ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:05 Uhr

Markt 32 wird aufpoliert
Barockes Schmuckstück entsteht in Luckau

Der obere Teil des Gebäudes zeichnet sich durch prunkvolle Stuckverzierungen aus. Die Ornamente aus dem 17. Jahhundert sind noch gut erhalten und werden derzeit restauriert.
Der obere Teil des Gebäudes zeichnet sich durch prunkvolle Stuckverzierungen aus. Die Ornamente aus dem 17. Jahhundert sind noch gut erhalten und werden derzeit restauriert. FOTO: LR / Anja Brautschek
Luckau. Das Gebäude Markt 32 ist derzeit fest in Restauratorenhand. Die barocken Putzelemente werden überarbeitet und wieder hergestellt. Bis August soll die Fassade wieder in der originalen Farbgebung erstrahlen. Von Anja Brautschek

Die Fassade vom Markt 32 ist derzeit vom Gerüst versteckt und mit Sicherheitsnetzen eingehüllt. Und doch versteckt sich dahinter ein kleines Schmucktstück. So sieht es der Restaurator Andreas Schulz aus Jamlitz.

„Luckau ist sehr besonders. Dieses Haus wird sich wunderbar in die Optik am Markt einfügen“, sagt Andreas Schulz. Das Haus wurde im Jahr 1695 erbaut. Wie viele andere Gebäude am Luckauer Marktplatz, zeugt auch dieses vom Wohlstand der Erbauer. Zahlreiche Stuck-Verzierungen mit vielen Details bis in den obersten Giebel sind daran zu entdecken. Die kleinen Figuren, Lorbeer- und Weinlaubverzierungen stammen aus der Barockzeit. Sogar ein gesprengter, also in der Mitte offener Giebel ist über der Eingangstür angebracht. „Davon gibt es gar nicht mehr so viele“, schätzt der Experte ein. Trotz zahlreicher Überarbeitungen über die Jahrhunderte seien noch viele ursprüngliche Verzierungen erhalten geblieben. Sie verstecken sich unter zahlreichen Farbschichten. Seit Wochen arbeiten die Restauratoren bereits an der alten Fassade.

Um die Fassade langfristig vor dem Verfall zu schützen, werden Abschlüsse aus Kupfer angebracht.
Um die Fassade langfristig vor dem Verfall zu schützen, werden Abschlüsse aus Kupfer angebracht. FOTO: LR / Anja Brautschek

Die Experten arbeiten sich dabei Stück für Stück vor. Lockere Farbschichten müssen sorgfältig abgetragen werden. Darunter verbirgt sich noch der ursprünglicher Putz. Dieser besteht nicht – wie bei Stuck üblich –  aus Gibs, sondern ist aus Kalkmörtel angefertigt. Damit die Ornamente beständiger werden, wurde der Mörtel mit Ziegelmehl versetzt. Die winzigen, rötlich gefärbten Steinchen sind deutlich im grauen Kalkmörtel erkennbar. Ziel der Restauratoren ist es, diese ursprünglichen Strukturen so gut es geht zu erhalten. Dazu müssen zum Teil darüber liegende Schichten abgetragen oder abgefallene Teile wiederhergestellt werden. Denn nicht alle Ornamente haben Jahrhunderte von Wind und Wetter gut überstanden. Unter dicken „Plastefarben“, wie es der Restaurator nennt, konnte der Putz nicht richtig atmen. Feuchtigkeit dringt hinein und zerstört darunter liegende Schichten. Der Putz platzt regelrecht auf. Diese unsachgemäßen Überarbeitungen müssen abgetragen und darunter liegende Putzschichten erhalten werden. Eine Aufgabe, die Konzentration und Ausdauer erfordert. Je nach Zustand des Putzes arbeiten die Restauratoren mitunter mehrere Stunden an einem einzigen Ornament. „Wir arbeiten dabei sehr eng mit den Denkmalpflege zusammen und treffen uns regelmäßig zu Arbeitsberatungen“, erklärt der Restaurator.

Restaurator Andreas Schulz bearbeitet die Stuckverzierungen der Fassade.
Restaurator Andreas Schulz bearbeitet die Stuckverzierungen der Fassade. FOTO: LR / Anja Brautschek

Bis August sollen die Restaurationen abgeschlossen werden. Dann soll das Gebäude wieder in seiner ursprünglichen Farbgebung erstrahlen: gebrochenes weiß und ein kühles rosa. Das hat die Farbanalyse der Fassade ergeben. Durchgeführt wurde sie von der Restauratorin Ute Schulz. Vor allem in verwinkelten Ecken sei die ursprüngliche Farbe noch gut erhalten gewesen.

Der erste Grundanstrich trocknet bereits an einigen Ornamenten. Sowohl Putz als auch Farbe sind auf mineralischer Basis – so wie vor rund 400 Jahren. Doch die Restaurationen gehen nur langsam voran. Vor allem die trockene Hitze und starker Wind erschweren die Arbeiten auf dem Gerüst. Ist es zu warm, trocknet der Putz zu schnell und kann später reißen. Um dennoch sorgfältig zu arbeiten, müssen die Arbeitsflächen stets feucht gehalten werden. „Wir sind jedoch zuversichtlich, dass wir alles bis August schaffen“, sagt Andreas Schulz.

Neben den Restauratoren sind derzeit auch Spengler aus Waldow mit der Wiederherstellung der Fassade beschäftigt. Die Mitarbeiter von Michael Knoppan fertigen derzeit die Abdeckungen der Fassade sowie Fensterbretter aus Kupfer. Jedes Element wird dazu handgefertigt und passend zurechtgebogen. „Bei diesem Gebäude waren die äußeren Schnecken besonders schwer. Das ist schon eine kleine Herausforderung“, sagt Michael Knoppan. Der Winkel dieser Verzierung erschwere das Biegen der Kuper-Platten. Auch ein kleiner, nur wenige Zentimeter großer Überstand wird bei den Abdeckungen integriert. Unscheinbar, aber effektig. Das Regenwasser wird von der Fassade ferngehalten und nach hinten über das Dach abgeleitet. So bleibt die Fassade auch langfristig schön. Und Luckau gewinnt ein weiteres Schmuckstück.