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| 11:29 Uhr

Projektwoche: Religion am Luckauer Gymnasium im Fokus

Diskussionsrunde zu „Kirche und Geflüchtete“ mit den Iranern Dariush Mokhtari (l.), Hamed Asrami (3.v.l.) und Superintendent Thomas Köhler (r.).
Diskussionsrunde zu „Kirche und Geflüchtete“ mit den Iranern Dariush Mokhtari (l.), Hamed Asrami (3.v.l.) und Superintendent Thomas Köhler (r.). FOTO: dfh
Luckau. Die „Religionsphilosophische Projektwoche“ ist am Luckauer Gymnasium seit 1993 fest verankert. In diesem Jahr geht es unter anderem um die Themen Flucht und Religionskonflikte. Daniel Friedrich

Was hat Islamfeindlichkeit mit Islamismus zu tun? Wie kann ich mich gegen Rassismus wehren? Und gibt es ein Leben nach dem Tod? Es sind spannende Fragen, die die Elftklässler in diesen Tagen im Rahmen der "Religionsphilosophischen Projektwoche" am Luckauer Bohnstedt-Gymnasium diskutieren.

"Uns geht es darum, die Schüler mit den Religionen vertraut zu machen und Denkanstöße zu geben", erklärt Lehrerin Renate Nowotnick, die die Projektwoche mitorganisiert. So haben sich bereits am Montag die Schüler gruppenweise mit den großen Weltreligionen beschäftigt, bevor am Dienstag das Christentum im Mittelpunkt stand. Im Gespräch mit einem ehemaligen Gefängnisseelsorger, dem Generalsuperintendenten und dem Luckauer Kantor konnten sie über die Sichtweisen der Kirche zu wichtigen Gesellschaftsfragen sprechen. Auch das Thema Flüchtlinge war Thema. In der von Superintendent Thomas Köhler moderierten Runde beantworteten Dariush Makhtari (23) und Hamed Asrami (30) die Fragen der Schüler. Beide sind vor zwei Jahren aus dem Iran nach Deutschland geflohen und zum Christentum konvertiert. "Der Islam ist sehr streng, und deshalb haben wir bereits im Iran mit dem Gedanken gespielt, die Religion zu wechseln", erzählt Hamed. Sein Freund Dariush sei wegen "unislamischer Umtriebe" von der Universität verwiesen worden. In Luckau haben die jungen Männer an einem dreimonatigen Taufkurs teilgenommen, helfen bei der Offenen Kirche und besuchen die Gottesdienste. "Uns gefallen das gemeinsame Beten und der Gedanke von Liebe und Vergebung." Trotz ihrer Konversion und der Konsequenzen, die sie deshalb im streng muslimischen Iran zu befürchten hätten, sollen sie wieder dorthin abgeschoben werden. Denn wenn sie ihre christliche Religion nicht offen ausleben würden, bräuchten sie im Iran keinen Ärger befürchten, heißt es zur Begründung in der Akte des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

Im Nebenraum diskutiert eine andere Gruppe derweil über das Sterben und das Leben nach dem Tod - ein sehr intimes Thema, wie Krankenhausseelsorger und Pfarrer Ringo Effenberger sagt: "Die Schüler haben mir über persönliche Erlebnisse berichtet, etwa vom Tod naher Verwandter oder von Schwerverletzten bei einem Feuerwehreinsatz." Ziel sei es, die Erfahrung der eigenen Hilflosigkeit zu überwinden, beispielsweise wenn es um die Sterbebegleitung eines unheilbar kranken Menschen geht.

Am heutigen Mittwoch besuchen die Schüler eine Moschee, eine Synagoge sowie ein buddhistisches Zentrum und einen Hindu-Tempel in Berlin. "Ich finde die Exkursionen sehr wichtig, um Vorurteile auszuräumen. Gerade das Thema extremistischer Islam ist ja sehr aktuell und mit dem Judentum verbindet uns Deutsche eine enge Geschichte", meint Elftklässlerin Lisa Schmidt.

Bis Freitag wird über verschiedene gesellschaftliche Problemstellungen philosophiert, musiziert und gedichtet: Denn erstmals gibt es in diesem Jahr auch einen Poetry-Slam-Workshop zur Projektwoche.