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| 18:05 Uhr

Nur Durchschnittsjahr für Adebar

Storchenliebe auf Lebenszeit ist eine Legende. So mancher Adebar nahm sich, weil das Weibchen beim Heimkehren zu langsam war, eine Neue.
Storchenliebe auf Lebenszeit ist eine Legende. So mancher Adebar nahm sich, weil das Weibchen beim Heimkehren zu langsam war, eine Neue. FOTO: dpa
Luckau. Für Adebar ein mittelmäßiges Jahr verzeichnet Katharina Illig. 29 Horstpaare nisten im Altkreis Luckau. Nur 19 ziehen insgesamt 34 Junge auf. Fast jedes dritte Paar blieb ohne Nachwuchs. Carmen Berg

Seit 56 Jahren erfassen Hobby-Ornithologen den Weißstorchen-Bestand im Altkreis. Katharina Illig legt seit 1972 den kleinen Adebaren Ringe an, die sie wie einen "Personalausweis" ein Leben lang tragen. Dazu steigt sie im Frühsommer mittels Hebebühnen der Energieversorger hinauf zu den Kinderstuben der Rotbestrumpften. Seit zwei Jahren hilft ihr Bianca Hesse, die dafür extra Urlaub nimmt.

Der Storchenbestand unterliege großen Schwankungen, sagt Katharina Illig. 1994 war ein Rekordjahr mit 74 Jungstörchen. Den wenigsten Nachwuchs gab es 1987 und 2013 mit jeweils 18 Jungtieren.

Um den Bestand zu sichern, müsste jedes Paar zwei Junge aufziehen. In den vergangenen sieben Jahren sei das nicht mehr erreicht worden, blickt sie zurück.

Ein Grund: Die Tiere finden immer weniger Futter. Viele Äcker würden heute mit Energiepflanzen wie Mais oder Sonnenblumen bestellt. "Sie wirken für die Störche wie eine versiegelte Fläche", sagt Katharina Illig. Weitaus häufiger als früher sei zu beobachten, wie sie an Straßengräben nach Nahrung suchen. So bleiben Unfälle nicht aus. Ein Storch kam in der aktuellen Saison ums Leben, einer wurde mit gebrochenem Flügel in die Pflegestation nach Reddern gebracht, ein anderer kam mit gebrochenem Bein in eine Berliner Tierklinik. Doch nicht nur bei den Störchen würden die problematischen Veränderungen beim Futterangebot sichtbar. "Man hört doch kaum noch eine Feldlerche singen", so Katharina Illig.

An den Ringen erkennt sie übrigens, dass in den Horsten mehr Bewegung ist als gedacht. Auffallend oft seien 2017 die Damen erst lange nach den Herren zurückgekehrt. Hatte er sich inzwischen eine andere genommen, flogen unter den Rivalinnen tüchtig die Federn, erzählt die Hobby-Ornithologin.

Ob womöglich solche Turbulenzen ein Grund waren, warum auf dem Luckauer Horst diesmal kein Paar sesshaft wurde, darüber lasse sich nur spekulieren. Der Luckauer Adebar zog nach Cahnsdorf um, zwei Junge erblickten dort das Licht der Welt. Als Katharina Illig in Kreblitz ins Nest schaute, saßen Ende Juni die Tiere noch auf den Eiern. Auch in Gehren sei der Nachwuchs noch viel zu klein gewesen, um Ringe anzulegen, sagt sie.

Konkurrenzkämpfe entbrennen aber nicht nur unter Artgenossen, so die Fachfrau. Auf dem Schornstein des Schlosses in Kasel-Golzig hatten sich im Vorjahr noch Nilgänse und Störche das Nest friedlich geteilt. Zuerst brüteten die Gänse, danach die Adebare. Diesmal jedoch mussten die Störche weichen und sich auf dem zweiten Schloss-Schornstein ein neues Zuhause bauen.

So hat jede Saison ihre Geschichten. Wenn die Adebare Ende August die Region verlassen, ist Katharina Illig, wie sie sagt, schon wieder gespannt auf das nächste Jahr.