ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:22 Uhr

Neu in der Gartenstadt
Jesus stirbt in Luckau am Kreuz

Pfarrer Martin Meyer (3.v.l.) schrieb den Text für  das Passionsspiel mit Darstellern aus Kirchengemeinde und Theaterloge.
Pfarrer Martin Meyer (3.v.l.) schrieb den Text für das Passionsspiel mit Darstellern aus Kirchengemeinde und Theaterloge. FOTO: Carmen Berg / LR
Luckau. Passionsspiel hat am Karfreitag um 16 Uhr in der Nikolaikirche Premiere. Von Carmen Berg

Jesus  verspätet sich. Theaterleiterin Gabi Schönig greift zum Handy und gibt Entwarnung. Er wird gleich da sein. Im Saal der Theaterloge beginnt die Kostümprobe für das Passionsspiel „Jesus und Barabbas“, das Mitglieder der Kirchengemeinde und Theaterleute am Karfreitag in der Nikolaikirche aufführen. Der Text stammt von Pfarrer Martin Meyer. Er spielt außerdem Kaiphas, den Hohen Priester, der Jesus verurteilte. Der Seelsorger schlüpft in seine maßgeschneiderte Prachtrobe. „Da ist mein Talar, aber bequemer“, schmunzelt er. Die ersten Minuten sind noch wuselig. Doch bald sind alle vertieft in ihre Rollen.

Das Passionsspiel ist für Luckau eine Premiere. Zumindest weiß niemand zu sagen, wann es Ähnliches zuletzt gab. Wegen der Aufführung wird der Karfreitags-Gottesdienst auf den Nachmittag 16 Uhr verlegt. „Wir wollen anderen Gemeinden keine Konkurrenz machen“, so Luckaus Pfarrer.

Die Idee zum Passionsspiel kam ihm beim Luther-Open-Air letzten Herbst. Damals war der Seelsorger neu in der Stadt. Er habe gesehen, dass es hier Leute gibt, die Theater spielen können und wollen. „Da habe ich mir gesagt: mach was“, blickt er zurück.

Während das Luther-Spiel eher einem Mittelalterspektakel gleicht, lehnt sich die Karfreitags-Geschichte von der Kreuzigung Jesu an die Bibel an, lässt aber auch Spielraum für dichterische Freiheit und moderne Bezüge.

Das Stück spielt in Palästina zur Zeit Jesu. Der vor den Römern geflohene Barabbas erfährt, dass in Nazareth der Messias erscheinen soll. Er kehrt zurück und schließt sich den Widerstandskämpfern an. „Wir sind das Volk“ ruft die Menge Jesus entgegen, von dem die Menschen sich erhoffen, dass er ihnen die Freiheit bringt. Doch statt Kampf predigt Jesus Nächstenliebe. Barabbas beginnt, an ihm zu zweifeln. Beide werden verhaftet, Barabbas wird begnadigt, Jesus  wird gekreuzigt. „Barabbas war der erste Mensch, der durch Jesus weiterleben durfte und die Chance bekam, aus seiner Schuld zu lernen“, verweist der Pfarrer auf den christlichen Ostergedanken von Tod und Auferstehung.

Hardy Schulze als Jesus und Paul Wagner als Barabbas sind gestandene Darsteller der Theaterloge. Saskia Rönspies ist vom Pferdetheater Ardanwen den Umgang mit dem Schwert gewohnt. „Wenn Jesus kommt, schlagen wir zu“, befiehlt sie als Hauptmann der Palastwache so eindrucksvoll, dass jeder Widerspruch verstummt. Marina Gadomski muss sich als Soldat an die Waffe im Gürtel erst gewöhnen. Wie die Luckauer Museumsleiterin steht auch Gerd Kaufmann von der Kirchengemeinde zum ersten Mal auf einer Bühne. Judas, den Verräter zu spielen, sieht er als Herausforderung.

Ebenfalls ein Gemeinschaftsprodukt von Kirche und Theaterloge sind die Kostüme, die im Theater geschneidert und von der Gemeinde bezahlt wurden. Jakob Kiesewetter, der gerade Bundesfreiwilligendienst leistet, half beim Nähen. Er erzählt, er habe sich „schon immer für Klamotten interessiert“ und mit Freunden ein T-Shirt kreiert.  Nach dem Bufdi-Jahr will er Kostümbildner werden. Bewerbungen an Theatern laufen.

Akteure und Helfer sind gespannt, wie ihre Premiere am Karfreitag ankommen wird. „Die Luckauer sind traditionell, deshalb ist der Gottesdienst am Nachmittag ein Experiment“, sagt Thomas Wurms, der als Erzähler durch das Stück führt.

Bufdi Jakob Kiesewetter (2.v..l..) half beim Nähen der Kostüme.
Bufdi Jakob Kiesewetter (2.v..l..) half beim Nähen der Kostüme. FOTO: Carmen Berg / LR