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| 13:16 Uhr

Luckau
Junger Chef an Traditionsschule

 Peter Guhra ist der neue Chef am Luckauer Bohnstedt-Gymnasium. Er nennt es ein Haus mit starken Wurzeln, das er in eine gute Zukunft führen will.
Peter Guhra ist der neue Chef am Luckauer Bohnstedt-Gymnasium. Er nennt es ein Haus mit starken Wurzeln, das er in eine gute Zukunft führen will. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Peter Guhra leitet in Luckau das älteste Gymnasium Brandenburgs.

Der 36-jährige Peter Guhra leitet seit diesem Schuljahr das älteste Gymnasium Brandenburgs in Luckau. Auf mehr als 200 Jahre blickt die Schule zurück, die den Namen des ehemaligen Lehrers und Naturkundlers Reinhold Bohnstedt trägt. Peter Guhra vergleicht sie mit einem Baum mit starken Wurzeln. Jetzt gehe es darum, die Krone für die nächsten Jahre zu erschließen, beschreibt er die Herausforderung.

Dass ihn sein beruflicher Werdegang nach Luckau verschlug, nennt der gebürtige Cottbuser eine glückliche Fügung. Nach dem Studium in Dresden, Referendariat in Stralsund und acht Jahren Tätigkeit in Berlin zog es ihn in die Heimatregion zurück. Er habe in der Hauptstadt ein gutes Gymnasium mit tollen Kollegen aus privaten Gründen verlassen. Für die junge Familie mit einer kleinen Tochter sei die Großstadt keine Option. „Es ist schwierig, dort eine Niesche zu finden für ein Leben, wie wir es uns vorstellen“, so Peter Guhra. In Luckau sei er offen aufgenommen worden und habe eine Schule vorgefunden, die gut funktioniert. „Jeder weiß, was er zu tun hat und bringt sich ein.“

479 Jugendliche von der 7. bis zur 12. Klasse drücken am Bohnstedt-Gymnasium die Schulbank. Sie kommen auch aus den Nachbarkreisen Oberspreewald-Lausitz und Teltow-Fläming. Die Tradition werde gepflegt. So wurden erst jüngst die Sieger im Bohnstedt-Schülerwettbewerb geehrt. Ehemalige Gymnasiasten werden einmal im Jahr zu Treffen eingeladen, und für die neuen Siebentklässler organisiert der Schul-Förderverein Willkommensfeste.

Doch vor allem zählt für Peter Guhra, dass die Gymnasiasten gut ausgerüstet ins Leben gehen. In Berlin hatte er mit Kollegen eine Berufs- und Studienorientierung neu etabliert, in Luckau laufe dieser Fachbereich bereits seit Jahren hervorragend. Mehrfach ist das Gymnasium dafür ausgezeichnet worden. Das Konzept umfasse viele Bausteine. Veranstaltungen mit externen Trägern, Betriebspraktika, regelmäßige individuelle Beratungen durch die Agentur für Arbeit etwa gehören dazu. „Die Berufswelt hat sich verändert. Nicht mehr alle gehen nach dem Abitur direkt zum Studium. Es gibt viele Formen von Bildungswegen“, sagt Peter Guhra. Den Schülern zu helfen, für sich das Passende zu finden, werde auch künftig am Gymnasium ein Schwerpunkt sein.

Wer in einer immer globaleren Berufswelt bestehen will, braucht Fremdsprachen. Neben Englisch wird in Luckau Französisch und Spanisch unterrichtet, Sprachkurs-Fahrten sowie Schüleraustausche inklusive. „Zusätzlich im Angebot ist Latein – eine Voraussetzung beispielsweise für medizinische Wissenschaften“, sagt Peter Guhra. Erkennbare Akzente zu setzen sei wichtig. Doch das Bohnstedt-Gymnasium soll eine allgemeinbildende Schule bleiben. Es mache wenig Sinn, die Orientierung zu eng zu fassen.

Das Gymnasium hat seine Klassen immer wieder auch für Schüler mit Handicaps geöffnet. Die Inklusion werde weiter an Bedeutung gewinnen. „Es geht darum, die Balance zu schaffen zwischen der Leistungsbewertung, die für jeden Gymnasiasten gilt, und der individuellen Situation, mit der differenziert gearbeitet werden muss“, so der Schulleiter.

Sein Tipp für die Berufswahl: „Tun, was man gern macht.“ Ihm selbst hätten viele von seiner Studienrichtung abgeraten, sie sei nicht zukunftsträchtig, erzählt der Lehrer für Geografie und Geschichte. „Doch wer gut ist, hat die Chance, sich zu behaupten“, so seine Erfahrung.

Luckau habe er vorher nicht gekannt. Jetzt sei er „total begeistert, dass in der Kleinstadt so viel passiert“. Es sei das ganze Jahr was los, das habe er nicht erwartet. Ein Plus seien kurze Wege zu den Partnern, mit denen das Gymnasium zusammenarbeitet. Was ihm an Luckau auch gefällt: „Es läuft hier frei von Hektik“, verzeichnet Peter Guhra.