Von Birgit Keilbach

Die Entwicklung von Fauna und Flora auf den ehemaligen Tagebauflächen der Schlabendorfer Felder ist ein spannendes Thema. Groß war das Interesse am Dokumentarfilm „Verbotene Wildnis – Neues Leben nach der Kohle“. 80 Zuschauer aus der Region sind in die Luckauer Johannisloge „Zum Leoparden“ gekommen. An mehr als 70 Stationen finde die Ökofilmtour in diesem Jahr statt, „doch dieses Thema berührt uns ganz direkt“, sagte Ralf Donat, Leiter von Sielmanns Naturlandschaft in Wanninchen. Nirgendwo sonst sind so vielfältige neue Lebensräume entstanden.

Als die Heinz-Sielmann-Stiftung vor 20 Jahren mit dem Kauf von Kippenflächen begann, um der Natur-
entwicklung ihren Lauf zu lassen, war noch nicht absehbar, dass der Mensch lange Zeit auf einen Großteil keinen Schritt mehr setzen darf. Mit dem Aufsteigen des Grundwassers im Schlabendorfer See kamen feine Sandkörner der Kippenflächen in Bewegung. Immer wieder gibt es Rutschungen. Betreten verboten. „Keine anderen Wildnisgebiete in Deutschland sind so gefährlich“, so Ralf Donat. Entstanden ist ein Paradies für Pflanzen und Tiere, die sich ungestört von menschlichen Eingriffen entwickeln.

Mit einer Drone überfliegt das Filmteam Heiderose Häsler und Wolfgang Albus die gesperrten Gebiete. Vor 20 Jahren waren sie schon einmal hier. Die Aufnahmen von damals zeigen, was sich verändert hat. Viele Wasserflächen sind neu entstanden. „Das sind die Schlafplätze der Kraniche“, sagt Ralf Donat. Wald ist stellenweise aufgewachsen. Dazwischen immer wieder Abschnitte, wo er sich durch eine Rutschung in karge, sandige Areale verwandelt hat. Ödlandbewohner wie Sandohrwurm und Kreiselwespe fühlen sich hier wohl. Uferschwalben bauen ihre Bruthöhlen an steilen Kippenhängen. Andernorts haben Gräser, Blühpflanzen, Sträucher und kleine Kiefern Fuß gefasst.

Auch Hasen, Rotwild, Schwarzkittel und Wölfe genießen die ungestörten Flächen. Weitere Naturparadiese haben die Filmemacher eingefangen, die Vogelinsel im Egsdorfer See, das Naturparadies Grünhaus bei Lauchhammer, den Lichtenauer See mit seinen verschiedenen Ufern – eins schnurgerade und vorschriftsmäßig vom Sanierungsbergbau befestigt, das andere unbefestigt und mäandernd in den See hineinragend.

Deshalb wird es dort auf absehbare Zeit keine Badestelle geben, sagt Donat. Denn die Innenkippe könne abrutschen, „und eine Schwallwelle entstehen, die aufs gegenüberliegende Ufer trifft und ein dort spielendes Kind mit sich reißt“. Keiner der Verantwortlichen würde daher eine Freigabe des Sees aus dem Bergrecht unterschreiben. Unter Naturschutz stünden nicht gesicherte Flächen nicht automatisch, so Donat. In den Neunziger Jahren habe es erstmals ein Bergbausanierungskonzept gegeben, in dem Naturschutzflächen ausgewiesen wurden. Auch bereits genutzte Ackerflächen seien jetzt von Sperrungen betroffen, Bäume wachsen dort. „Durch die Rutschungen sind heute andere Verhältnisse entstanden, als die Renaturierungspläne vorsehen. Spannend ist, was passiert, wenn die Flächen freigegeben werden.“

Ziel der Sielmann-Stiftung sei es, diese einmalige Wildnis für die Menschen erlebbar zu machen. Ein Radweg rund um den Schlabendorfer See sei in Planung. Auch das Regionale Entwicklungskonzept von Luckau, Lübbenau, Vetschau und Calau mit dem geplanten Radwegenetz trage dazu bei. „Langfristig wäre es spannend, den Wandel der Naturlandschaft auch im Inneren erlebbar zu machen“, sagt Ralf Donat. Sebastian Dosch, Meister vom Stuhl der Luckauer Loge, überreichte ihm am Rande der Veranstaltung eine Spende in Höhe von 200 Euro für eigene Projekte.