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Prierower Natur unter der Lupe

Das Naturschutzgebiet Prierow ist eines von mehreren Tausend Schutzgebieten, das in das Netzwerk "Natura 2000" aufgenommen wird.
Das Naturschutzgebiet Prierow ist eines von mehreren Tausend Schutzgebieten, das in das Netzwerk "Natura 2000" aufgenommen wird. FOTO: K. Pahl
Prierow. Im Naturschutzgebiet rund um Prierow wird in den kommenden Monaten fleißig fotografiert, analysiert und kartiert. Wissenschaftler erstellen Pläne, um das Gebiet dauerhaft zu schützen. Daniel Friedrich

Wenige Meter von der Bundesstraße 115 bei Prierow entfernt, teilen sich Grasfrosch, Lederblümchen und Eisvogel ihren Lebensraum. Hier, zwischen dem Wasserlauf der Dahme und jahrzehntealten Auenwäldern hat sich in der Vergangenheit ein besonders schützenswertes Biotop entwickelt. Um die Tier- und Pflanzenwelt auch weiterhin zu schützen, müssen alle EU-Staaten regelmäßig ihre Vogelschutz- und Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH) ausweisen. Sie werden im europäischen Schutzgebietsnetz "Natura 2000" erfasst, um Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt abzustimmen. Dabei handelt es sich um das größte Schutzgebietssystem der Welt mit mehr als einer Million Quadratkilometer Fläche, das sind rund 18 Prozent der EU.

Seit einigen Wochen sind auch im Naturschutzgebiet (NSG) "Prierow bei Golßen" Mitarbeiter des Naturschutzfonds Brandenburg unterwegs. Ihr Ziel ist es, einen Managementplan zu erstellen - ein eher theoretisches Konstrukt, das alle potenziellen Schutz- und Bewirtschaftungsmaßnahmen aufzählt.

"Wir beschreiben zunächst das Gebiet, stellen dann die Lebensraumtypen und ihre Arten dar und bewerten den Erhaltungsgrad", sagt Kerstin Pahl, die das Natura 2000-Projekt bei Prierow betreut. Schließlich entstehe ein Maßnahmenplan, der für Naturschutzbehörden verbindlich ist. "Es geht uns nicht darum, neue Verbote zu erlassen. Holzeinschlag ist beispielsweise nach wie vor im Rahmen der bekannten Verordnungen möglich", stellt sie klar. Vielmehr solle untersucht werden, welche schützenswerten Lebensräume es in dem seit 1981 bestehenden Naturschutzgebiet gibt. "Wir wollen dazu mit den Anwohnern ins Gespräch kommen und uns über die Ergebnisse austauschen", betont Kerstin Pahl. Neben Bürgerversammlungen soll es ab Herbst auch Einzelgespräche mit betroffenen Landeigentümern geben. Zudem plant der Naturschutzfonds Brandenburg Exkursionen durch das 56,5 Hektar große Gebiet. Bis 2019 soll das Projekt rund um Prierow abgeschlossen sein, bis 2020 wird ein weiteres FFH-Gebiet "Urstromtal bei Golßen" analysiert.

Die Umsetzung der im Managementplan aufgeführten Maßnahmen obliegt dem Land Brandenburg - vorausgesetzt, die EU stellt dazu dereinst Fördermittel bereit.

Weitere Informationen zum FFH-Gebiet "Prierow bei Golßen" unter:
http://www.natura2000-brandenburg.de/projektgebiete/dahme-spreewald/prierow-bei-golssen/