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| 02:50 Uhr

Pätzer Debatte zum Asylbewerberheim

Pätz. Ein neues Heim für Asylbewerber und Flüchtlinge soll in Pätz (Gemeinde Bestensee) eingerichtet werden. Der Landkreis Dahme-Spreewald (LDS) hat deshalb die Einwohner des Ortes am Donnerstagabend zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung ins Technologie- und Berufsbildungszentrum (TBZ) gebeten. Die Atmosphäre war angespannt. Im Vorfeld war von rechtsextremer Seite vor allem im Internet gegen das geplante Heim Stimmung gemacht wurde. Thomas Seifert

In dem Gebäude, das auf dem Gelände des TBZ KönigsWusterhausen am Standort in Pätz steht und das viele Jahre als Unterkunft für Auszubildende genutzt wurde, sollen ab Februar oder März kommenden Jahres Flüchtlinge und Asylbewerber untergebracht werden. Eine Höchstkapazität von 154 Plätzen ist vorgesehen, monatlich sollen 15 bis 20 Menschen dort einziehen.

Miet- und Betreibervertrag sind auf fünf Jahre festgelegt. Aus welchen Ländern die Menschen kommen, die in Pätz im Asyl leben werden, hängt von den Krisenherden auf der Welt ab.

Das sind die Fakten, mit denen sich die Pätzer auseinandersetzen müssen. Groß war deshalb ihr Interesse, mehr über das geplante Asylbewerberheim in ihrem Ort zu erfahren.

Etwa 200 Einwohner fanden einen Platz in der Mensa des TBZ. Fast genau so viele standen draußen vor dem Tor zum TBZ-Gelände und wurden wegen des überfüllten Versammlungsraumes vom Sicherheitsdienst nicht eingelassen.

Unter den Besuchern der Informationsveranstaltung waren auch Rechtsextreme. Und so mischten sich bei der Diskussion verschiedene Meinungen. Die meisten Fragen beantwortete Sozialdezernent Carsten Saß (CDU). An seiner Seite waren die Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte Elke Voigt (SPD), Sozialamtsleiter Harald Lehmann und Bestensees Bürgermeister Klaus-Dieter Quasdorf (Wählervereinigung - Quasdorf für Bestensee e.V.). Der sagte zu denen, die sich populistisch gegen die Aufnahme von Asylbewerbern in Pätz aussprachen, dass er deren hier zutage kommende Kultur fragwürdig finde. "Wir haben Gesetze und mit den Gesetzen müssen wir leben", so der Bürgermeister.

Und laut Gesetz hat der Landkreis eine Aufnahmeverpflichtung und bekommt eine bestimmte Anzahl von Asylbewerbern und Flüchtlingen zu gewiesen.

Proteste und Zwischenrufe gab es oft. Sachliche Anmerkungen und viele Fragen auch. Wer zieht ins Heim ein? Wovon werden die Menschen leben? Wie sollen die Kinder unterrichtet werden? Wer organisiert den Sprachunterricht und hilft bei Behördengängen? Wie soll die ärztliche Versorgung gesichert werden? Was ist mit der Sicherheit? Sozialdezernent Saß antwortete ruhig und sachlich. Einige Bürger fanden es schade, nicht schon eher mit einbezogen worden zu sein, sondern nun so kurzfristig über das geplante Heim informiert werden. Andere appellierten an die Menschlichkeit.

Die anfänglichen Bedenken, dass die Versammlung eskalieren könnte, wurden zerstreutet. Die Polizei war laut Ines Filohn, Pressesprecherin der Polizeidirektion Süd, mit 40 Polizisten im Einsatz. "Die Situation war unter Kontrolle", sagte sie nach der Veranstaltung zu Landrat Stephan Loge (SPD). Die etwa 60 Rechtsextremisten, die vor allem aus Berlin angereist waren und die sich anfangs vor dem Tor zum TBZ-Gelände versammelt hatten, wurden von der Polizei abgedrängt. Zu tätlichen Auseinandersetzungen kam es laut Filohn nicht.