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Streckenausbau Berlin-Dresden
Per Tunnel zur Pilzheide

Der Tunnel in Walddrehna wird am 21. November freigegeben. Doch noch ist die Baumaßnahme nicht abgeschlossen. Der Gehweg muss noch fertig gestellt werden.
Der Tunnel in Walddrehna wird am 21. November freigegeben. Doch noch ist die Baumaßnahme nicht abgeschlossen. Der Gehweg muss noch fertig gestellt werden. FOTO: Anja Brautschek / LR
Walddrehna. Ein weiteres Bahn-Kapitel in Walddrehna endet. Für Karin Handke ein besonderer Moment. Von Anja Brautschek

Am heutigen Dienstag, um 12 Uhr, soll der neue Bahntunnel in Walddrehna freigegeben werden. Damit wird bereits das dritte Bauprojekt der Gemeinde Heideblick im Rahmen des Bahnstreckenausbaus auf Tempo 200 zwischen Berlin und Dresden für den Verkehr freigeben. Doch damit sind die Bauarbeiten in Walddrehna noch nicht beendet. An den Seitenbereichen wird weiterhin gearbeitet, da der Gehweg noch nicht fertig gestellt ist. Aus diesem Grund wird vorerst eine Ampel den Verkehr einspurig durch den Tunnel regeln. Das soll für Fußgänger und Autofahrer Sicherheit gewährleisten.

Karin Handke hat den Bau der neuen Überführungen in Walddrehna und Wehnsdorf mit besonderem Interesse verfolgt. Denn die Strecke war ihr täglicher Begleiter. Seit 1981 arbeitete sie in dem Stellwerk Walddrehna. 35 Jahre war die Wehnsdorferin dort tätig – bis im August 2016 das Stellwerk im Zuge des Streckenausbaus endgültig geschlossen wurde. „So manche Erinnerung hängt an dem Stellwerk. Das war ein trauriger Moment für mich und meine Kollegen“, sagt sie. Ein paar Möbelstücke aus dem Stellwerk dienen ihr als Andenken an diese Zeit.

Als die 56-Jährige nach ihrer Ausbildung von Luckau nach Walddrehna wechselte, war jede Menge zu tun. Denn Züge rollten ständig an Walddrehna vorbei, erinnert sie sich. Von Güterzügen, D-Zügen, Reisewaggons bis hin bis zu Wagen der Armee war die gesamte Bahn-Bandbreite dort zu entdecken. „Die Arbeit war sehr abwechslungsreich. Das hat mir Spaß gemacht“, sagt Karin Handke. Züge mussten rangiert, Weichen gestellt, Verspätungen errechnet und vorbei rollende Wagen überprüft werden. Für sie und ihre Kollegen ist es eine hohe Verantwortung. Denn sie sind für die vorbeifahrenden Züge zuständig.

Vor allem an eine Situation erinnert sie sich dabei noch genau. Beim Durchfahren eines Zuges bemerkte sie ein heiß gelaufenes Rad. Das Metall glühte bereits rot. „Das war das erste Mal, dass ich das gesehen habe. Ich informierte direkt den Lokführer“, sagt sie. Dieser hielt den Zug an und blockierte damit den Bahnübergang in Walddrehna. Andere Züge mussten vorsichtig vorbei gelotst werden, bis der Zug wieder fahrbereit war. Höchstarbeit für die Fahrdienstleiterin. „Ich dachte, ich bekomme Ärger, da der Übergang blockiert war. Aber am Ende wurde ich für mein richtiges Reagieren gelobt“, erinnert sie sich.

Auch so manche Baumaßnahme hat sie bereits miterlebt. Als Karin Handke in Walddrehna anfing, mussten die Weichen im Winter mit Kohle aufgetaut werden. Die Strecke wurde nach und nach elektrifiziert und erneuert. Der technische Fortschritt erleichterte so manchen Arbeitsschritt. Doch mit der Wende verringerte sich auch der Zugverkehr auf dieser wichtigen Achse. Der Abschnitt wurde von drei auf zwei Gleise zurückgebaut.

Den Schritt nach Walddrehna habe sie dennoch nie bereut. Mit dem Fahrrad benötigte sie nur zehn Minuten bis zum Stellwerk. Und das Kollegium war wie eine zweite Familie. „Alle haben an einem Strang gezogen und sich gegenseitig geholfen“, sagt sie. Umso wehmütiger sah sie dem Ende des Stellwerkes entgegen. Lange war die Zukunft der Fahrdienstleiter ungewiss. Durch den Ausbau wurden auch die Stellwerke in Uckro, Golßen, Rückersdorf und Brenitz geschlossen. „Umso glücklicher bin ich, dass alle im näheren Umkreis eine neue Stelle gefunden haben. Keiner wurde fallen gelassen“, sagt Karin Handke. Die Wehnsdorferin ist heute im Stellwerk in Bischdorf tätig.

Mit Spannung erwartet sie nun das Ende der Baumaßnahmen. Ab dem 10 Dezember sollen die Züge wieder rollen. „Ohne das klingeln der Bahnübergänge wird das ein etwas ungewohntes Bild sein“, sagt sie.