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| 18:00 Uhr

Gelebte traditionen
Von Hand gerührt für den besonderen Geschmack

In zehn riesigen Kesseln wurde der Pfalumenmus von den Mehlsdorfern stundenlang per Hand gerührt.
In zehn riesigen Kesseln wurde der Pfalumenmus von den Mehlsdorfern stundenlang per Hand gerührt. FOTO: Benjamin Wepprich
Mehlsdorf. Mehlsdorfer laden zum 7. Mal zum Pflaumenmusfest. Von Benjamin Wepprich

Sprichwörtlich in aller Munde war das Plaumenmusfest am Samstag in Mehlsdorf. Bereits zum siebten Mal luden die Mehlsdorfer zum gemeinsamen Erleben und Probieren ein. „Wir sind die Verrückten vom Dorf. Um kurz nach 7 Uhr haben wir bereits mit dem Einkochen angefangen“, sagte Monika Hannemann vom Traditionsverein Wolfenstein Mehlsdorf e.V.

Angefangen heißt, dass zehn riesige Waschkesselöfen, bis zum Rand gefüllt mit frischen Pflaumen, langsam erhitzt und permanent mit einer aus Holz gezimmerten Muskrücke umgerührt werden.

„Die nächsten sieben bis acht Stunden muss das Mus bewegt werden und immer gleichmäßig rühren, damit nichts anbrennt, erklärte Minka Hannemann. Regelmäßig wird das Rührpersonal gewechselt, da es sichtlich sehr anstrengend ist, das große Rührgerät in gleichmäßigen Bewegungen, dicht an der mit Lindenholz betriebenen Feuerstelle per Hand zu bedienen.

Pünktlich zur Mittagszeit füllte sich der Veranstaltungsplatz von Mehlsdorf: Frisch gebackenes Brot mit einer roschen Kruste, allerlei Gekochtes aus der Kanone und vom Grill sowie frisch gebackenen Kuchen gab es für die Gäste.

Neben dem allgegenwärtigen Treiben rund ums Pflaumenmus präsentierten sich weitere Heimat- und Traditionsvereine aus der Umgebung. „Wir sind heute hier her gekommen, um die Tradition des Klemmkuchenbackens fortzuführen“, erläuterte Monika Könitz von der Trachtengruppe Knippelsdorf. Nach einer kurzen Besichtigung der 352 Jahre alten Kirche ging es zurück zum Festplatz, wo inzwischen die „Lustigen Musikanten aus Seyda“ aufspielten“. Im Takt und Wechselschritt, wie bei einer eingespielten Rudermannschaft auf Wettfahrt, wurde in den Kesseln derweilen weitergerührt. „Die Gäste können auch mal mit rühren“, sagte Annette Jahn vom Verein. Wer sich dem Spaß stellte, wurde mit einem schmackhaften Birnenlikör belohnt.

Rund eine Tonne frische Pflaumen fanden zum Pflaumenmusfest nach und nach ihr leckeres, aber dennoch jähes Ende in den Kesseln. „Die Pflaumen sind hier aus der Region und das Mus ist pure Natur. Da ist nichts weiter drin als die Pflaume. Kein Zucker oder sonst etwas“, erklärte Dietmar Bucke als Vereinsvorsitzender. Über 40 Helfer haben die Pflaumen seit Freitag entsteint

Entstanden ist die Idee zum Pflaumenmusfest von seiner Ehefrau. Sie kochte allein zu Hause und dachte sich, auf der Suche nach Gesellschaft: „irgendwo im Dorf kocht doch sicherlich auch noch jemand Pflaumenmus.“ Inzwischen hat es sich weit herum gesprochen, dass zu diesem Event viele Pflaumen benötigt werden. Es rufen mitlerweile Bürger an und erfragen, ob jemand zum Pflücken vorbei kommen kann.

Fertig ist das Pflaumenmus, wenn es richtig steif ist, also beim Löffeltest der Kochlöffel im Mus stehen bleibt. Da nur Pflaumen verarbeitet werden schmeckt das Mus jedes Jahr etwas anders. Letztendlich musste das fertige Produkt stark rationiert werden, damit möglichst viele in den Genuss kommen. Viele Besucher sind nicht zum ersten Mal dabei und verfolgen das besodnere Treiben seit vielen Jahren. Aus der ganzen Region, sogar bis aus Berlin zieht es die Gäste in den Dahmer Ortsteil.