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| 17:51 Uhr

Eintauchen in Land und Kultur
Wie eine zweite Familie

 Pedro José Armijos Valarezo (2.v.r.) aus Equador lebt seit August bei Familie Schwarz in Golßen. Nach seinem Austauschjahr möchte er nach Equador zurückkehren und dort ein Studium beginnen.
Pedro José Armijos Valarezo (2.v.r.) aus Equador lebt seit August bei Familie Schwarz in Golßen. Nach seinem Austauschjahr möchte er nach Equador zurückkehren und dort ein Studium beginnen. FOTO: LR / Anja Brautschek
Seit August lebt Pedro aus Ecuador bei Familie Schwarz in Golßen. In seinem Austauschjahr lernt er Kultur, Sprache und Menschen kennen. Von Anja Brautschek

Familie Schwarz sitzt gemeinsam mit Pedro am Tisch. Sie unterhalten sich über Feiertage oder Pedros Heimat Ecuador. Dass er bis vor ein paar Monaten noch nicht deutsch sprechen konnte, merkt man ihm dabei nicht an. Die Sprache und die Kultur hat er erst in seinem Austauschjahr kennengelernt.

„Mich interessieren Länder und Kulturen in Europa sehr. Das ist für mich völlig neu“, erklärt Pedro José Armijos Valarezo sein Interesse für das Austauschjahr. Über Freunde und Verwandtschaft, die bereits Kontakte nach Deutschland haben oder selbst ein Austauschjahr absolviert haben, hat er erste Erkenntnisse sammeln können. Sein Interesse war geweckt. Der Verein Youth for Understanding (YFU) organisierte die Begegnung. Im August vergangenen Jahres kam er in Deutschland an. Nach drei Wochen Sprachschule in Hoyerswerda ging es zu seiner Gastfamilie nach Golßen. Was er seitdem über die deutsche Kultur kennengelernt hat, ist spannend, sagt er. „Vor allem der Karneval war für mich interessant“, sagt Pedro. Der 18-Jährige habe sich daran beteiligt, um mehr über die Golßener Traditionen zu erfahren. „Alles hat seine Ordnung, es gibt ein Königspaar, die Garden tragen Uniform“, beschreibt er seine Wahrnehmung.

Doch trotz aller kultureller Unterschiede entdeckt Pedro im Laufe der Monate immer wieder Ähnlichkeiten zwischen beiden Ländern und Traditionen. So werde Silvester in Deutschland zwar mit größerem Knall gefeiert. In Ecuador geht es jedoch auch hitzig zu. Dort verbrennen die Einwohner alte Klamotten und kleine Papier-Männchen, um Glück fürs nächste Jahr zu haben. Auch Weihnachten wird genauso mit der ganzen Familie und viel gutem Essen begangen. Aufgetischt wird in Ecuador jedoch an Heiligabend erst  spätenabends, erst danach ist Bescherung. „Durch so einen Austausch lernt man viel Neues kennen, vor allem neue Menschen“, sagt Pedro.

Anschluss habe er in Golßen schnell gefunden. Er hat beim SV Golßen Fußball trainiert und besucht mit Gastschwester Frederike das OSZ in Lübben. Sie war es auch, die anregte, einen weiteren  Austauschschüler aufzunehmen. Für Familie Schwarz ist es bereits das vierte Mal. „Unsere große Tochter hat auch einen Austausch absolviert. Da wissen wir um die Schwierigkeiten, die auftreten können. Außerdem ist so etwas keine Einbahnstraße – wir erfahren ebenso etwas aus anderen Ländern“, erklärt Gudrun Schwarz.

Die Chemie zwischen Pedro und den Golßenern habe von Anfang an gestimmt. Der Alltag und gemeinsame Ausflüge haben alle weiter zusammengeschweißt. Es ist mittlerweile wie eine zweite Familie, sagen beide. Auch nachdem Pedro im Juni zurück in seine Heimat fährt, wollen sie den Kontakt aufrecht erhalten. Ein Besuch von Familie Schwarz in Ecuador ist nicht ausgeschlossen.

Dort lebt der 18-Jährige in einer größeren Stadt in den Bergen. „Ich habe um mich herum viel Natur, deshalb interessieren mich in Deutschland besonders die großen Städte und ihre Geschichte“, erzählt er. Fasziniert haben ihn  Dresden mit seiner Altstadt und der Frauenkirche, aber auch das multikulturelle Berlin. Nach Europa auswandern? Für Pedro unvorstellbar. Sobald er in Ecuador zurück ist, will er ein Studium beginnen und Rechtsanwalt werden. Das Abitur hat er bereits in der Tasche. „Zum Lernen könnte ich mir es nochmal vorstellen, herzukommen oder ein anderes Land kennenzulernen. Aber Ecuador ist meine Heimat.“