Von Birgit Keilbach

Die Hospizarbeit war Thema der diesjährigen Herbstakademie des Evangelischen Krankenhauses Luckau. Das Interesse daran war groß, denn in wenigen Tagen wird das evangelische Hospiz hinter dem Luckauer Krankenhaus eröffnet. Pia Reisert, Geschäftsführerin des Unternehmensbereiches Altenhilfe im Evangelischen Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin, erläuterte, was Hospizarbeit bedeutet und wie sich diese in der Luckauer Einrichtung demnächst gestalten wird.

Das Einzugsgebiet erstreckt sich auf die Landkreise Dahme-Spreewald, Elbe-Elster und Teltow-Fläming und schließt damit eine Lücke. Denn die nächstgelegenen Hospize befinden sich in Lauchhammer, Luckenwalde und Cottbus. „Uns geht es um eine wohnortnahe Versorgung“, sagt Pia Reisert. In zwölf Einzelzimmern werden die Gäste ihre letzten Lebenstage oder -wochen verbringen. Auch Angehörige könnten ihnen darin nahe bleiben. Zudem gebe es zwei zusätzliche Zimmer für sie.

Die Einrichtung werde eine wohnliche, familiäre Atmosphäre bieten und damit keinen Krankenhaus-Charakter vermitteln. Auch die 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden nicht mit Kitteln bekleidet sein. Die Nachfrage für diese Stellen war groß. Mehr als 200 Bewerbungen seien eingegangen. „Die meisten haben sich beworben, weil sie nochmal etwas ganz Besonderes machen wollten“, sagte Pia Reisert. Pflegedienstleitung, Pflegefachkräfte, Pflegekräfte sowie Hauswirtschaftskräfte, eine Mitarbeiterin für den Sozialdienst und eine Ehrenamtskoordinatorin seien für diese Aufgaben im Hospiz ausgewählt worden. Dabei habe nicht nur die Qualifikation eine Rolle gespielt, sondern auch die individuellen Fähigkeiten und Erfahrungen der künftigen Mitarbeiter. „Diese werden sie einbringen und vor allem haben sie alle das Herz am rechten Fleck“, betonte Pia Reisert.

Für die Menschen, die im Hospiz betreut werden, sei die fachgerechte medizinische und pflegerische Versorgung ebenso wichtig, wie zahlreiche weitere Details für ein würdevolles Leben bis zum Ende. „Wir orientieren uns an den Wünschen der Gäste.“ Den Hauswirtschaftskräften komme eine ganz wichtige Rolle zu. „Sie werden hier selbst kochen und backen, wer sein Lieblingsgericht essen möchte, bekommt es“, nannte sie ein Beispiel. Das Hospiz sei nicht nur ein Ort des Sterbens, sondern auch der Begegnung. „Hier können die Gäste leben – bis zuletzt.“ Zur Lebensqualität gehöre ebenso, dass auch Tiere willkommen seien. „In unser Potsdamer Hospiz kommt zum Beispiel immer mal ein Pony, auch Katzen und Hunde dürfen mit“, so die Geschäftsführerin.

Voraussetzung für die Aufnahme in ein Hospiz sei die Diagnose einer unheilbaren Krankheit und ein Hospizgutachten, das von einem Arzt ausgestellt wurde. „Dieses wird bei der Krankenkasse eingereicht und diese entscheidet dann.“ Laut den Krankenkassen sollten Menschen noch eine Lebenserwartung von 28 Tagen haben. In der Realität blieben die Gäste zwischen acht und zehn Tagen im Hospiz. An die Mitarbeiter stelle das hohe emotionale Anforderungen, daher erhielten auch sie eine professionelle seelsorgerische Begleitung.

„Die Erwartungen an uns als evangelisches Hospiz sind schon etwas höher als an Einrichtungen ohne kirchlichen Hintergrund“, dessen seien sich alle bewusst. Dennoch sei eine konfessionelle Bindung kein Kriterium für die Aufnahme. „Egal, welcher Herkunft ein Mensch ist, welche Geschichte ein Mensch hat, bei uns findet jeder Aufnahme, auch Kriminelle oder Obdachlose“, verdeutlichte Pia Reiser.

Nach dem Vortrag bot sich noch die Gelegenheit zu individuellen Gesprächen mit der Geschäftsführerin für Altenpflege im Diakonissenhaus. Heidi Brauns nutzte sie. „Ich wollte wissen, wie die Zusammenarbeit mit den Ärzten funktioniert. Sehr gut finde ich den Betreuungsschlüssel von eins zu vier.“ Sehr informativ, sowohl auf sachlicher als auch emotionaler Ebene fand Evelin Havenstein den Vortrag. „Ich habe heute viel über Hospizarbeit erfahren und dass sich die Leute dort wie zu Hause fühlen können“, befand Marlis Pirsch. „Und wir haben uns entschlossen, auch mal hinzugehen und Plätzchen oder Kuchen zu backen und uns auf diese Weise einzubringen“, ergänzte Petra Jentsch.