, datiert von 1497. Ein ähnlich großes Gegenstück wird an der Nordwand vermutet. Sonia Cardenas sieht es als Glücksfall für die Kirche und die Restauratoren, dass der mittelalterliche Putz im Gotteshaus vollflächig erhalten blieb. Die Nordwand sei ein gut erhaltener Bereich, alle Farbschichten seien intakt, keine Schäden erkennbar. Deshalb geht sie in diesem Bereich von einer kompletten Freilegung aus.

Auch an der Wand im Altarraum sind Teile der Malereien bereits wieder sichtbar. Olaf Schwieger zufolge ist dort eine Geißelungsszene dargestellt, zwischen zwei Nischen, die später zugemauert wurden. Jesus am Kreuz hatte er bereits freigelegt. Die Experten werden sich in den nächsten Wochen weiter vorarbeiten. Carola Graßmann, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, freut sich über jedes Detail, das an den Kirchenwänden zutage kommt. „Zwei Beine mit grünen Strümpfen auf einem Fußboden in Zinnober und Gelb. Es ist doch spannend, wer das ist“, gerät sie ins Schwärmen.

95000 Euro stehen für die Restaurierung der Wandmalereien zur Verfügung. Finanziert wird das Vorhaben mit Förderhilfe des Brandenburger Kulturministeriums sowie aus Eigenmitteln der Gemeinde und des Kirchenkreises, sagt Annegret Gehrmann. Die Experten werden nach der Bedeutung und dem Zustand der Funde entscheiden, welche Teile vollständig restauriert werden. „An Sichtachsen wird deutlich, was an Kulturschätzen noch da ist“, erklärt Sonia Cardenas das Prinzip bei den Arbeiten, die bis in den November dauern sollen.

Während sie voranschreiten, blickt Carola Graßmann zurück auf bereits Geschafftes. Neben der restauratorischen Voruntersuchung waren im Vorjahr das Gestühl repariert und Kondenswasserinnen an den Fenstern angebracht worden. Zudem wurden Wandlampen durch Pendelleuchten mit Dimmschaltern ersetzt. An den Kosten von 16000 Euro für diesen Bauabschnitt beteiligten sich laut Carola Graßmann Geldgeber von Kirche und Denkmalschutz, aber auch die Goßmarer mit Spenden und dem Erlös aus Kirchenführungen.

Mit dem Skalpell legt Restauratorin Karin Halle behutsam ein Rankenmuster wieder frei.
Mit dem Skalpell legt Restauratorin Karin Halle behutsam ein Rankenmuster wieder frei. FOTO: Carmen Berg / Medienhaus Lausitzer Rundschau