Der Sperrmüll ist aussortiert, die Kisten sind gepackt. An den meisten Türen von Almut Leschkes Mobiliar hängen kleine Zettel mit der Aufschrift „leer“ . Almut Leschke sitzt auf gepackten Koffern. Nach 25 Jahren in Fürstlich Drehna will die 50-Jährige noch einmal durchstarten.
1980 waren die Leschkes nach Fürstlich Drehna gekommen. „Mein Mann hatte eine ganze, ich eine halbe Pfarrstelle erhalten“ , erklärt Almut Leschke. Eine schöne Zeit sei es gewesen, die selbstverständlich neben Höhen auch Tiefen gehabt habe. Für knapp 600 Gläubige in Babben, Gahro, Drehna, Crinitz und Weißack ist Almut Leschke die ganzen Jahre über Ansprechpartnerin und Seelsorgerin gewesen. „Die Kirchenältesten und auch Vereinsmitglieder haben mir immer zur Seite gestanden“ , sagt sie. „Ich habe sehr viele Freunde gefunden, sonst hätte ich die Zeit hier nicht überstanden.“ Alle Aufgaben seien immer auf breiten Schultern mit Erfolg gelöst worden. Die gebürtige Mecklenburgerin will diese Zeit nicht missen. Aber nach der Scheidung von ihrem Mann sind auch wirtschaftliche Zwänge der Grund, weshalb sie die Gemeinde verlässt und einen Neuanfang wagt. „Mit einer halben Stelle kann ich nicht das bezahlen, was ich zum Leben brauche“ , erklärt sie. Als Pfarrerin in Papitz hat ihr die Kirchenleitung eine ganze Stelle zugesagt. „So Gott will“ will sie dort bis zu ihrer Pensionierung bleiben. Etliche Begegnungen mit Kirchengliedern aus der neuen Region hätten ihr Hoffnung gemacht, gut aufgenommen zu werden. „Aber der Abschied von den Menschen hier fällt mir unheimlich schwer“ , gesteht sie ein.
„Es war ein Prozess, in dem wir alle voneinander gelernt haben“ , sagt Lothar Krüger mit Blick auf die zurückliegenden Jahre. Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates weiß, dass die Leschkes damals kein leichtes Erbe anzutreten hatten. Ihr Vorgänger Pfarrer Rudolf Schulz hatte 35 Jahre in Fürstlich Drehna gewirkt und war sehr beliebt gewesen. Die beiden jungen Pfarrer hatten damals neue Ideen, mit denen ältere Kirchenglieder anfangs nicht zurechtgekommen seien, sagt Krüger. Beide Seiten seien schließlich aufeinander zugegangen, was im Ort deutliche Spuren hinterlassen habe. So engagierte sich Pfarrerin Almut Leschke für den Erhalt der Grundschule in Crinitz und für die Sanierung der Kirche in Fürstlich Drehna.
„Wir sind fast so etwas wie eine Gemeinde der Zukunft“ , so Krüger weiter. Die Zeiten, wo jedes Dorf einen Pfarrer und einen Gemeindekirchenrat hatte, seien schon lange vorbei. Krüger steht dem Kirchenrat vor, der Crinitzer, Drehnaer und Babbener vereint. „Auch das ist ein Verdienst von Almut Leschke, die fortgesetzt hat, was Schulz begonnen hatte.“ Die Leute seien mobiler geworden, betont er. Sie fahren eben dorthin, wo die Gottesdienste stattfinden.
Die Pfarrstelle in Drehna wird kaum neu zu besetzen sein, ist auch Krüger überzeugt. Pfarrer Werner Hainsch aus Göllnitz wird nach dem Wechsel von Almut Leschke die Vakanz in Fürstlich Drehna übernehmen. „Wir werden auch bei Pfarrern im Ruhestand nachfragen, ob sie bei uns die Gottesdienste halten oder sie notfalls auch selbst übernehmen müssen“ , erklärt Krüger.

Zum Thema Dankgottesdienst
 Mit einem Dankgottesdienst verabschiedet sich Pfarrerin Almut Leschke am Sonntag von der Kirchengemeinde. Ab 14 Uhr spricht sie von der Kanzel des Gotteshauses in Fürstlich Drehna. Anschließend ist ein gemeinsames Kaffeetrinken geplant.