Von Anja Brautschek

Bei Golßen denken Auswärtige oftmals zuerst an die Spreewaldgurke. Anwohner selbst sehen es als „kleine, aber feine Stadt“. So steht es zumindest auf der Internetseite von Golßen. Doch wie könnte der Tourismus in Golßen und Umgebung weiter in Schwung kommen? Darüber haben Touristiker, Politiker und Anwohner kürzlich in einem Bürgerdialog gemeinsam diskutiert.

„Der Stadt tut es gut, belebt zu werden“, sagt Ulrike Steuk. Gemeinsam mit Käserin Annick betreibt sie einen Milchschafhof in Landwehr und hat auf dem Hof unter anderem auch eine Ferienwohnung. „Was fehlt, ist ein Wegweiser für Besucher“, sagt sie. Den Feriengästen fehle es an Orientierung in der Stadt. Einen Flyer gibt es nicht. Auch auf der Internetseite gibt es derzeit kaum einen Überblick über Restaurants, Übernachtungsmöglichkeiten oder touristische Angebote. Eine Übersicht der Zimmervermietungen, die im Bürgerbüro ausliegt, ist vor zwei Jahren zuletzt aktualisiert worden und veraltet. „Es fehlt ein zentraler Anlaufpunkt, bei dem Besucher ähnlich einer Tourist-Info alle Infos erhalten“, stimmt auch Heinz Brzezinski zu. Er vermietet selbst Zimmer und hat für Gäste Rad- und Amtskarten zur besseren Orientierung parat.

Doch wie könnte so etwas organisatorisch in der Stadt gestemmt werden? Ein wichtiger Baustein soll dazu angegangen werden: Die Internetpräsenz von Golßen wird überarbeitet und moderner gestaltet. Über die genauen Inhalte diskutieren die Mitglieder des Bildungs-, Jugend-, Kultur- und Sportausschusses in ihrer heutigen Sitzung (ab 19 Uhr) im Rathaus. Touristiker wünschen sich dabei vor allem auch eine bessere Vernetzung von Ferienwohnungen, Hotels und Pensionen sowie der Umgebung. „Das Internet ist heutzutage in der Regel der erste Anlaufpunkt. Dort informieren sich Touristen umfassend über den Ort“, sagt Steffen Glombitza (GfG).

Golßens Radtouristen fehlt es an Orientierung

An Gästen mangele es in Golßen kaum. Rund 20 000 Übernachtungen verzeichnet die Stadt laut eigenen Angaben pro Jahr. Vor allem der Rad-Tourismus ziehe viele Besucher in die Stadt. Denn in Golßen enden gleich vier Radwege. Herausforderung ist es dabei, die Durchreisenden länger in der Stadt zu halten. Dazu fehle es an ausreichenden Beschilderungen. Viele Besucher kehren zuerst auf dem Marktplatz als zentralem Anlaufpunkt ein. „Golßen ist viel mehr als der Marktplatz“, sagt Michael Bock (GfG). Vor allem das Schloss mit seinem Schlosspark ist eine Attraktion. „Auch eine Vernetzung mit Nachbarorten wie Kasel-Golzig oder Krossen bietet sich an. So viele Parks in der Region – das ist schon einzigartig“, sagt er. Zugleich bringt er auch einen stummen Stadtführer ins Gespräch. Über Hinweisschilder oder Flyer könnten verschiedene Aspekte der Stadt – Historie, Wirtschaft, Kultur oder Kinder-Angebote – beleuchtet werden.

„Wir sind touristisch noch nicht da, wo wir eigentlich sein könnten“, ergänzt Jens Kolan (UBL). Großer Knackpunkt ist dabei besonders die Infrastruktur der Region. Nicht nur Geh- und Radwege in der Stadt sind mitunter in schlechtem Zustand. Auch die Anbindung mit Bus und Bahn erschwert eine touristische Entwicklung. „Radfahrer sind eine wichtige Zielgruppe, denn sie sind bereits da“, stimmt auch Bürgermeisterin Daniela Maurer zu.

Golßen will Kultur- und Freizeitangebote ausbauen

Sie sieht als weiteren Baustein, Kultur- und Freizeitangebote Stück für Stück aufzubauen. Die vielen Vereine der Stadt sorgen bereits für ein abwechslungsreiches Portfolio, es mangele jedoch oft an der Bekanntheit. Auch für Jugendliche fehle es an Angeboten. Der Jugendclub ist versteckt im Hinterhof, einen Bolzplatz gibt es nicht.

„Mit dieser Liste an Aufgaben sind wir in den kommenden Jahren beschäftigt“, fasst Daniela Maurer das Ergebnis des ersten Bürgerdialogs zusammen. Mit der Überarbeitung der Internetpräsenz ist demnächst ein erster Schritt gemacht, um den Tourismus  anzukurbeln. Auch Touristiker wollen sich zusammensetzen, um eine gemeinsame Übersicht der Übernachtungsangebote zu erarbeiten, die zentral am Markt platziert werden könnte.

Künftig will die Bürgermeisterin weitere Bürgerdialoge zu anderen Themen anregen.