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| 14:08 Uhr

So schmeckt der Spreewald
Produkte frisch vom Bauern

Konrad (12) hat die Tierliebe von seinen Eltern geerbt. In einem Video erklärt er den Kunden, wie die Selbstbedienung mit Milch und Frischwaren funktioniert.
Konrad (12) hat die Tierliebe von seinen Eltern geerbt. In einem Video erklärt er den Kunden, wie die Selbstbedienung mit Milch und Frischwaren funktioniert. FOTO: Carmen Berg / LR
Reichwalde. Bei Lühmanns in Reichwalde gibt es neben Milch jetzt auch Käse, Wurst und Co.

„Zur Milchkanne“ steht einladend über der Milchzapfstelle, die Rinderzüchter Hermann Lühmann und seine Frau Simone vor fast einem Jahr auf ihrem Hof in Reichwalde eröffnet haben. Wer hier Station macht, kann sich jetzt außerdem mit frischen Lebensmitteln aus der Region versorgen. Dazu wurde ein weiterer Automat aufgestellt, gefüllt mit Käse, Wurst  und Co. Von morgens um sieben bis abends um 22 Uhr können Kunden beides nutzen. In einem Video auf facebook erklären Sohn Konrad und seine Freunde allen, die sich vorab informieren möchten, wie die Bedienung funktioniert. „Ist ganz einfach“, verspricht der Zwölfjährige.

Auf die Idee mit dem Warenautomaten kamen Lühmanns durch Milchkunden. „Viele fragten, ob wir frischen Käse haben“, erzählt der Chef. So nahm er Kontakt zu regionalen Erzeugern auf und außerdem rund 15 000 Euro in die Hand.  Wurst aus Vetschau, Honig aus Schollen, Spreewälder Spezialbier aus Leibsch oder Käse, der in Jessen produziert wird, gibt es in Reichwalde. Im Sommer sollen Grillwurst und Grillfleisch hinzukommen, kündigt seine Frau Simone Jermis an.

Hauptstandbein des Hofes ist die Rinderzucht. Den Verkauf regionaler Produkte betrachten die Landwirte als Werbung in eigener Sache. „Die Leute sollen sehen, wie gut unsere einheimischen Produkte sind. Und wir wollen ein Gefühl dafür wecken, dass Qualität ihren Preis haben muss“, erklärt der Chef. Er hat so manche Zukunftspläne. „Doch wir trauen uns kaum noch zu investieren - wegen der ungewissen Politik“, sagt er. Für sich und seine Kollegen wünscht er, dass der Wert ihrer Arbeit wieder anerkannt wird.

Vor zwei Jahren, als die Milchpreise extrem im Keller waren, hätten sie sogar ans Aufgeben gedacht. Doch ihr Hof, auf dem seit mehr als 400 Jahren Rinder gezüchtet werden,  sei ohne Tiere einfach nicht vorstellbar gewesen, erinnert sich seine Frau. Deshalb hätten sie beschlossen, aktiv zu werden. „Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen.“ Der Milch- und Lebensmittelverkauf sei eine gute Gelegenheit, so Simone Jermis.

Früher war sie Drogistin mit eigenem Geschäft. Als Bäuerin beginnt ihr Tag um 3.30 Uhr. Das sei manchmal anstrengend, aber  schön. „Es gibt nicht ein Tier auf dem Hof“, das ich nicht selbst großgezogen habe“, beschreibt sie die Verbundenheit, die die Eltern bereits an die Kinder weitergeben. Sohn Hermann (17) macht eine Ausbildung auf dem Milchgut Görlsdorf, Konrad hat wie sein Bruder schon Preise im Jungzüchterverein des Rinderzuchtverbandes Berlin-Brandenburg gewonnen. Und wenn ein Kälbchen dem Jungen wie ein Hund beim Spaziergang folgt, dann lebt die Hoffnung, dass auch die sechste Rinderzüchter-Generation auf dem Hof noch eine Zukunft haben wird.

Mehr Infos gibt es im Internet unter lzb-lühmann.de

Simone Jermis am neuen Automaten. Die regionalen Erzeugnisse werden ständig neu nachgefüllt.
Simone Jermis am neuen Automaten. Die regionalen Erzeugnisse werden ständig neu nachgefüllt. FOTO: Carmen Berg / LR