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E-Mobilität
In Hohenseefeld jetzt Strom tanken

Als letzte Amtshandlung als Klimaschutzmanager der Gemeinde Niederer Fläming und des Amtes Dahme löste Erik Berge die Schleife an der Ladesäule, was Hohenseefelds Ortsvorsteherin Sandra Klimaschewski und Dahmes stellvertretende Amtsleiterin Christina Denkel (v.l.) aufmerksam verfolgten.
Als letzte Amtshandlung als Klimaschutzmanager der Gemeinde Niederer Fläming und des Amtes Dahme löste Erik Berge die Schleife an der Ladesäule, was Hohenseefelds Ortsvorsteherin Sandra Klimaschewski und Dahmes stellvertretende Amtsleiterin Christina Denkel (v.l.) aufmerksam verfolgten. FOTO: Birgit Keilbach
Hohenseefeld. Ladesäule soll positive Effekte für Tourismus und Wirtschaft in der Region bringen. Von Birgit Keilbach

Die Gemeinde Niederer Fläming setzt zum Klimaschutz auf Elektromobilität. Am Samstag wurde in Hohenseefeld eine Ladesäule eingeweiht, an der zwei Elektrofahrzeuge gleichzeitig Strom für ihre Akkus zapfen können. Während der Ladezeit können die Insassen den Ort und die Umgebung erkunden, in der Gaststätte einkehren oder einkaufen. Zudem liegt Hohenseefeld an einem Kreuzungspunkt der Fläming-Skate und bietet sich als Startpunkt für verschiedene Rundkurse an.

„Der Ort bietet eine gute Aufenthaltsqualität und ist damit für Touristen interessant“, sagt Erik Berge. Der jetzt ausscheidende Klimaschutzmanager hat die Gemeinde Niederer Fläming bei der Umsetzung ihres Vorhabens begleitet. Die Einweihung war seine letzte Amtshandlung. Im September 2016 hatten die Gemeindevertreter den Beschluss zur Errichtung der Elektro-Ladesäule gefasst. Die Gesamtkosten dafür beliefen sich laut Erik Berge auf rund 11000 Euro. 75 Prozent davon wurden über das Leader-Programm mit EU-Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) gefördert. „Den Strom stellt die Gemeinde kostenfrei zur Verfügung und er fließt als Ökostrom entsprechend dem Stromliefervertrag“, erläutert der Klimaschutzmanager.

Positive Effekte für Gewerbe und Gastronomie im Ort selbst und die Region erwartet Hohenseefelds Ortsvorsteherin Sandra Klimaschewski. „Mit der Ladesäule eröffnet sich für uns auch die Chance, ein Elektroauto für unser Dorf oder die Gemeinde anzuschaffen und dieses mittels E-Car-Sharing gemeinsam zu nutzen“, zeigt sie eine angedachte Perspektive auf. Damit könnten beispielsweise Lücken bei den Busverbindungen geschlossen werden.

Die neue Ladesäule für Elektroautos in Hohenseefeld ist aus Sicht des Amtes Dahme eine gute Ergänzung zur Ladestation für E-Bikes am Rathaus der Stadt. Seit Jahresbeginn gehört die Gemeinde Niederer Fläming zum Amt Dahme. „Wir hoffen, dass dieser Schritt in Richtung E-Mobilität auch einen Schub für den Tourismus und die regionale Wirtschaft im jetzt größeren Amtsgebiet bringt“, sagt die stellvertretende Amtsdirektorin Christina Denkel.

Dass diese Erwartungen durchaus realistisch sind, belegte der Beauftragte für Elektromobilität der Stadt Trebbin, Hans Kurtzweg. Seit 2012 können in der Stadt Elektroautos aufgeladen werden. „Es kommen mehr Touristen, damit können Sie rechnen. E-Autofahrer sind gut vernetzt und es spricht sich schnell herum, wo sie ihr Auto kostenfrei aufladen können“, berichtete er aus den Erfahrungen. Dazu zähle auch, dass jeder für den Strom eingesetzte Euro aus der Stadtkasse dem örtlichen Gewerbe auf Dauer rund fünf Euro mehr Umsatz bringe. Neben den wirtschaftlichen und touristischen Effekten sei die Stadt mit dem Angebot zur E-Mobilität auch für ihre Bürger attraktiver geworden. „Sie sind stolz darauf, dass wir mit modernen Technologien Schritt halten und das motiviert viele dazu, bei neuen Projekten mitzumachen“, benannte Hans Kurtzweg weitere Aspekte.

Je weiter die Orte von Berlin entfernt sind, desto dünner wird das Netz der Stromtankstellen für Elektroautos. „Südlich von Trebbin beginnt für die Elektromobilität das Mittelalter“, beschreibt er zugespitzt die Situation. Ein Blick auf die Karte mit den Stromtankstellen zeigt große Lücken, auch im Landkreis Dahme-Spreewald. So findet ein Luckauer Elektroautofahrer am Spreewaldhotel „Van der Valk“ bei Niewitz die am nächsten gelegene Ladestation; weitere am Tropical Islands, am Autobahndreieck Spreewald in Kittlitz sowie am Spreewelten-Bad in Lübbenau. Was beim Blick auf die Karte auffällt: Den Bedarf erkannt haben bisher insbesondere Hoteliers und Gastronomen in der Spreewaldregion. Als Mitglied in der Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg empfiehlt Hans Kurtzweg jeder Kommune, sich mit dem Thema zu befassen. „Wer Touristen anlocken will, sollte über Ladestationen für E-Mobilität nachdenken, je früher, desto besser.“ Denn von der Planung bis zur Einweihung einer Stromtankstelle vergingen erfahrungsgemäß rund zwei Jahre. „Wird eine Ladestation in Betrieb genommen, macht sich der Touristenstrom der gut vernetzten E-Autofahrer auf den Weg“, bringt es Hans Kurztweg auf den Punkt.