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Q-Stadt
Noch wenig Lust aufs Siegel

Was bringt ein Q wirklich für die Belebung der Städte? Wie groß ist der Aufwand? Das wissen Firmen in Nachbarstädten, die sich zertifizieren ließen. Die Luckauer könnten sie zu sich einladen.
Was bringt ein Q wirklich für die Belebung der Städte? Wie groß ist der Aufwand? Das wissen Firmen in Nachbarstädten, die sich zertifizieren ließen. Die Luckauer könnten sie zu sich einladen. FOTO: be
Luckau. Kann es das Ladensterben in der historischen Altstadt aufhalten, wenn Luckau Q-Stadt wird? Eine Mehrheit im örtlichen Ausschuss für Gewerbe, Tourismus und Stadtmarketing sieht das eher skeptisch. Schon im April ergab sich bei einer Diskussion im Gewerbeverein "Wir sind Luckau" ein ganz ähnliches Bild. Carmen Berg

Im Fachausschuss werben Verena Micknaß und Sven Off von der Unternehmensberatung Q-Engel dafür, nicht gleich Nein zu sagen. Etwa 20 Geschäfte stehen leer. Stadt und Gewerbe sind sich einig, dass Handlungsbedarf besteht. Jutta Dzielak vom Vorstand des Gewerbevereins verweist auf publikumswirksame Events wie Altstadtnacht, Maxi-Herbstmix und Weihnachtsmarkt, die mit gebündelter Kraft gestemmt werden. Sven Off sagt: "Ein Siegel für Service-Qualität würde gut zu den anderen Ideen passen." Was die Q-Städte Lübbenau und Lübben geschafft haben, sollte auch in Luckau möglich sein, glaubt er.

Um das Siegel "Service Qualität Deutschland" bewerben sich Unternehmen und Kommunen bundesweit. Wirksam sei, wenn Unternehmen sich mit der Kommune zu einer Gemeinschaft zusammenschließen. Um Q-Stadt zu werden, müssten sich 15 Betriebe zertifizieren lassen. Verena Micknaß, Q-Stadt-Sprecherin in Lübben, räumt ein, das sei schon für die Kreisstadt schwierig gewesen und für das kleinere Luckau "ein dickes Brett". Doch Vorteile liegen für die Q-Engel auf der Hand: Ein Qualitätssiegel sei werbewirksam, die Partner könnten durch Vernetzung und Erfahrungsaustausch voneinander profitieren. "Und die Beteiligung am Projekt hilft dabei, den eigenen Service aus dem Blickwinkel des Kunden zu hinterfragen", nennt Sven Off einen wesentlichen Aspekt.

Doch vor dem Preis steht auch beim Q der Schweiß: In den Betrieben, die sich zertifizieren lassen, muss ein Vertreter die Ausbildung zum Qualitätscoach absolvieren. Der ein- bis zweitägige Kurs kostet den Unternehmensberatern zufolge rund 250 Euro, die Zertifizierung selbst dann je nach Firmengröße noch einmal ab 295 Euro. Ausschuss-Vorsitzender Lothar Treder-Schmidt (Luckau-Land/Grüne) sagt, ihm erschließe sich nicht, "wie ein Q uns hilft, das Café Graf wieder zu eröffnen oder dem kleinen Modegeschäft, sich gegen den Online-Handel zu behaupten?" Für eine größere Stadt ist eine Q-Gemeinschaft aus seiner Sicht sinnvoll, "weil man im Netzwerk auf neue Gesprächspartner trifft. In einer Kleinstadt kennt man sich und ist sowieso vernetzt". Jutta Dzielak gibt außerdem zu bedenken, dass die Inhaber kleiner Läden oft allein hinter dem Tresen stehen, für sie sei der Aufwand kaum zu bewältigen. Verena Micknaß erklärt zur Finanzierung, in Lübben habe der Tourismusverein die erste Coachausbildung unterstützt. Die Seminare würden viele praktische Beispiele vermitteln, was anderswo schon passiert. In Lübben habe die Q-Stadt neuen Schwung gebracht, schätzt sie ein. Hans Lamich (Die Linke) meint: Die Stadt könne helfen, wo sie gebraucht wird. Doch positionieren müsse sich das Gewerbe. "Vertieft muss die Diskussion dort stattfinden."