"Das ist eine ganz tolle Sache", sagt Konrad Köhler, Vorsitzender des Vereins "Wir sind Luckau", zum Konzept für das ehemalige "Hospital zum Heiligen Geist", das Beate Riek vor dem Bau- und Wirtschaftsausschuss vorgestellt hat. Auf dem 3000 Quadratmeter großen Areal an der Lindenstraße sollen die künftigen Mieter ein selbstbestimmtes Leben führen und vieles wiederfinden, was sie aus ihrem bisherigen ländlichen Alltag gewöhnt waren, so die neue Eigentümerin. Sie können eine Wohnung beziehen oder in einer von zwei ambulant betreuten Wohngemeinschaften zusammenleben.

Alltag in Gemeinschaft

Die Wohngemeinschaften mit jeweils acht bis zwölf Plätzen sind gedacht für Menschen mit Demenzerkrankungen oder auch mit körperlicher Pflegebedürftigkeit. Sie werden im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss des Hauptgebäudes angesiedelt sein. Jeder Mieter hat dort sein eigenes Zimmer mit Wohn-, Schlaf- und Sanitärbereich. Im Vordergrund stehe jedoch das gemeinsame Alltagsleben, erklärt Beate Riek. Dafür wird es jeweils eine gemeinsame gemütliche Wohnküche geben. Außerdem seien im Hof ein Garten und Kleintierhaltung sowie in einem Nebengebäude ein Handarbeitsraum geplant, wo die Mieter sich nach Belieben betätigen oder auch passiv teilhaben könnten, fügt sie an.

Die Gemeinschaft bestimme selbst, wie sie ihren Alltag organisieren will. Alle Entscheidungen würden eigenverantwortlich von den älteren Menschen oder deren Angehörigen getroffen. Sie schließen sich dafür zu einem Gremium der Selbstbestimmung zusammen, erklärt Beate Riek. Die Mitarbeiter des Hauses begleiten die alten und pflegebedürftigen Menschen bei ihren Aktivitäten. Sie werden rund um die Uhr für die Bewohner da sein. Beate Riek will einen ambulanten Pflegedienst gründen, der sich um die Mieter kümmert, auf Wunsch aber auch gewechselt werden kann.

Neben den Wohngemeinschaften sind in einem Wohngebäude auf dem Hof sowie in Teilen des Altbaus sechs bis acht altersgerechte Wohnungen vorgesehen. Eine teilstationäre Einrichtung zur Tages- und Nachtpflege mit zwölf Plätzen für Tages- und vier für Nachtgäste rundet das Angebot an der Lindenstraße ab. Vorgesehen ist ein Baustart im Frühjahr 2015. Ein Jahr später soll das Angebot in Betrieb gehen. "Wenn es gut läuft, könnten die altersgerechten Wohnungen sowie die Tages- und Nachtpflege womöglich schon vorfristig bezugsfertig sein", hofft die Eigentümerin.

Einen Traum erfüllt

Mit dem Wohnquartier, in dem Pflege und normales Alltagsleben vernetzt sind, erfüllt sich Beate Riek einen Traum, wie sie sagt. Die 52-Jährige kommt vom Fach, ist seit 35 Jahren im Gesundheitswesen tätig. Als Pflegedienstleiterin hat sie 1996 miterlebt, wie das damalige Altenheim "Zum Heiligen Geist" in Luckau leer gezogen wurde und die Bewohner in den Neubau an der Bersteallee übergesiedelt sind. "Manche Tapete aus der alten Zeit habe ich noch wiedererkannt", schmunzelt sie. Sechs Jahre hat Beate Riek als Koordinatorin beim Landesausschuss für Innere Mission (Lafim) 27 Heime in Brandenburg fachlich und konzeptionell begleitet. Derzeit leitet sie ein Heim des Arbeiter-Samariter-Bundes in Lübbenau. Heutige Möglichkeiten, die neben stationärer Pflege Raum für alternative Wohnformen lassen, reizten sie jedoch, Eigenes aufzubauen, so die Cahnsdorferin. "Hut ab vor dem Mut", sagt Bauausschussvorsitzender Matthias Müller (CDU).

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Das neue Wohnquartier für alte, pflege- und betreuungsbedürftige Menschen an der Luckauer Lindenstraße soll ein lebendiger Teil der Stadt Luckau und ein offenes Haus werden, erklärt Beate Riek. Ihr liege viel daran, dass ihre Mieter Kontakte pflegen, Gäste willkommen heißen können. Dazu wird unter anderem im historischen Gewölbe ein kleiner Weinkeller zum Verweilen einladen.