Von Anja Brautschek

Die Lausitzer Klärtechnik GmbH (LKT) hat gemeinsam mit der Brandenburgischen-Technischen Universität (BTU) Cottbus – Senftenberg ein neues Verfahren zur Sanierung von Pumpschächten entwickelt. Für das „FlexReha“ wurden sie kürzlich mit dem Innovationspreis der Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe in der Kategorie „innovative Pozesse und Verfahren“ ausgezeichnet.

Das besondere an dem Verfahren: Erstmals wird Leichtbau auch im Tiefbau angewendet. „Leichtbau war bis dato in der Abwasser- und Klärtechnik unbekannt“, erklärt Torsten Hansen, Mitarbeiter der Abteilung Forschung und Entwicklung bei LKT. Die Firma hat das Verfahren entwickelt, um die Sanierung von Pumpschächten zu optimieren. Über Jahrzehnte wird der Beton der Schachtinnenwände durch Mikroorganismen angegriffen. Je nach Zustand kann dadurch sogar die Tragfähigkeit der Anlage gefährdet werden. „Mit FlexReha können wir jedoch die Tragfähigkeit der Pumpschächte wiederherstellen“, erklärt Torsten Hansen.

In ersten Anlagen, unter anderem in einer privaten Klärgrube, bei einer Biogasanlage eines Rinderbetriebes sowie in einem Pilotprojekt am Hamburger Hafen, sei das Verfahren bereits erfolgreich eingesetzt und getestet worden. Weitere praktische Erfahrung will das Unternehmen zeitnah sammeln.

Derzeit befindet sich das Projekt in der Markteinführung. Ein Patent dafür ist bereits angemeldet. Die Sanierung von Pumpschächten mittels „FlexReha“ sei schneller, einfacher und kostengünstiger als bislang bekannte Methoden. Es werden dabei keine Putze oder Mörtel verwendet. Vielmehr stärkt ein Faserverbund die Schachtwände und schützt so vor künftigen Zersetzungen.

Dazu wird der Schacht mit einem speziellen, wabenartigen Stoff ausgekleidet. Ein Druckballon sorgt für ein Vakuum. Der entstandene Zwischenraum zwischen diesem Ballon und der Wand wird mit einem flüssigem Harz ausgefüllt. Beim Aushärten verbinden sich Harz und Textilgewebe fest mit dem Beton, sodass chemische Verbindungen den Beton nicht mehr angreifen können. Der Verbund ist so hart, dass die Stabilität der Anlagen auch bei starker Schädigung wieder hergestellt werden kann. Dabei ist die Beschichtung selbst nur wenige Zentimeter dick.

Das Verfahren kann individuell auf Zustand und Größe des Objektes angepasst werden. Auch beheizbare Drähte können eingeflochten werden. So sei eine Sanierung auch bei niedrigen Außentemperaturen möglich. Gleichzeitig können die eingesetzten Drähte für eine Zustandsüberwachung eingesetzt werden. Ein Leckage-Monitoring informiert bei Undichtigkeiten, sodass kleine Schäden frühzeitig erkannt werden können. „Ursprünglich sollte das Verfahren nur für Pumpschächte entwickelt werden. Während unserer Forschung wurden aber auch Vorteile für andere Anlagen deutlich. Selbst präventiv, zum Beispiel in Jauchegruben, kann es angewendet werden“, sagt Torsten Hansen.

An der BTU Cottbus-Senftenberg wurde unter anderem die Lebensdauer des Faserverbundes getestet. Ein Langzeittest mit hochkonzentrierter Schwefelsäure zeigte, dass die glasfaserbasierte Beschichtung äußerst widerstandfähig ist, wie Marcello Ambrosio, akademischer Mitarbeiter der Technischen Universität, erklärt. Seit November 2016 haben die Luckauer Firma und die BTU an der Methode geforscht. Anfang 2019 wird das Projekt abgeschlossen. „Der Preis war für uns eine große Überraschung. Auf der Fachmesse waren wir eher der Exot der Branche“, sagt LKT-Geschäftsführer Michael Müller. In der Leichtbauweise sieht er weiteres Potenzial für die Branche. Aus diesem Grund sind bereits Folgeprojekte in Planung. Die Forschungsabteilung von LKT soll außerdem ab 2019 um einen Mitarbeiter erweitert werden.