Im vergangenen Jahr hat der Verein „Dahmequell“ sieben Gärten neu verpachtet. Es gebe durchaus noch junge Leute, die Lust auf eine eigene Scholle haben, verzeichnet Erhard Henze. Allerdings seien im selben Zeitraum zehn Kleingärten gekündigt worden, weil deren Pächter sie aus Altersgründen nicht mehr bewirtschaften konnten, vergleicht der 55-Jährige.
Sein Stellvertreter Dietmar Lorenz (52) schätzt, dass von den 117 Vereinsmitgliedern etwa drei Viertel im Rentenalter sind. Sieben Parzellen stehen aktuell zur Neuvergabe. Bislang sei das eine überschaubare Zahl. „In wenigen Jahren schon dürften es deutlich mehr sein“ , fürchtet Lorenz.
Manfred Schuster hofft, dass bei ihm der Tag, an dem er aufgeben muss, nicht so bald kommt. Seine 70 Lenze sind dem Hobbygärtner nicht anzusehen. „Die Bewegung, die Freude an der Natur und am geselligen Leben mit den Nachbarn draußen halten fit“ , davon ist er überzeugt. 45 Jahre ist Manfred Schuster in der Sparte. Er habe in der „Platte“ gewohnt und sei Gärtner geworden, als die Kinder kamen. Sie seien im Grünen aufgewachsen. Beinahe hätte Enkel Nico sogar im Garten das Licht der Welt erblickt, erzählt der Großvater. Der Krankenwagen sei in letzter Minute gekommen. „Nachdem alles glücklich überstanden war, haben wir Tochter und Baby aus dem Krankenhaus abgeholt – gleich wieder in den Garten“ , beschreibt Manfred Schuster die Verbundenheit mit der Scholle.
Zu DDR-Zeiten sei der Andrang auf die Parzellen enorm gewesen, erinnert er sich. „In den Läden gab es kaum Frisches, die Leute haben deshalb ihr eigenes Obst und Gemüse angebaut.“
Zudem habe sich mit Gartenarbeit damals noch ein Geschäft machen lassen, schmunzelt Günter Trotzke (67), der seit 44 Jahren Mitglied in der Sparte „Dahmequell“ ist. Die Kleingärtner hätten ihr Erntegut zu den Aufkaufstellen gebracht und später zum halben Preis, weil der staatlich gestützt war, im Laden wieder zurückgekauft. Manfred Schuster erinnert sich, einmal seien die Spartenmitglieder vom damaligen Rat des Kreises sogar aufgefordert worden, Schweine zu halten. „Das haben wir aber ignoriert und einfach weitergemacht wie bisher“ , erzählt er.

Kleingärtner feiern gern
Geschichten wie diese werden lebendig, wenn sich die Vereinsfreunde vom „Dahmequell“ zu ihren Festen treffen – zum Osterfeuer, dem jährlichen Sommerfest im August oder dem Brauchtumsfeuer im Herbst. Alt und Jung kämen dann zusammen. Auch die erwachsenen Kinder, die längst fortgezogen sind, finden sich bei solchen Gelegenheiten ein, berichtet Erhard Henze. „Bei den Arbeitseinsätzen auf dem Vereinsgelände zwei Mal im Jahr ist die Teilnahme ebenfalls rege“ , sagt der Vorsitzende.
Zwischen vielen Gärten im „Dahmequell“ gibt es keine Zäune. „Die Nachbarn verstehen und vertrauen sich“ , erklärt Günter Trotzke. Der 67-Jährige bedauert es deshalb um so mehr, dass die Zukunft der Freizeitanlage auf so wackligen Füßen steht. Manfred Schuster nennt als einen Grund für freie Parzellen, dass die jungen Leute kaum noch Arbeit in der Nähe finden. Enkel Nico arbeite in Berlin und komme nur noch an den Wochenenden, erzählt er.

Erschwingliche Preise
„Es gibt aber Menschen, die Zeit fürs Gärtnern hätten. Die müssen wir erreichen“ , wendet Erhard Henze ein. Er sei arbeitslos, berichtet der 55-Jährige und sagt: „Hätte ich den Garten nicht, würde ich kaputtgehen.“ Im Garten könne er abschalten und zugleich Nützliches schaffen. Dietmar Lorenz fügt an, dass das Mitmachen im Kleingartenverein für jedermann erschwinglich sei. „Im Durchschnitt kommen wir auf 25 Euro im Jahr für Vereinsbeitrag und Pacht“ , erzählt er. In Großstädten sei das Hobby erheblich teurer. Deshalb habe der Verein inzwischen einige Mitglieder aus Berlin.
Wie die meisten Vereinsfreunde sei auch er im Jahr 1987 wegen der Kinder zur Sparte gekommen, sagt Dietmar Lorenz. „Für sie gibt es doch nichts Schöneres, als in der Natur zu spielen.“
Sara Henze findet das auch. Es sei nie langweilig, sagt die 11-Jährige. Seit die Fläming-Skate an der Anlage vorbeiführe, ziehe sie oft mit ihren Freundinnen auf Inlinern los. „Abends sitzen wir beim Grillen, das macht mehr Spaß als fernsehen“ , sagt Sara.

Zum Thema Verein „Dahmequell“
Der Kleingartenverein „Dahmequell“ trifft sich morgen um 14 Uhr zur Mitgliederversammlung in der Dahmer Sportwelt.
Wer Interesse an einer Parzelle in der Anlage hat, kann sich an den Vereinsvorsitzenden Erhard Henze wenden unter Telefon 035451/81 74 oder 0173/9 16 00 67.