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| 16:04 Uhr

Tourismus
Kohletour auf Kranichflügeln

Projektleiter Ralf Donat am Schlabendorfer See, einem Naturparadies im ehemaligen Tagebau. Ein neues Austellungskonzept in Wanninchen soll Besuchern den Bergbau und eine Landschaft im Wandel besser verständlich machen.
Projektleiter Ralf Donat am Schlabendorfer See, einem Naturparadies im ehemaligen Tagebau. Ein neues Austellungskonzept in Wanninchen soll Besuchern den Bergbau und eine Landschaft im Wandel besser verständlich machen. FOTO: Carmen Berg / LR
Wanninchen. Neues Konzept für Wanninchen. Der Bergbau und die Zeit danach werden zum Erlebnis. Von Carmen Berg

Gleich hinter dem Heinz-Sielmann-Naturerlebniszentrum bietet sich ein spektakulärer Blick auf den Schlabendorfer See. Aber längst nicht jeder Besucher weiß, dass an gleicher Stelle vor nicht allzu langer Zeit Bagger Kohle aus der Erde gruben, dass ganze Dörfer dem braunen Gold weichen mussten oder auch, warum Sperrschilder vor dem Betreten von Flächen warnen.  Zusammenhänge zwischen dem Bergbau und einer Landschaft im Wandel sollen in Wanninchen verständlicher und erlebbarer werden. Das ist der Anspruch einer neuen Schau, die in diesem und im nächsten Jahr im Gebäude sowie auf dem vier Hektar großen Außengelände entsteht. Knapp 460 000 Euro Fördergeld fließen dafür aus dem EU-Topf zur Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER).

Die bestehende Ausstellung stammt aus den Jahren 2002 bis 2004. „Liebevoll gemacht, aber das Erlebnisverständnis hat sich gewandelt“, sagt Ralf Donat, Projektleiter im Naturerlebniszentrum. Es ist zugleich offizielle Informationsstelle des Naturparkes Niederlausitzer Landrücken. Aus diesem Grund schaut die neue Exposition über den Tellerrand von Wanninchen hinaus. „Betrachtet werden der Nordraum des Lausitzer Reviers, die Schlabendorfer und Seeser Felder“, sagt Ralf Donat.

Beim Rundgang durchs Haus sollen auf Fotowänden Abraumbagger in Aktion zu sehen sein. Über Technologien der Kohleförderung wird ebenso wie über verschwundene Orte und über die Sanierung der geschundenen Landschaft informiert. „Wenig Texte, viel Anschauliches“, das sei die Devise, sagt Ralf Donat.

Man kann in einer Filmanimation auf Kranichschwingen über die Landschaft fliegen und quasi von oben verfolgen, wie sich die Natur auf Flächen entwickelt,  die wegen Rutschungsgefahr lange niemand mehr betreten hat. Den Kranichen, die nach dem Ende des Tagebaus zu Tausenden im Luckauer Becken rasten, wird ein eigener Ausstellungsraum gewidmet sein. Dioramen, also Modelle,  setzen die Tiere in ihrem  natürlichen Umfeld in Szene. Auch Eier der imposanten Vögel  dürfen die Gäste selbst in die Hand nehmen. „Wir wollen stärker als bisher die Emotionen der Leute ansprechen“, so der Projektleiter.

Parallel dazu soll sich die Kohle wie ein roter Faden auch durch die Gestaltung des Außengeländes ziehen. Ein barrierefreier Pfad verbindet Informationspunkte zu verschiedenen Aspekten. Doch immer wieder wird auch eingeladen zu Entdeckungen abseits vom Wegesrand.

Eine Baggerschaufel lässt erahnen, wie riesig die Tagebaugeräte einst waren. Das verschwundene Dorf Wanninchen mit seinen rund 15 Häusern lebt in einem begehbaren Modell wieder auf. Nicht die Big Five, die großen Fünf, wie sie Safaritouristen in Afrika suchen, sondern die Small Five, die kleinen Fünf, sollen in Wanninchen Neugier wecken. Lebensgroß werden Sandohrwurm, Kreiselwespe und Co. dargestellt, die ersten Siedler nach dem Bergbau. Dem berühmen Tierfilmer Heinz Sielmann gewidmet wird ein Natur-Foto-Pfad. An verschiedenen Stationen bekommt der Tourist dort ganz praktische Tipps, wie schöne Landschafts- und Naturfotos gelingen.

Das Konzept für die Neugestaltung von Haus und Außenflächen hat ein Planungsbüro aus Leipzig entwickelt. Für die fachlichen Inhalte steht Ralf Donat mit seinem Team, unterstützt vom Biologischen Arbeitskreis „Alwin Arndt“, der Naturparkverwaltung, dem Bergbausanierer LMBV, dem Archiv für verschwundene Orte und weiteren Partnern.

„Wer zuvor im Spreewald unterwegs war, trifft zehn Kilometer weiter bei uns auf eine völlig andere Welt“, nennt Ralf Donat einen guten Grund für den Abstecher nach Wanninchen. Dabei gehe es darum, die Kohle objektiv darzustellen, sowohl in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung als auch in ihren Folgen, erklärt er. „Wir wollen Menschen zum Nachdenken anregen und Lust wecken, selbst aktiv zu werden“, beschreibt er das Ziel der Mühe.

Die Ausstellung im Gebäude soll zum Saisonstart 2019 eröffnet werden. Das Außengelände soll im September nächsten Jahres mit Beginn der Kranichsaison folgen.