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| 19:45 Uhr

In der Diskussion
Neuer Bildungscampus oder Anbau an die Grundschule?

 Im Jahr 2015 war der Hortneubau fertig und schon bald wieder zu eng. Ein Grund ist der große Zuspruch. Laut Bürgermeister wird der Hort  von fast 90 Prozent der Erst- bis Viertklässler genutzt.
Im Jahr 2015 war der Hortneubau fertig und schon bald wieder zu eng. Ein Grund ist der große Zuspruch. Laut Bürgermeister wird der Hort  von fast 90 Prozent der Erst- bis Viertklässler genutzt. FOTO: Carmen Berg
Luckau. Externes Planungsbüro macht Lösungsvorschläge gegen die Enge an Schule und Hort. Von Carmen Berg

Die Grundschule „Rosa Luxemburg“ und der städtische Hort „Freundetreff“ platzen aus den Nähten. Das Planungsbüro EBP hat im Auftrag der Stadt mögliche Lösungsvarianten untersucht und die Ergebnisse unlängst vor dem Bau- und Wirtschaftsausschuss vorgestellt.

Zunächst nahmen sich die Planer den Ist-Zustand vor. Demnach müssen an der Grundschule mit 507 Kindern in 19 Klassen schon jetzt Vorbereitungs- und Materialräume sowie kleine Räume mit weniger als 50 Quadratmetern für den Unterricht genutzt werden. Es gibt keine Arbeitsräume für Lehrer. Aktuell fehlen elf Räume, weitere zwölf kämen laut Bevölkerungsprognosen in den nächsten Jahren hinzu. Außerdem ist die Turnhalle zu klein, das führe vor allem im Winter zu Engpässen.

Für die Oberschule mit 249 Schülern in elf Klassen stellten die Experten keine Defizite fest. Erst bei einer 27-prozentigen Steigerung der Schülerzahlen würde sie an ihre Kapazitätsgrenze kommen.

Der Hort „Freundetreff“ verteilt sich auf drei Standorte. Dazu zählen neben dem Neubau das Kleine Horthaus, das nicht der Stadt gehört und mittelfristig an die Eigentümer zurückgehen soll, sowie Räume der Grundschule. Um den künftigen Bedarf zu decken, wäre eine zusätzliche Fläche von 900 Quadratmetern nötig, also rein rechnerisch ein zweites Hauptgebäude.

Spektakulärste, aber auch mit Abstand teuerste Lösung wäre der Neubau eines Bildungscampus mit Grundschule, Hort und Turnhalle auf rund 25 000 Quadratmetern. Denkbar sei dafür eine Fläche nahe dem Wohngebiet am Grünen Berg, so die Fachleute. Bei einem Baubeginn 2021 würden sich die Kosten voraussichtlich auf 21,6 Millionen Euro belaufen. Marina Schwabe, sachkundige Einwohnerin im Ausschuss, sieht neben dem finanziellen einen weiteren Nachteil. „Gerade für die jüngeren Kinder ist der Schulweg bis an den Stadtrand weit.“

Ihr und anderen im Ausschuss gefällt ein zweiter Vorschlag der Planer besser: Ein Anbau an die vorhandene Grundschule, verbunden mit einem Turnhallenneubau, wofür die Kosten insgesamt auf acht Millionen Euro geschätzt werden. Weil es aber vom Bauantrag bis zur Umsetzung mindestens zweieinhalb Jahre dauert, müsste gegen die akute Raumnot eine Zwischenlösung her. Das Büro EBP empfiehlt Modulbauten, also Container, für sechs Klassen, die für 36 Montate mit etwa 400 000 Euro zu Buche schlagen.

Bislang am schlechtesten im Ranking der Planer sowie bei den Ausschuss-Mitgliedern schneidet eine dritte Möglichkeit ab: ein Gebäudetausch von Grundschule/Hort und Oberschule. Für einen Hortbetrieb sei die Oberschule ungeeignet und Umbauten außerdem bei laufendem Schulbetrieb kaum zu realisieren.

Wie Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) sagt, soll eine Grundsatzentscheidung noch im ersten Halbjahr 2019 fallen. Und es werde eine politische Entscheidung sein. Denn niemand könne gesichert wissen, ob Bedarfsprognosen von heute in den kommenden zehn, 20 oder 30 Jahren Wahrheit werden. Gerlinde Sander, Schulleiterin der Grundschule, hat Vertrauen in die Verwaltung und in die Stadtverordneten, die schlussendlich das letzte Wort haben. „Ich finde es gut, dass die Problematik von Außenstehenden angeschaut wurde. So ist die Betrachtung objektiv“, sagt sie. Die Schulleiterin ist überzeugt: „Es wird eine tolle Lösung geben, die Bestand hat für lange Zeit.“

Harry Müller (UWG/FDP) fragte, ob statt der Container die leer stehende Grundschule in Uckro als Zwischenlösung genutzt werden könnte. Gerlinde Sander ist skeptisch. Unter anderem würden Buskosten entstehen, für die der Landkreis zuständig sei. „Container sind zwar keine schöne, aber die richtige Zwischenlösung“, legt sie ihre Meinung dar.

Mit dem Variantenvergleich durch das Fachbüro ist die Diskussion in den politischen Gremien eröffnet. „Wir müssen mutig sein, aber auch unsere Leistungsfähigkeit im Auge behalten“, beschreibt Luckaus Bürgermeister die Herausforderung.