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Neuer Betrieb setzt auf breites Anbauspektrum

Dahme. Die Dahmer Stadtverordnetenversammlungen beginnen seit Kurzem mit einer aktuellen Stunde. Auf Vorschlag der Fraktionen werden dort allgemein interessierende Themen diskutiert. Diesmal waren Landwirte der neu gegründeten Agrargenossenschaft Gebersdorf-Rosenthal-Mehlsdorf (GeRoMe) zu Gast. Carmen Berg

Der Betrieb hat sich zum 1. Juli aus zwei eigenständigen Genossenschaften neu gegründet und bewirtschaftet Pflanzenbau-Leiter René Nachtigall zufolge mit 40 Arbeitskräften 2500 Hektar Acker- und Grünland. Mit einem breiten Kulturenspektrum will sich die Genossenschaft gegen die Schwankungen des Marktes wappnen, erklärte René Nachtigall. Die Getreideernte sei durchschnittlich ausgefallen, die Preise seien niedrig, deshalb soll die Roggen-Anbaufläche im nächsten Jahr um 200 Hektar auf fast die Hälfte reduziert werden. Der Mais, der auf 300 Hektar heranwuchs, habe unter der Trockenheit gelitten und war deshalb erstmals bereits im September komplett abgeerntet, sagte René Nachtigall. Wie er auf Nachfrage von Matthias Ochs (SPD) erklärte, werde der Mais als Futter genutzt, nur Abfälle gingen in die Biogasanlage. "Überall sah man dieses Jahr Mais, Mais, Mais, deshalb ist die Vielfalt der Kulturen in diesem Betrieb begrüßenswert", würdigte Günter Ukro, Ortsvorsteher von Niebendorf-Heinsdorf.

Zur Anbaupalette gehören neben Getreide, Erbsen, Raps, Sonnenblumen auch Pflanz- und Stärkekartoffeln auf insgesamt rund 250 Hektar. GeRoMe nutzt gemeinsam mit der Bauerngenossenschaft Dahme und der Agrargenossenschaft Görsdorf das Vermehrungszentrum im Kartoffellagerhaus an der Bollensdorfer Straße in Dahme. Es gebe nur noch wenige Betriebe in Brandenburg, die Pflanzkartoffeln vermehren, sagte Ellen Burghardt, Leiterin der Anlage. Die Preise für Stärkepflanzgut seien im Vergleich zu den Turbulenzen beim Getreide stabil, ergänzte René Nachtigall.

Ein sicheres Standbein der Bauern sei stets die Milch gewesen. "Aber jetzt haben wir stark zu kämpfen", so der Landwirt weiter. Das Angebot des Landes, 14 Cent je Liter fürs Aufgeben der Milchproduktion zu bezahlen, sei für die Agrargenossenschaft keine Alternative. Sie hat 530 Milchkühe im Bestand. Erst im März 2015 wurde eine moderne Milchviehanlage in Mehlsdorf in Betrieb genommen. 34 Cent je Liter seien nötig, um Milch kostendeckend zu produzieren, bekommen würden die Bauern 21 Cent, verglich René Nachtigall.

"Ich ziehe den Hut vor der Leistung der Landwirte", so Jörg-Martin Bächmann (Die Linke). Er lobte die Direktvermarktung von Feldfrüchten über das Kartoffellagerhaus. "Das würde ich mir auch für Frischmilch wünschen", sagte er und führte das Beispiel der Agrargenossenschaft Goßmar an, wo Luckau und Heideblick eine Milchtankstelle finanziell unterstützen wollen.