ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:02 Uhr

Pakt der Arbeitgeber sucht weitere Partner

Dahme-Spreewald.. Die Plätze im Sitzungssaal des Lübbener Rathauses reichten gerade mal aus, um die große Zahl interessierter Zuhörer aus Wirtschaft, Landwirtschaft, Politik, Arbeitsverwaltung, Sozialverbänden und anderen aufnehmen zu können. Krino Müller

Sie alle wollten wissen, was es mit dem ersten Arbeitgeberzusammenschluss in Brandenburg auf sich hat. Eingeladen hatte dazu die SpreewaldForum GmbH.
Einen ersten Einblick, was unter dieser Form des Zusammenschlusses von Arbeitgebern im Großschutzgebiet Biosphärenreservat Spreewald zu verstehen ist, gab der stellvertretende Landrat Stephan Loge. Ausgangspunkt sei die „Transferstudie ,Betriebliche Kooperation in der Landwirtschaft zur Sicherung zukünftigen Flächenbedarfs'“ gewesen, erarbeitet vom Berliner Entwicklungsbüro Arbeit und Umwelt „tamen“ , sagte er.
Diese Studie basiere auf dem seit rund 20 Jahren in Frankreich erprobtem Modell des Arbeitgeberzusammenschlusses unter besonderer Berücksichtigung der Landwirtschaft in den neuen Bundesländern. Er sei stolz, sagte Loge weiter, dass gerade in Lübben die erste GmbH eines Arbeitgeberzusammenschlusses entstanden sei. Mit dem SpreewaldForum arbeiteten derzeit elf Betriebe zusammen, darunter die Bäuerliche Produktionsgemeinschaft Lubolz, das Landgut Pretschen, die Göritzer Agrar GmbH, die Peitzer Edelfisch GmbH sowie die Ostra GmbH Neu Zauche.
Eines der Ziele der SpreewaldForum GmbH sei es, sagte Geschäftsführer Andreas Petschick in seinem Referat, „Fragen hinsichtlich der flexiblen Beschäftigung von Mitarbeitern gemeinsam zu lösen“ . Dabei gehe es in erster Linie darum, Mitarbeitern in der Landwirtschaft eine Ganzjahresbeschäftigung zu sichern, sie ständig und umfassend zu qualifizieren und sie so in der Region zu halten.
Die Vorteile der Arbeitgeber lägen darin, dass sie sich um ihr Personal nicht mehr groß sorgen müssten, das übernehme das SpreewaldForum, mit dem Kooperationsverträge abgeschlossen würden. Außerdem blieben Mitarbeiter in den Ursprungsbetrieben. Weitere Vorteile, heißt es, seien die gemeinsame Nutzung von Fördermöglichkeiten und der Erfahrung der anderen Partner, schnelles Reagieren auf die Marktlage.
Unterstützt werde dieses Vorhaben u.a. vom Landesministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz (MLUV) und von der Arbeitsverwaltung. Einige von ihnen meldeten sich auch bei der Veranstaltung im Lübbener Rathaus zu Wort, unterstrichen die besondere Bedeutung, die diesem Arbeitgeberzusammenschluss beigemessen werde. Dass weitere folgen werden, deutete sich in der Zusammenkunft an.
Allerdings sind die eingeleiteten Initiativen dazu noch in einem sehr frühen Stadium, könnten sich auch vom „Lübbener Modell“ einmal unterscheiden. So will man im Raum Oranienburg zurzeit in die Strukturdiskussion gehen, wie Dr. Matthias Platen von der Landwirtschaftlichen Beratung der Agrarverbände (LAB) sagte. Er geht davon aus, dass sich für effektives Arbeiten rund 30 bis 50 Betriebe zusammenschließen müssten. Knackpunkt sei, „die Betriebe zu überzeugen, dass sie so was brauchen“ . Es reiche auch nicht aus, landwirtschaftliche Fachkräfte zu haben. Vielmehr müsse landwirtschaftliches Management aufgebaut werden.
Auch einige Probleme gibt es, die angesichts fehlender Rechtsgrundlagen mit Sonderkonstruktionen überbrückt werden müssen, so ein Rechtsanwalt. Während die Franzosen bei ihren Zusammenschluss-Modellen eine besondere Form des Vereinsrechts geschaffen haben, gibt es ein solches Recht in der Bundesrepublik noch nicht. Deshalb sei hier eine GmbH zu gründen gewesen. Man hoffe, wenn erst einmal der Bedarf nach einem neuen Gesetz entstanden sei, dass die Politik darauf reagiere.
Als Gegenmodell zu Zeitarbeitsfirmen verstehe sich das SpreewaldForum nicht, sagte Andreas Petschick in der Aussprache.
Die SpreewaldForum GmbH, Sitz in Lübben ( www.spreewaldforum.com), ist das Dach eines Arbeitgeberzusammenschlusses mit Schwerpunkt im Bereich landwirtschaftlicher Betriebe.