ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:42 Uhr

Pfarrerpaar Strauch sagt Luckau Ade

Die imposante Nikolaikirche mit mehr als 1000 Plätzen war für mehr als acht Jahre Wirkungsstätte von Kerstin und Volker Strauch.
Die imposante Nikolaikirche mit mehr als 1000 Plätzen war für mehr als acht Jahre Wirkungsstätte von Kerstin und Volker Strauch. FOTO: be
Luckau. Im Luckauer Pfarrhaus werden die Umzugskisten gepackt. Nach gut acht Jahren im Dienst sagt das Pfarrerehepaar Kerstin und Volker Strauch der Gartenstadt Ade. Ihren künftigen Wirkungskreis haben beide in einer Stadtgemeinde im rheinland-pfälzischen Pirmasens, Volker Strauchs Heimat. Carmen Berg

Es ist ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Wir haben in Luckau Freundschaften geschlossen, unsere Kinder sind hier aufgewachsen. Die Stadt wird immer ein wichtiger Teil unseres Lebens bleiben", sagt Kerstin Strauch. Zugleich aber freuen sich beide auch, wieder näher bei den Eltern, der Familie arbeiten zu können. "Uns haben 700 Kilometer getrennt. Besuche waren mit großem Aufwand verbunden und deshalb selten", erzählt Volker Strauch. Als sich die Gelegenheit bot, in die alte Heimat zurückzugehen, hätten sie deshalb zugegriffen.

Reichlich acht Jahre war das Paar in Luckau: Kerstin Strauch als Pfarrerin der Nikolaigemeinde mit der Kernstadt und sechs Dörfern, Volker Strauch als Gemeindepfarrer für den Sprengel Görlsdorf mit zehn Dörfern. In Erinnerung behalten werden sie Luckau als einen schönen Flecken Erde mit liebenswerten Menschen sowie die vielen großen und kleinen Ereignisse, die sie gemeinsam mit ihren Gemeinden erlebten.

Erinnerungen bleiben

Kerstin Strauch nennt stellvertretend die Heimkehr der Bronzeglocke von St. Nikolai, nachdem eine beispiellose Spendenaktion die Restaurierung ermöglicht hatte, den Umbau des Pfarrhauses, wo ein eigener Bereich für die Christenlehrekinder entstand, oder auch das Luther-Spiel in der Altstadt alljährlich zum Reformationstag, das die beiden Seelsorger zusammen mit anderen engagierten Akteuren aus der Taufe hoben. "Wenn die Leute jetzt sagen, Luthers gehen, so spricht das für die große Außenwirkung, die wir mit dem Festspiel erreichen konnten", so Kerstin Strauch. Bei dieser und anderen Gelegenheiten habe sich eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt bewährt. "Das ist längst nicht überall so", sagt sie.

Einen besonderen Platz in den Erinnerungen werde die Christmette behalten, die in der Nikolaikirche am Morgen des ersten Feiertages nach mittelalterlichem Ritus begangen wird. "Ein Weihnachten ohne Christmette wird mir seltsam vorkommen", gibt die Pfarrerin zu.

Beide seien dankbar für die Erfahrungen, die sie aus Luckau mitnehmen werden, ergänzt Volker Strauch. In Pirmasens werden sie gemeinsam eine von drei Innenstadt-Gemeinden betreuen und für weitaus mehr Gemeindemitglieder zuständig sein als hier. Am 1. Februar treten sie in Rheinland-Pfalz ihren Dienst an. Ende Januar rollen die Umzugswagen.

So geht es in Luckau weiter

Die vakanten Pfarrstellen für Luckau und Görlsdorf werden noch im Januar von der Landeskirche neu ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endet am 20. Februar. Falls der erste Anlauf nicht erfolgreich sei, werde eine erneute Ausschreibung nötig, erklärt Volker Strauch. "Wir wünschen uns für die Gemeinden hier sehr, dass sich geeignete Bewerber finden", sagt Kerstin Strauch. Für sie sei es damals ein Glücksfall gewesen, gemeinsam in einer Region Stellen zu bekommen. Solche Chancen waren rar. Doch die personelle Situation habe sich verändert. "Inzwischen gibt es mehr freie Pfarrstellen als Bewerber. Zudem gehen in den nächsten Jahren viele weitere Pfarrer in den Ruhestand, und ausreichend junge Nachrücker fehlen", so die Seelsorgerin.

Während der Vakanzzeit wird Thomas Köhler aus Lübben, der Superintendent des Kirchenkreises Niederlausitz, die Amtsgeschäfte für den Luckauer Arbeitsbereich von Kerstin Strauch weiterführen. Ansprechpartner für Volker Strauchs Kirchsprengel Görlsdorf ist der Langengrassauer Pfarrer Frank Gehrmann. In der Nikolaikirche sollen wie gewohnt sonntags um 10 Uhr Gottesdienste gehalten werden. Auch Gottesdienste in den Landgemeinden sowie die Andachten im Seniorenheim werde es weiter geben. Pfarrerkollegen aus dem Umland haben Unterstützung signalisiert. Im Luckauer Pfarrhaus ist Gemeindesekretärin Constanze Ernst ab Februar täglich erreichbar und leitet Fragen und Anliegen der Gemeindemitglieder weiter. Um die fünf Seniorenkreise, den Gemeindetreff in Luckau und den Schlabendorfer Gemeindekreis wird sich Katechetin Brigitte König aus Biebersdorf kümmern, kündigt Kerstin Strauch an.

Zu den großen Vorhaben in Vorbereitung auf den 500. Jahrestag der Reformation im Oktober gehört die Restaurierung historischer Pastorenbilder aus der Nikolaikirche. "Gemeinsam mit der Stadt sind die Vorbereitungen getroffen und Anträge auf den Weg gebracht. Eine Arbeitsgruppe begleitet das Projekt", sagt Kerstin Strauch. Sie geht fest davon aus, dass die feierliche Rückführung der restaurierten Bilder wie geplant am 31. Oktober erfolgen kann und dass auch das beliebte Luther-Spiel dann erneut aufgeführt wird. "Wir haben das nicht allein bewerkstelligt, es ist ein Gemeinschaftswerk vieler Menschen, deren Herz daran hängt", ergänzt Volker Strauch.

Ein Wunsch zum Abschied

Zum Abschied dankt das Pfarrerehepaar den Kirchgemeinden "und allen Menschen, die uns gefördert haben, für die schöne Zusammenarbeit". Kerstin Strauch fügt den Wunsch an, dass die Luckauer "unsere Nachfolger so herzlich willkommen heißen wie uns damals, und dass sie sie genau so gut unterstützen".

Zum Thema:
Seit November 2008 waren Kerstin und Volker Strauch in Luckau tätig. Während eines Gottesdienstes am Sonntag, 15. Januar, um 14 Uhr, in der Nikolaikirche wird das Seelsorgerpaar aus dem Dienst in der Gartenstadt verabschiedet. Bei einem kleinen Empfang anschließend in der Kulturkirche sollen Freunde und Weggefährten darüber hinaus Gelegenheit haben, in persönlichen Worten Ade zu sagen.