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| 12:21 Uhr

Blick in die Geschichte
Als Luckau einen Regierenden hatte

Nach mehr als 100 Jahren bringen die frühere Museumsleiterin Helga Tucek und Kreisarchivar Thomas Mietk eine neue Stadtchronik heraus.
Nach mehr als 100 Jahren bringen die frühere Museumsleiterin Helga Tucek und Kreisarchivar Thomas Mietk eine neue Stadtchronik heraus. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Eine neue Stadtchronik liefert zu Weihnachten spannenden Lesestoff. Von Carmen Berg

Die letzte Stadtchronik ist mehr als 100 Jahre alt, sie stammt von 1904. Zeit also für ein neues zusammenfassendes Werk. „Von der Hauptstadt der Niederlausitz zur Gartenstadt der Moderne“ nennen LDS-Kreisarchivar Thomas Mietk und die langjährige Leiterin des Niederlausitz-Museums Helga Tucek die von ihnen herausgegebene Neuauflage, die noch vor Weihnachten auf den Markt kommen soll. Die Idee zum Buchprojekt sei im Vorjahr entstanden, angeregt durch die Chronik von Dahme-Spreewald, mit der der Landkreis in Brandenburg ein Vorreiter war, blickt Thomas Mietk zurück. Eine Arbeitsgruppe wurde gegründet, der neben den lokalen Initiatoren Dr. Kristina Hübener von der Brandenburgischen Historischen Kommission angehört. Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete arbeiteten an den insgesamt neun Kapiteln mit. „Doch es soll kein Buch für Historikexperten werden, sondern lebendige Lektüre fürs breite Publikum“, verspricht der Kreisarchivar. Dazu wird in dem 350 Seiten starken Farbband eine reiche Auswahl an historischen Bildern beitragen, teils beigesteuert von Luckauern.

Die Zeitreise beginnt wie im Vorgängerwerk bei der Frühgeschichte, bei den ältesten Spuren in der Region, wobei Aufzeichnungen nicht einfach übernommen, sondern nach neuesten Erkenntnissen überarbeitet wurden, erklärt Helga Tucek. Sie selbst hat sich für ein Kapitel Luckaus Stadtoberhäupter in der sächsischen Zeit zwischen 1500 und 1815 vorgenommen. Sie berichtet über Details, die wohl manchen überraschen mögen. Einen Regierenden Bürgermeister, wie man ihn heute aus Berlin kennt, hat es im 16. Jahrhundert auch in Luckau gegeben, der aber jeweils nur ein Jahr an der Rathausspitze stand. Bei Amtsantritt wurden ihm die Schlüssel fürs Rathaus, für die Stadttore sowie das Stadtsiegel feierlich überreicht. Der Rat bestand aus zwölf Mitgliedern, angelehnt an die biblischen zwölf Apostel, sagt die ehemalige Museumsleiterin.

Thomas Mietk schreibt über die DDR-Zeit. Er  stützt sich auf Archive und Zeitungen, um das Leben in der Stadt anschaulich zu machen.  So hatte Luckau die erste Kaufhalle im Kreisgebiet. Der Schwimmbadbau wird sich wiederspiegeln. Interessant seien die Protokolle von Ratssitzungen. „Während es Anfang der 1950er Jahre noch kritisch zuging, finden sich später viele Phrasen, wie vorbildlich die Planerfüllung läuft. Eine offene Diskussion setzte erst wieder mit der Wende ein“, sagt er.

Die Brandenburgische Historische Kommission griff bei der Autorensuche unter die Arme. Für die Nachwendezeit sei das am schwierigsten gewesen, sagt Helga Tucek. „Die Erinnerungen sind wohl noch zu frisch.“ Mit dem Historiker Steffen Alisch aus Berlin beschreibe ein Wissenschaftler diese Spanne, der einen gewissen Abstand hat.

Dass unter den Städten in Dahme-Spreewald gerade Luckau mit einer neuen Stadtchronik den Anfang macht, sei nicht nur dem Sitz des Kreisarchivs in der Gartenstadt geschuldet, sagt Thomas Mietk.  Schon frühere Luckauer Generationen hätten sich intensiv mit Geschichtsforschung befasst und Publikationen veröffentlicht, die heute hilfreich seien. Helga Tucek erinnert zudem an den Landrat Kurt Freiherr von Manteuffel (1866 - 1926), der Gründer und Förderer des Luckauer Museums war. Viele Stunden haben der Kreisarchivar und die ehemalige Museumsleiterin in Archiven gestöbert, Dokuemnte gewälzt. Beide sind sich einig: Mit jeder Antwort, die sie fanden, tauchten neue Fragen auf. Deshalb sei die Stadtchronik nichts Abgeschlossenes. „Wir wollen Ansätze geben für weitere Entdeckungen“, sagt Mietk.

Das Gros der Arbeit am Buch ist geschafft. Die Macher hoffen, dass die Luckauer am Lesen Freude haben werden. Geplant ist die neue Luckauer Stadtchronik in einer Auflage von 900 Exemplaren und wird 26 Euro kosten. „Ein Preis, der sie für jeden erschwinglich machen soll und durch Unterstützung des Kreises möglich ist“, sagt Thomas Mietk.