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Aus Kirchengemeinden
Rietdorfs Glocken klingen wieder

Nach Sanierung des Glockenstuhls läuten die Glocken der Rietdorfer Dorfkirche wieder.  Foto: bkh1
Nach Sanierung des Glockenstuhls läuten die Glocken der Rietdorfer Dorfkirche wieder. Foto: bkh1 FOTO: Birgit Keilbach
Reparaturen im Glockenstuhl beendet. Kirchengemeinde beging Einläuten mit Adventsfest. Von Birgit Keilbach

Für einige Wochen waren sie verstummt. Am zweiten Advent läuteten sie wieder – die zwei Glocken im Turm der Feldsteinkirche in Rietdorf. „Kling Glöckchen, klingelingeling…“, sangen die Frauen, Männer und Kinder im Gotteshaus passend dazu, nachdem die letzten Töne aus dem Turm verhallt waren.

Sven Böhme vom Gemeindekirchenrat Dahme reflektierte zwischen weiteren Weihnachtsliedern die Geschichte der zwei Kirchenglocken. Dabei wurde deutlich, dass das so genannte „verflixte“ siebte Jahr in verschiedenen Jahrzehnten jeweils ein gutes für den Glockenklang in der Rietdorfer Kirche gewesen ist.

Vor 90 Jahren freuten sich die Einwohner über die damals neue kleine Betglocke. Nachdem die Vorgängerin im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden war, hallten ab 1927 wieder beide Glocken durch das Dorf. Die große Glocke wurde im zweiten Weltkrieg abgebaut, entging aber dem Schicksal der Einschmelzung. „Sie war in Hamburg auf dem großen Sammelplatz gelandet und wurde 1947 wieder zurück geholt“, blickte Sven Böhme in die Geschichte. Viele Rietdorfer hätten sich damals für das Wiederaufhängen im Glockenstuhl engagiert, berichtete er. „So läuteten vor 70 Jahren in der Adventszeit wieder beide Glocken“, sagte Sven Böhme.

Seitdem versahen die Klangkörper zuverlässig ihren Dienst. Doch der ständige Betrieb und die Schwingungen hinterließen ihre Spuren. Rund 8000 Euro investierte die Kirchengemeinde laut Sven Böhme aus Eigenmitteln in die Reparaturarbeiten. Rund 1000 Euro davon habe das Orgelkonzert von Leo Strelow im September eingebracht, das der junge Musiker zugunsten des Gotteshauses gegeben hatte. Eine ganze Menge war zu tun. Die Eichenbalken mussten neu vermauert werden, denn es fielen bereits Steine aus den Befestigungen im Turmgemäuer. Die Fußbodenbohlen waren verschlissen und wurden komplett erneuert. Die Stahljoche, an denen Glocken hingen, waren beschädigt, am Joch der kleinen Glocke war das Material stark abgetragen.

Die Kirchengemeinde beauftragte die Firma Walter aus Uckro mit den Reparaturen und zog einen Glockensachverständigen hinzu. Dieser habe erläutert, dass die Aufhängung an einem Holzjoch die bessere Lösung ist. Für die kleine Glocke wurde das umgesetzt. „Sie hat auch einen neuen Klöppel bekommen, der an einem Lederband hängt. Man kann gut sehen, wie zart der Klöppel jetzt an die Glocke schlägt und einen schönen, vollen Klang hervorbringt“, erläuterte Sven Böhme. An der großen Glocke sind jedoch die metallenen Halterungen beschädigt, die komplett erneuert werden müssten. Deshalb sei jetzt eine Zwischenlösung realisiert worden und sie hänge wieder sicher am Stahljoch. In einem zweiten Bauabschnitt soll die Glocke abgenommen und repariert werden. Dann könne auch sie an einem Holzjoch aufgehängt werden, blickt Sven Böhme auf den nächsten Schritt.

 Damit der Glockenstuhl künftig weniger den Witterungseinflüssen ausgesetzt ist, bekommen die Schallluken in den kommenden Wochen außerdem noch schützende Holzlamellen eingesetzt.

Eine weitere Neuerung erfolgte im Zuge der Sanierung. „Wir haben jetzt eine elektrische Läuteanlage mit Automatik. Damit können uns die Glocken künftig mit dem Mittags- und Abendläuten begleiten“, sagte Sven Böhme. Das alte Seil mit dem Handzug hat damit ausgedient.

„Das wird am Anfang schon ein bisschen ein komisches Gefühl sein, nicht mehr sonntags zum Gottesdienst läuten zu gehen“, beschreibt der bisherige „Glöckner von Rietdorf“, Dietmar Schmidt, sein Empfinden. Die Rietdorferin Anna Schulze freute sich, „dass die Glocken jetzt wieder so schön zu hören sind“. Das regelmäßige Abendläuten kennt Marianne Tutzke aus ihrem Heimatdorf Waltersdorf bei Jüterbog. „Schön, dass es das jetzt auch hier gibt“, ist die Neu-Rietdorferin glücklich.