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Öllein-Anbau im Spreewald wächst

Ölmüller Gerd Nowak aus Straupitz sieht sich auf dem Ölleinfeld bei Schöneiche um.
Ölmüller Gerd Nowak aus Straupitz sieht sich auf dem Ölleinfeld bei Schöneiche um. FOTO: DPA
Schöneiche. Steigende Nachfrage nach Spreewälder Leinöl sorgt für deutlich mehr Anbaufläche. Die Ölmüller verarbeiten die Samen nach traditioneller Art. Daniel Friedrich

In zartem Hellblau schimmern in diesen Tagen einige Felder zwischen Dahme und Spree. Es ist die Zeit der Ölleinblüte, aus deren Samen das berühmte Leinöl gewonnen wird. Dem Sprichwort nach soll es neben Pellkartoffeln und Quark helfen, den Spreewälder stark zu machen.

Erst vor wenigen Tagen hat auf den Ölleinfeldern die Saison begonnen. Auf 225 Hektar wächst der Flachs, wie Öllein umgangssprachlich genannt wird, im gesamten Spreewald. Auch, wenn sich die Fläche damit im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt hat - ein Massenprodukt ist das Leinöl längst nicht: "Der Ertrag liegt bei lediglich einer bis anderthalb Tonnen pro Hektar. In jeder Flasche befindet sich also ein kleiner Schatz", sagt Melanie Kossatz vom Spreewaldverein, die die regionalen Produkte vermarktet.

Lein hat eine relativ kurze Vegetationszeit. Nur 120 Tage vergehen in der Regel zwischen der Aussaat im April und der Ernte. Ist der Lein reif, sind die blauen Blüten verschwunden, und die Pflanze beginnt sich braun und gelb zu färben. Dann kann man die Samen bereits hören, wenn man die Leinkapsel schüttelt. "In diesem Jahr gab es bisher zu wenig Regen", beklagt Landwirt Heinz-Peter Frehn. Er ist einer von fünf Landwirten, die dem Spreewälder Lein zu einer Renaissance verholfen haben. Rund 65 Hektar des "blauen Goldes" werden auf seinen Feldern rund um Schöneiche, zwischen Golßen und Dahme, angebaut. Ein Problem dabei: das Unkraut. "Unsere Versuche, den Lein ohne Herbizide auf biologische Weise anzubauen, sind leider gescheitert. Das Unkraut überwuchert die kleinen Leinpflanzen, sodass sie nicht reifen können", erklärt Frehn. Auch ein mechanisches Verfahren, bei dem nach der Samenernte die Ölkörner von den Samen der Unkräuter getrennt werden können, sei mit sehr hohem technischen und finanziellen Aufwand verbunden. So werde es in naher Zukunft erst einmal kein Bio-Leinöl geben.

Nach dem Dreschen und der Reinigung der Körner werden die Ölsamen unter anderem in der Holländermühle in Straupitz weiterverarbeitet. Bis heute wird hier dieselbe Technik wie vor 100 Jahren verwendet. "Leinöl gehört zum Spreewald. Viele Besucher haben in der Vergangenheit bei uns nachgefragt und fanden es schade, dass das Öl nicht aus der Region kam. Deshalb freut es mich, dass nun wieder mehr Spreewald-Landwirte den Öllein anbauen", meint Gerd Nowak, Ölmüller in Straupitz. Seine Stempelpresse quetscht das Öl aus den Samen heraus. Die mechanische Behandlung schont die wertvollen Inhaltsstoffe (Infokasten) und sorgt für Naturbelassenheit. Je nach Mühle und Pressverfahren bekommt das Öl aus dem Spreewald so seine eigene Geschmacksnote.

Zum Thema:
Die uralte Kulturpflanze Lein ist seit tausenden Jahren Begleiter der Menschheit. Schon die Sumerer, Ägypter und Griechen bauten auf ihren Feldern Lein an. Das Öl wird aus den Leinsamen gewonnen. Diese werden unter hohem Druck langsam zusammengepresst. Durch die schonende Behandlung bleiben wichtige Inhaltsstoffe wie Mineralien, Spurenelemente und Vitamine erhalten. Vor allem zeichnet sich das Leinöl durch seinen sehr hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren aus, die unter anderem den Blutdruck senken und die Durchblutung fördern.

Nicht immer blüht der Öllein so schön wie auf diesem Bild. Nur morgens und wenn es nicht zu warm ist, öffnet er seine blaue Blüte.
Nicht immer blüht der Öllein so schön wie auf diesem Bild. Nur morgens und wenn es nicht zu warm ist, öffnet er seine blaue Blüte. FOTO: D. Friedrich