Von Liesa Hellmann

An der Pinnwand hängen Fotos von Kängurus aus Stroh, von Sonnenuntergängen, Kirchen und Alleen. Auch wenn die Motive auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben, so eint sie doch ein Aspekt: Für die Personen, die sie mitgebracht haben, drücken sie Heimat aus. Weg von der politischen Deutung und stattdessen eine Fokussierung auf Heimat als Gefühl – diesen Ansatz haben die Golßener Pfarrerin Alina Erdem und Andrea Weigt vom Projektraum Drahnsdorf für ihre Podiumsdiskussion am Montagabend im Gutshaus Drahnsdorf gewählt. „Wir wollen keine Definitionen oder letzte Antworten geben“, sagt Alina Erdem. „Indem wir uns dem Gefühl zuwenden, wollen wir gemeinsamen Boden finden. Denn es ist wichtig, im Gespräch zu bleiben“, fügt Andrea Weigt hinzu.

Im Podiumsgespräch zeigt sich schnell, wie unterschiedlich die Gäste je nach ihrem persönlichen und beruflichen Hintergrund Heimat definieren. Für Stephan Loge, Landrat im Dahme-Spreewald-Kreis, hat der Begriff im Laufe seines Lebens eine Wandlung erfahren. „In der Kindheit waren das Zuhause und meine Familie die Heimat, heute ist meine Heimat da, wo ich mich wohlfühle. Das bindende Gefühl geben mir die Menschen.“ Die Leiterin des Niederlausitz-Museums in Luckau, Marina Gadomski, beschäftigt sich auch beruflich mit dem Heimatbegriff. Sie betont den räumlichen Aspekt des Wortes: „Heimat entsteht aus der Wechselwirkung von Menschen und Orten. Es sind Plätze, die man sich zum Wohnen, Zusammenkommen, aber auch zum Alleinsein schafft. Und es muss die Möglichkeit zur Weiterentwicklung geben.“

 Heimat ist nicht unbedingt dort, wo man geboren ist. Das macht Carsten Saß, Beigeordneter und Dezernent für Soziales, Jugend, Gesundheit und Kultur im Landkreis, deutlich. Als gebürtiger Mecklenburger hat es ihn beruflich in den Spreewald verschlagen. Er betont, dass Heimat auch eine Entscheidung sein kann. „Wenn man mit einem Bein woanders steht, fällt einem das Zugehörigkeitsgefühl nicht leicht. Wir haben uns bewusst entschieden, uns im Spreewald zu Hause zu fühlen.“

Damit dies gelingen könne, müsse man aber in der neuen Heimat auch willkommen sein, fügt Mathias Koch von der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises hinzu. „Man schlägt nicht überall Wurzeln, der Boden muss auch passend sein.“ Koch kümmert sich um „Brennpunkte der Identifikation“, wie er selbst zu Denkmälern sagt. Er möchte, gemeinsam mit den Menschen vor Ort, historische Gebäude erhalten, damit auch nachfolgende Generationen dort „Erinnerungen produzieren können“.

Die Wichtigkeit von Orten für ein Gefühl von Heimat bestätigt auch Michael Freitag aus Altgolßen. Gemeinsam mit seinem Verein „Dorfgemeinschaft Altgolßen“ will er den Bewohnerinnen und Bewohnern des Dorfes einen Raum geben, an dem sie zusammenkommen können. Er will „Kindheitserinnerungen für die heutigen Kinder schaffen“, denn eines zeigt sich bei allen Beiträgen ganz deutlich: Die Erinnerung ist ein wichtiger Bestandteil des Heimatgefühls.

Während viele Gäste Heimat als inneres Gefühl betonen, bringt Dorothea Angel vom Forum Ländlicher Raum eine andere Sichtweise in die Diskussion ein. „Ich bin oft umgezogen und hatte nie ein Heimatgefühl gehabt. Mir wird aber oft von außen gespiegelt, dass ich nicht aus Brandenburg komme. Das stärkt nun ein inneres Heimatgefühl, das ich nie hatte.“ Diesen Eindruck teilen vereinzelt Zugezogene aus dem Publikum, andere betonen, dass sie in ihre Dorfgemeinschaften gut aufgenommen wurden und sich hier heimisch fühlen. Aus dem Publikum wird auch daran erinnert, dass der Heimatbegriff politisch instrumentalisiert wurde und wird. Trotz eines einzelnen  Einwurfes aus der nicht nur im übertragenen Sinn hintersten rechten Ecke sind sich die Anwesenden überwiegend einig, dass „Heimat kein abgeschlossener Bereich ist“, wie es ein Zuhörer ausdrückt. „Man muss auch andere in die Heimat aufnehmen können.“