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| 15:05 Uhr

Aus den Kirchen
Pfarrer Link schenkt Luckau Zeit

Dr. Hans-Georg Link, pensionierter Seelsorger aus Köln, hat vom Luckauer Pfarrgarten die Nikolaikirche im Blick, die für drei Wochen seine Wirkungsstätte ist.
Dr. Hans-Georg Link, pensionierter Seelsorger aus Köln, hat vom Luckauer Pfarrgarten die Nikolaikirche im Blick, die für drei Wochen seine Wirkungsstätte ist. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Pensionierter Seelsorger aus Köln kehrt als Urlaubsvertreter zurück zu seinen Wurzeln. Von Carmen Berg

Drei Wochen leistet Dr. Hans-Georg Link aus Köln über die Evangelische Zehntgemeinschaft ehrenamtlich Seelsorge in der Nikolaigemeinde. Er übernimmt die Urlaubsvertretung für Pfarrer Martin Meyer. Wenngleich der knapp 80-Jährige zum ersten Mal in der Gartenstadt ist, so ist dieser Hilfsdienst für ihn doch in gewisser Weise eine Rückkehr zu seinen Wurzeln.

Er ist in Ostdeutschland aufgewachsen, in einem kleinen Dorf in der Nähe von Magdeburg. „Die Dörfer mit ihren Feldsteinkirchen, die Getredefelder - all das ist mir noch lebhaft in Erinnerung“, sagt er. Später hat es ihn mit der Mutter nach Essen verschlagen, er studierte Theologie, war zunächst Lehrer an einem Gymnasium, bevor er mit Mitte 30 in Köln Gemeindepfarrer wurde. Allerdings nur sechs Jahre lang. „Die Zeit war zu kurz“, bedauert  er. Denn die Arbeit an der Basis habe ihm viel Freude gemacht. In seinem Pfarrbezirk gab es viele Schulen und Kitas. „Wir hatten rund 100 Konfirmanden. Gemeinsam mit Eltern und Lehrern haben wir an den Wochenenden mit den Jugendlichen tolle Sachen gemacht“, blickt er zurück.

1980 bekam er das Angebot, beim Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf tätig zu werden. „So eine Chance kommt nur einmal, die schlägt man nicht aus“, sagt Hans-Georg Link. Nach sieben Jahren in der Schweiz kehrte er mit der Familie nach Köln zurück, wo er mehr als 20 Jahre als Okumenepfarrer zuständig  für die Beziehungen zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche war. Er brachte unter anderem Gemeindepartnerschaften auf den Weg, die beispielgebend wurden für andere Regionen. So wurden Arbeitsgruppen gegründet, Verträge zu ganz konkreten Projekten geschlossen.

Dem Aufgabenfeld blieb er als Ruheständler treu und leitet bis heute die Internationale Ökumenische Vereinigung, die in zahlreichen Ländern Europas aktiv ist. Zu den Höhepunkten gehören alle zwei Jahre internationale Tagungen, die letzte fand im Vorjahr anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums in Wittenberg statt. Dass er Pensionär ist, merke er kaum, schmunzelt Hans-Georg Link. „Ich habe oft Zwölf- bis 16-Stunden-Tage.“

Obwohl gut ausgelastet, habe es ihn gereizt, als der durch Zufall von der Zehntgemeinschaft erfuhr, die vor allem in Gemeinden in den neuen Bundesländern Unterstützung gibt.. „Meine Frau Barbara stammt aus Berlin, und wir hatten uns nach der Wende schon mit dem Gedanken getragen, in den Osten zu gehen“, sagt er. „Doch nach dem Mauerfall waren unsere Kinder noch in der Schule, so dass wir uns den Wunsch jetzt erst erfüllen können“, so der Seelsorger.

Für die Eheleute ist Luckau nach Potsdam, Stendal und Pfarrer Links Heimat bei Möckern die vierte Station. Beeindruckt sei er von der Nikolaikirche, die für so eine kleine Stadt gewaltig sei und vom unversehrt erhalten gebliebenen historischen Stadtkern: „Luckau hat ein Gesicht“, sagt der Gastpfarrer. Seine Tage sind ausgefüllt mit Gemeindenachmittagen, Besuchen in Altenheimen und zu runden Geburtstagen, Vorgesprächen zu mehreren Taufen, die er abhalten wird, sowie der Vorbereitung der Gottesdienste an den Sonntagen in der Nikolaikirche und in den Dorfkirchen des Sprengels. Doch für die Abendstunden nehmen sich Hans-Georg und Barbara Link kleine Ausflüge vor, um die Region kennenzulernen. So seien sie schon mit dem Fahrrad die Stadtmauer entlang geradelt, im Schlosspark von Fürstlich Drehna sowie zum Schwimmen in Bornsdorf gewesen. Unbedingt auf dem Zettel haben beide auch das Niederlausitz-Museum mit seiner Gefängnisausstellung. „Kaum vorstellbar, dass die schönen Gebäude früher eine Justizvollzugsanstalt waren“, sagt der Pfarrer. Er fühle sich wohl in der Gartenstadt, wo die Leute sich auf der Straße noch grüßen.  „Man spürt hier eine intakte Gemeinschaft“.