ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:48 Uhr

LR Vor Ort
Leben kehrt ein in leere Läden

FOTO: MicroOne/Fotolia
Luckau. Neues Kunstprojekt macht auf Leerstand in Luckauer Altstadt aufmerksam. Bei einem Rundgang zum RUNDSCHAU-Forum „LR vor Ort“ können Interessierte die Künstler kennenlernen. Von Anja Brautschek

Leerstehende Ladengeschäfte sind vielerorts ein großes Problem. Der Druck vor allem auf kleine Einzelhändler steigt. Das veränderte Konsumverhalten der Menschen und die statke Konkurrenz mit dem Online-Handel zwingt Fleischer, Bekleidungsgeschäfte Schreibwarenläden und andere Händler nach und nach zum Aufgeben. Die Folge: iele Innenstädte veröden immer mehr. Doch wie können Kommunen diesen Trend aufhalten oder gar umkehren? Ein einzigartiges Projekt dazu startet Anfang Juli in Luckau. Im Rahmen der Kunstausstellung Spektrale 8, die noch bis 16. September in Luckau zu sehen ist, wird in der Innenstadt das „CreativQuartier“ aufgeschlagen. Es ist ein Projekt mit Modellcharakter.

Sieben Künstler beziehen für drei Monate leerstehende Ladengeschäfte und richten dort Ateliers auf Zeit ein. Es sind Studenten und Meisterschüler der Kunstakademien in Berlin und Dresden sowie der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, die Luckau mit einem breiten Portfolio an Kunst bereichern wollen: Fotografie, Mode- und Textildesign, Malerei oder auch Objektbau. Wenn die Künstler ihre Kreativität frei ausleben, stehen die Läden für jedermann offen.

Zuschauen ist ausdrücklich erwünscht. „Es sind junge Künstler, die offen sind für Neues“, sagt Herbert Schirmer, Kunst- und Kulturmanager aus Lieberose. Er hat gemeinsam mit der Stadt Luckau und dem Landkreis Dahme-Spreewald das Projekt entwickelt. Das Projekt fördere aus seiner Sicht den Austausch. Die entstehenden Kunstobjekte seien eine Kommunikationsplattform, beschreibt er das Konzept.

Entstanden ist die Idee bereits vor vier Jahren. „Wir haben gemeinsam mit den Gewinnern der Spektrale 6, Franz Rentsch und Marietta Thier, zusammengesessen und überlegt, was wir gegen den Leerstand unternehmen können“, erzählt Bürgermeister Gerald Lehmann. Dabei ist die Idee geboren, mittels Kunst leere Läden wieder mit Leben zu erfüllen. Ein Konzept, von dem sowohl Künstler als auch Stadt profitieren können.

Die kreativen Köpfe können die Semesterferien für künstlerische Projekte nutzen und ihr Können weiter vorantreiben. Dazu erhalten sie finanzielle Unterstützung in Form eines Stipendiums Neue Eindrücke und Inspirationen durch die historische Altstadt Luckaus gibt es kostenlos. Für die Stadt bedeutet so ein Projekt gleichzeitig eine Belebung der Altstadt und neuen Input von jungen Leuten. „Dem einen oder anderen gefällt es vielleicht so sehr, dass er dort bleiben möchte“, sagt Herbert Schirmer. Einige seien bereits vom ersten Besuch fasziniert von der Stadt, berichtet er.

Dazu gehört auch Arina Essipowitsch. Die Fotografin und Malerin wird ihr Atelier gemeinsam mit Dominique Hille am Mark 16 – passend zu ihrer künstlerischen Passion – im ehemaligen Geschäft von Foto-Steinhagen einrichten. Für die Zeit in Luckau hat die Künstlerin außerdem etwas ganz besonderes geplant: Sie will mit jungen Luckauern ein Foto-Projekt realisieren. Schüler des Bohnstedt-Gymnasiums können sich mit Foto-Apperaten kreativ ausleben und Filme sogar selbst entwickeln. Dafür besuchen sie das Foto-Labor der Lübbenaubrücke.

Zum Mitmachen ruft auch Raphael Jacobs auf. Der angehende Modedesigner will die Zeit in Luckau nutzen, um weiter an seiner Diplomarbeit zu arbeiten. Er widmet sich dabei dem Thema Wegwerfgesellschaft und benötigt in diesem Zusammenhang getragene Sachen der Luckauer, die in seinem Atelier auf Zeit abgegeben werden können. „Er will mit seinem Projekt einen sozialen Dialog anregen. Das ist durchaus spannend“, sagt Herbert Schirmer.

Selbst internationales Flair zieht nach Luckau. Der Japaner Masahimo Suzuki, der derzeit in Marseille (Frankreich) wohnt, begeistert sich ebenfalls für das „CreativQuartier“. Um die Stadt besser kennenzulernen, bereiste er Luckau bereits mit dem Fahrrad, erzählt Herbert Schirmer. Mit Alexander Gaertner und Carine Kuntz zieht auch ein Hauch von Haute Couture durch Luckau. Beide studieren Modedesign und werden ausgefallene Modelle zeigen und präsentieren. Einige ihrer Kreationen finden sich mit etwas Glück auch auf dem Laufsteg zum Maxi-Herbst-Mix. Die Abstimmungen dazu laufen derzeit noch.

„Ich bin dankbar über die Möglichkeit, durch dieses Projekt interessante, junge Künstler in die Region zu holen“, so Schirmer. Für Luckau und den Landkreis Dahme-Spreewald ist es ein Versuch, das Thema Leerstand auf andere Art und Weise aufzugreifen. Dabei wird eine langfristige Kooperation mit den Kunsthochschulen und der Kommune angestrebt. „Anstatt immer darüber zu reden, wollten wir etwas machen. Das erste CreativQuartier ist eine Art Testlauf“, sagt Bürgermeister Gerald Lehmann.

LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR